24 JANUAR 2017 8°C Baku 3°C Xankandi 5°C Khachmaz 9°C Barda 10°C Lenkoran 4°C Nakhchivan 8°C Ganja

Armenische Terrororganisation Asala: Die Schweiz im Visier von Terroristen

Tarix 12.01.17, 12:05

Font ölçüsü : - / +


von Markus Häfliger

Vor genau 40 Jahren begann eine weltweite Terror-Serie, die sich bald auch gegen die Schweiz gerichtet hat. Heute stellt sich die Frage, ob ein Berner Pfarrer die Terrorbande mitgegründet hat.

Bombe Nummer 1 detoniert am Sonntag beim Bundeshaus, richtet aber kaum Schaden an. Bombe Nummer 2 verletzt am Montag am Flughafen Zürich fünf Personen und verursacht grosse Zerstörungen. Nummer 3 explodiert am Dienstag in der Damenabteilung eines Lausanner Warenhauses und verletzt 26 Menschen, mehrere davon schwer. Bombe Nummer 4 am Mittwoch am Bahnhof Genf fordert einen Toten. Die vier Bombenanschläge, die sich zwischen dem 19. und 22. Juli 1981 ereignen, sind der Höhepunkt einer beispiellosen Terrorwelle gegen die Schweiz, die heute weitgehend vergessen ist.

Hinter den Anschlägen stehen militante Armenier. Sie treten unter verschiedenen Namen auf, ihre wichtigste Organisation aber ist die Armenische Geheimarmee für die Befreiung Armeniens (Asala). Just im Januar 2015, da Europa vom Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» erschüttert wird, jährt sich die Gründung der Asala zum 40. Mal: Im Januar 1975 hat sie in Beirut ihr allererstes Attentat verübt.

Jagd auf Diplomaten

Die treibenden Köpfe bei der Asala sind junge Armenier im Exil, die ihre Heimat in der Osttürkei nur noch vom Hörensagen kennen. Sechs Jahrzehnte sind vergangen seit den türkischen Massakern an den Armeniern im Jahr 1915; fünf Jahrzehnte sind vergangen, seitdem die Grossmächte ihre Versprechen für einen armenischen Staat gebrochen haben. Die Welt hat die Armenierfrage längst verdrängt, und deshalb greift eine junge Generation jetzt zu den Waffen.

Offiziell verfolgt die Asala zwei Ziele: Sie will die Türkei zur Anerkennung des Völkermords zwingen und die ehemals armenischen Gebiete in der Osttürkei in einen armenischen Staat einfügen. Ideologisch bewegt sich die Gruppe im sowjetischen Dunstkreis. Ihr Hauptgegner sind der türkische Staat und all jene Länder, die im Verdacht stehen, mit der Türkei zu kooperieren.

Rund um die Welt macht die Asala ab 1975 Jagd auf türkische Diplomaten; etwa zwanzig von ihnen überleben die Attentate nicht. Im Mai 1976 erreicht der Terror auch die Schweiz, als Bomben das türkische Konsulat und eine türkische Bank in Zürich verwüsten. Am 6. Februar 1980 schiesst ein Attentäter in Bern auf den Mercedes des türkischen Botschafters. Der Mann hat Glück und wird nur leicht verletzt.

Jahrelang operiert die Asala erfolgreich im Untergrund, bis am 3. Oktober 1980 erstmals zwei ihrer Aktivisten ins Netz gehen – ausgerechnet in der Schweiz. Im Genfer Hotel «Beau-Site» detoniert eine Bombe, als eine Armenierin und ein Armenier damit hantieren. Der Mann verliert eine Hand und ein Auge; beide Personen werden verhaftet.

Rache an der Schweiz

Dadurch gerät die Schweiz über Nacht selber ins Visier. Jetzt greifen die Terroristen auch schweizerische Ziele an, um ihre Gefährten zu rächen und freizupressen. Innert Monaten werden die beiden zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt und des Landes verwiesen.

Doch schon wenige Monate später, im Juni 1981, erschiesst ein Armenier in Genf auf offener Strasse einen türkischen Konsulatsangestellten – erneut wird der Täter gefasst. Als Vergeltung starten die Armenier die erwähnte Serie mit vier Bombenanschlägen in vier Tagen. Total gibt es über die Jahre über zwanzig kleinere und grössere armenische Anschläge in der Schweiz oder auf Schweizer Institutionen im Ausland.

Ab Mitte der 1980er Jahre zerfällt die Asala, es kommt zu Spaltungen. 1988 fällt ihr Anführer, bekannt unter dem Kriegsnamen Hagop Hagopian, seinerseits einem Mord zum Opfer.

Schweizer als Mitgründer?

Über die Interna der Asala weiss man wenig Zuverlässiges. Gemäss einer einzigen Quelle war bei ihrer Gründung ein Schweizer armenischen Ursprungs involviert: James Karnusian, eine bekannte Figur in der armenischen Gemeinschaft. Er wurde 1926 in Libanon geboren, war jahrzehntelang reformierter Pfarrer in Gstaad und engagierte sich zeitlebens für die Sache der Armenier. Unter anderem präsidierte er den armenischen Weltkongress.

Kurz nach seinem Tod im Jahr 1998 publiziert die New Yorker Zeitschrift «The Armenian Reporter» ein Gespräch, das sie angeblich elf Jahre zuvor mit ihm geführt hatte – unter der Bedingung, es erst nach seinem Tod zu veröffentlichen. In diesem Gespräch habe Karnusian erklärt, er sei einer von drei Männern gewesen, die die Asala 1975 in Libanon gegründet hätten. Später, als die Asala immer brutaler agierte, habe er sich aber mit ihr überworfen.

Verdienst und Schaden

Nachprüfbar ist dies heute kaum noch; auch der Autor des Artikels lebt nicht mehr. Tochter Manuschak Karnusian sagt, die Familie wisse über eine Verwicklung ihres Vaters bei der Asala nichts. Der Artikel sei «reine Spekulation» und für die Familie damals «aus heiterem Himmel» gekommen.

Zur Bilanz der Asala schrieb Armand Gaspard, ein Westschweizer Journalist mit armenischen Wurzeln, am Anfang habe die «Geheimarmee» durchaus das Verdienst gehabt, die Weltöffentlichkeit für die Armenier-Frage zu sensibilisieren. Später hätten ihre «abscheulichen Exzesse» der armenischen Sache jedoch stark geschadet.

Insgesamt hat die Asala gemäss der amerikanischen Terrorismusdatenbank MIPT weltweit bei 84 Anschlägen 46 Menschen getötet und 299 verletzt. Auch wenn sie längst inaktiv ist, so spielt die Asala in den türkisch-armenischen Propagandaschlachten doch bis heute eine Rolle. Wenn die armenische Seite jeweils über die über eine Million armenischen Opfer des Völkermordes sprechen will, hält ihr die türkische Seite oftmals die Taten der Asala vor.

Quelle:nzz.ch


Xəbərin oxunma sayı : 386


Artikel kommentieren


In seinen Kommentaren, sollten die Leser Ausdrücke der religiösen, rassistischen und nationalen Diskriminierung , sowie Anrufe, die den Rechtsvorschriften Aserbaidschans widersprechen, vermeiden, erniedrigende und beleidigende Ausdrücke nicht verwenden. Solche Kommentare werden bearbeitet oder gelöscht
Namen:
Hinzufügen
Sie können 512 Zeichen eingeben


Ölpreis

ARCHIV

Andere Artikel der Rubrik

US-Kongress gab eine Erklärung zum 27. Jahrestag des ``schwarzen Januars`` ab Noch ein weiterer armenischer Journalist die Friedensplattform unterstützt Trump will Kräfte mit Russland bündeln Menschenrechtskomitee von Milli Mejlis protestiert gegen unmenschliches Verhalten Armenien Präsident Aliyev: Aserbaidschanische Armee ist eine der stärksten Armeen der Welt Ein weiterer NGO-Chef schloss sich der Friedensplattform Armenien-Aserbaidschan an Mit den Keldbascher- Geiseln wird ein Treffen geplant Armenischer Soldat infolge des Gegenfeuers in Berg-Karabach getötet Unfall im Kernkraftwerk in Armenien Donald Trump ist neuer US-Präsident Neuer US-Präsident: Amtseinführung von Donald Trump - Live Volkstrauertag: Minutenlanges Schweigen für Opfer der 20. Januartragödie Appell an den PACE-Präsident der aserbaidschanischen NROs Präsident Ilham Aliyev ehrt Andenken von Opfern von blutiger Januartragödie Der berühmte jüdische Fotograf: `´Die Straßen waren voll von Toten`´ - FOTOS Die blutigen 20. Januarereignisse jähren sich zum 27 Mal Gayane Manukyan ist im Visier Schockierendes Dokument aus dem CIA Archiv: In Armenien befindet sich eine geheime Atombomben Fabrik Treffen zwischen Präsident Ilham Aliyev und Präsident Petro Poroschenko in Davos Botschafter Ramin Hasanov: Aserbaidschan und Deutschland interessieren sich für die Vertiefung und Weiterentwicklung der Beziehungen Briefspiel an PACE : Unterschreiber sagen ‘Es soll keine Sanktion geben’ Präsident Ilham Aliyev trifft mit CEO des Unternehmens Cisco zusammen Armenien gibt die Leiche unseres Märtyrers nicht zurück Armenische Armee beschießt aserbaidschanische Stellungen mit reaktiven Flammenwerfern Ilham Aliyev trifft sich mit CEO von “Suez-Gruppe“ WWF in Davos: Präsident Ilham Aliyev nimmt am Empfang zu Ehren von hochgestellten Personen teil Weltwirtschaftsforum in Davos beginnt Ilham Aliyev nimmt teil Gewalt gegen Demonstranten in Armenien bleibt unbestraft - HRW Verteidigungsministerium: Feindliche Einheiten mit Gegenfeuer zurückgeschlagen Ilham Aliyev trifft sich mit EBRD-Präsident

Nachrichten


Aktuelle Nachrichten →