“Ihr seid Fake News!“

13:05   12 Januar 2017    543

Es ging zu wie im Zirkus: Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident stand im Zeichen der jüngsten Russland-Vorwürfe. Die nutzte Trump zum Frontalangriff gegen die Medien - und die eigenen Geheimdienste.

Kein Wunder, dass manche Leute die Medien nicht mögen. Wie ein Rudel ausgehungerter Kojoten wälzen sich die Reporter durch den Trump Tower, treten sich auf die Füße, stoßen sich rüde aus dem Weg: "Weg da!" Sie brüllen ihre Fragen durcheinander, übereinander, gegeneinander, winken wichtigtuerisch mit ihren Stiften wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Aber erst machen sie Selfies.

Kein Wunder also, dass Donald Trump, der niemanden neben sich duldet, die Medien am wenigsten mag. "Wie schön, bei euch zu sein", lügt er, als er aus dem Aufzug tritt, um sich erstmals seit Juli den Fragen von Journalisten zu stellen (Lesen Sie hier die Pressekonferenz im Minutenprotokoll nach). Die falsche Höflichkeit währt nicht lang: Am Ende beschimpft er CNN als "Fake News" und die US-Geheimdienste - auf die er künftig angewiesen ist - als Nazis und macht klar, wer fortan die alleinige Nachrichtenhoheit habe: "Ich habe gewonnen."

Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident versinkt im Chaos, noch bevor sie anfängt. Dutzende Reporter keilen sich im Trump Tower um Plätze. Es stinkt nach Schweiß und den Toiletten, die dem Andrang nicht gewachsen sind.

Nicht nur mit den Medien ist Trump auf Kriegsfuß

Denn das eigentliche Thema, Trumps wirtschaftliche Interessenkonflikte, wird sofort überschattet von Sensationsberichten, Russland habe "kompromittierendes Material" über Trump. Diese Berichte, Stunden zuvor in der "New York Times", bei CNN und weiteren erschienen, sind ebenso haarsträubend wie unbestätigt. Trotzdem nahmen die vier US-Spionagechefs sie so ernst, dass sie Trump warnten - sowie den scheidenden Amtsinhaber Barack Obama.

Ein gefundenes Fressen für Trump, der nicht nur mit den Medien auf Kriegsfuß steht, sondern zunehmend auch mit seinen Geheimdiensten. Deren Erkenntnisse über Russlands Cyberangriff auf die US-Wahlen sieht er als Schmähung seines Siegs. Moskaus angebliches Erpressungsdossier über ihn bietet ihm nun die perfekte Gelegenheit, beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - Reporter wie Spione.

So wird dieser Auftritt keineswegs zu Trumps erstem würdig-präsidialen Moment seit der Wahl. Sondern zu einer beispiellosen Mischung aus Selbstbeweihräucherung, Verschleierungstaktik und Verachtung für demokratische Selbstverständlichkeiten wie eine freie Presse und tadellose Regierungsorgane.

Trump bestätigt zwar, dass er von den Top-Spionen eine Zusammenfassung des angeblichen Russland-Dossiers über ihn erhalten habe. Er bezeichnet diese Informationen aber als "Schwachsinn" und - sein neues Lieblingswort - "Fake News".

Einen Punkt spricht er im Detail an: ein angebliches Sexvideo mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel: Jeder wisse, dass in vielen Hotelzimmern Kameras versteckt seien. Außerdem habe er eine Phobie vor Keimen.

Dass das Papier an die Medien lanciert wurde, sei "etwas, was Nazi-Deutschland getan hätte" - eine Formulierung, die er zuvor getwittert hat und gegen die sich jüdische Organisationen verwehren.

"Großen Respekt für die Pressefreiheit und all das"

Er habe "großen Respekt für die Pressefreiheit und all das", sagt Trump. Im gleichen Atemzug verteufelt er die jüngsten Medienberichte als "absolute Schande". Den CNN-Reporter Jim Acosta staucht er vor laufender Kamera zusammen: "Dir gebe ich keine Frage, Ihr seid Fake News!" Auch andere behandelt er wie Untertanen, erteilt ihnen entweder huldvoll das Rederecht oder bringt sie mit einer abfälligen Handbewegung zum Schweigen.

Vor allem Trumps eskalierender Konflikt mit den US-Geheimdiensten ist ein böses Omen: Als Präsident ist er auf ihre Loyalität und Arbeit angewiesen, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das ihm droht: Nach einer halben Stunde kommt er endlich auf seine Interessenkonflikte zu sprechen, die ihm als Konzernchef drohen, wenn er nächste Woche ins Weiße Haus zieht.

Um deren "Anschein" zu vermeiden, tritt er die Leitung seines Konzerns deshalb an seine Söhne Eric und Don ab. Dazu habe er Verträge unterzeichnet, die auf einem Tischchen neben dem Rednerpult liegen, jedenfalls sind da ein paar Ordner gestapelt, deren Inhalt aber nicht erkennbar ist.

Eine Trump-Anwältin erläutert das Verfahren, das außerdem ein Moratorium für neue Deals und die Bestallung eines firmeneigenen "Ethikberaters" vorsehe. So bleibt am Ende trotzdem alles in der Familie, und auch die Anwältin macht ihre mangelnde Unabhängigkeit deutlich, indem sie Trumps Wahlkampfslogan zitiert: "Make America great again!"

Trump beendet Pressekonferenz mit den Worten: "You`re fired!"

Schließlich, sagt Trump, mache er das alles ja nur freiwillig. Sein Kernsatz: "Ich habe prinzipiell keine Konfliktsituation, denn ich bin der Präsident."

Andere denkwürdige Sätze:

Über Russlands Präsident Wladimir Putin: "Wenn Putin den Donald Trump mag, dann sehe ich das als Aktivposten, nicht als Nachteil." Ja, Russland habe US-Computer gehackt, aber das habe auch China, "und davon redet niemand".
• Über sein Konjunkturprogramm: "Ich werde der größte Stellenbeschaffer sein, den Gott jemals erschaffen hat."

Über seine geplante Mauer zu Mexiko, die Mexiko nicht bezahlen will: "Wir bauen die Mauer, und Mexiko wird sie bezahlen." Notfalls über Steuern. Und: "Ich liebe die Menschen von Mexiko. Viele Menschen aus Mexiko arbeiten für mich."
Zum Schluss verabschiedet sich Trump von den Reportern mit dem Slogan seiner einstigen Reality-Show "The Apprentice". Würden seine Söhne im Management des Trump-Firmenimperiums Fehler machen, werde er ihnen sagen: "You`re fired!"

Amerikas neue Realität hat begonnen..

Quelle : spiegel.de

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