So schlecht sind deine Kopfhörer für deine Gesundheit

10:41   17 April 2017    398

Das Leben in der Stadt ist schön, aufregend und immer wieder neu. Doch es ist auch: laut. So laut, dass es uns krank machen kann. Einen Teil des ungesunden Lärms erzeugen wir dabei sogar selbst. Mit fatalen Folgen.

Jeder, der schon mal an einer hoch-frequentierten Straße gewohnt hat - am besten noch an einer, auf der nicht nur Autos, sondern auch die Straßenbahn oder die S-Bahn fährt -, weiß, was Lärm bedeutet. Diese Lärmbelastung kann uns krank machen.

Das Problem: Vielen von uns ist das im Alltag nicht wirklich bewusst. Unter den laut-gedrehten Kopfhörern, die wiederum den Lärm der Stadt vertreiben sollen, hören wir die Warnsignale nicht.

Besser wäre es jedoch, denn Lärm ist ungesund. Er löst Stressreaktionen aus, Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden verstärkt gebildet, was wiederum den Blutdruck steigen lässt, die Herzfrequenz beschleunigt und die Blutgerinnung aktiviert. Auch Schlafprobleme können die Folge sein. Schätzungen zufolge sind allein etwa 4000 Herzinfarkte jährlich in Deutschland auf Straßenverkehrslärm zurückzuführen.

Stetiger Lärm belastet auch die Nerven. Bei vielen Menschen wird durch dauerhafte Beschallung die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflusst und die Konzentration gestört.

In erster Linie schadet Lärm aber natürlich unserem Gehör. Leben wir nicht auf dem Dorf, sondern in der Stadt, und sind täglich und dauerhaft Lärmquellen ausgesetzt, laufen wir Gefahr, unseren Hörsinn nachhaltig zu beeinträchtigen.

Das Leben in einer lauten Stadt erhöht das Risiko eines Hörschadens um satte 64 Prozent.

Um die Lärmbelastung etwas besser zu verdeutlichen, müssen wir zunächst einen Ausflug in die Welt der Dezibel machen. Der uns umgebende Lärm wird in dieser Maßeinheit gemessen. Dabei steht null Dezibel für absolute Stille.

Ein für den Menschen normaler und völlig ungefährlicher Dezibel-Wert liegt zwischen 0 und 60 Dezibel. Das beinhaltet Blätterrascheln (10 Dezibel), unsere Atmung (25 Dezibel), eine ruhige Wohnung (45 Dezibel) oder ein normales Gespräch (55 bis 60 Dezibel). Ab 65 Dezibel erhöht sich das Risiko für eine Schädigung des Gehörs.

Kritisch wird es ab einer Lautstärke ab 85 Dezibel. Ohne ausreichenden Hörschutz kann dieser Lärm gesundheitsschädigend für uns sein. Und da kommt eine Menge an Geräusch- und Lärmquellen zusammen: Eine Baustelle ist bis zu 96 Dezibel laut, in einem Nachtclub bist du einem Pegel von bis zu 110 Dezibel (und mehr) ausgesetzt. Doch auch viel Alltäglicheres schlägt mit einer ordentlichen Dezibel-Zahl zu Buche: Der Lärm, den ein Lastwagen verursacht, liegt bei 90 Dezibel, Verkehrslärm bei 75 bis 80.

Aber nicht nur unsere Umwelt schädigt uns, wir tun es auch selbst: mit unseren Kopfhörern.

Sie beschallen uns mit bis zu 95 Dezibel. Zum Vergleich: Eine Holzfräsmaschine ist genauso laut. Wir schaden unserem Gehör also sehr häufig durch unsere eigenen Verhaltensweisen.

Unser Audiogerät produziert rund 100 Dezibel und heutige Kopfhörer verstärken diese Lautstärke zusätzlich. Lassen wir unserer lautstarke Playlist dann 15 Minuten laufen, riskieren wir Schäden im Gehör.

Bis vor kurzem haben Mediziner angenommen, dass der geräuschinduzierte Hörverlust aus einer Schädigung der äußeren Haarzellen in der Hörschnecke resultierte. Die Hörschnecke ist das eigentliche Hörorgan im Innenohr. Tierversuche haben jedoch gezeigt, dass auch relativ geringe Mengen an Lärmbelastung den Hörnerv schädigen können. Dieser verbindet das Innenohr mit dem Gehirn.

Setzen wir unsere Ohren immer wieder starkem Lärm aus, summieren sich allmählich die Schädigungen des Hörnervs. Das kann dazu beitragen, dass es uns zunehmend schwerer fällt, sprachliche Nuancen zu erkennen.

Quelle : welt.de

Tags:


Weitere Artikel der Rubrik