Mammuts starben an nassen Füßen

09:55   20 April 2017    632

War es der Mensch oder war es das Klima? Die Gründe für das Aussterben der eiszeitlichen Megafauna sind umstritten. Eine neue Studie sagt nun: Es war Schmelzwasser, das den Boden zum Schwamm machte.

Am Ende der letzten Eiszeit starben große Teile der Megafauna aus: Im Norden verschwanden ikonische Tiere wie Mammut, Mastodon oder Wollnashorn, aber auch in wärmeren Gegenden kam es zu einer merklichen Ausdünnung unter den großen Wirbeltieren. Neben dem Einfluss des immer weiter nach Norden vordringenden Menschen war dabei offensichtlich auch ein erheblicher, relativ plötzlicher Klimawandel ein entscheidender Faktor.

Nur wie? Wieso sollte das sich immerhin über Jahrhunderte und Jahrtausende erstreckende Schwinden der vergletscherten Zonen und die einhergehende Verschiebung der Vegetationsgrenzen nach Norden von Nachteil für grasende Lebewesen gewesen sein? Heißt das nicht, dass unterm Strich mehr Nahrung zur Verfügung hätte stehen müssen als vorher?

Eben nicht, argumentiert eine aktuelle Studie, die ein internationales Forschungsteam nun im Fachblatt "Nature Ecology and Evolution" veröffentlicht hat: Statt mehr Futter bekamen die Tiere nasse Füße.

Und zwar in ganz erheblichem Maße. Wo vorher Tundra war, erstreckte sich am Ende der Eiszeit ein von ständiger Gletscherschmelze getränktes Gebiet von Sümpfen und Torfmooren. Der über Jahrhunderte nicht versiegende Strom des Schmelzwassers machte den Boden zum Schwamm. Für oft tonnenschwere, wandernde Pflanzenfresser machte das die bisherigen Weidegründe und einst von Gletschern überdeckten Flächen nicht nur wertlos, sondern sogar gefährlich.

Auch vergleichsweise leichte Huftiere wie Moschusochsen, Bisons, Pferde oder Lamas erlebten keine Verbesserung ihrer Lebensumstände, sondern eine Verkleinerung der für sie tauglichen Biotope. Der Kollaps der Populationen der weidenden Tierarten habe dann das Aussterben der größeren Raubtiere nach sich gezogen, schreiben die Forscher.

Feuchtpflanzen im Nahrungsmix

Die Studie beruht auf 511 fossilen Knochen verschiedener Lebewesen aus unterschiedlichen Zeiten dieser Phase, die man auf ihre Ernährung hin untersuchte. So wiesen die Forscher über die in den Knochen abgelagerten Spurenelemente eine messbare Veränderung des Nahrungsmixes der Tiere nach.

Und diese Ergebnisse fielen auch für die Forscher überraschend eindeutig aus: "Wir hatten nicht erwartet, so klare Hinweise auf zunehmende Feuchtigkeit überall in Europa, Siberien, Nord- und Südamerika zu finden", sagt Autor Alan Cooper von der University of Adelaide: "Die Zeiten variieren zwischen den verschiedenen Regionen, passen aber stets zum Ende der Vergletscherung und dem Tauen des Permafrost-Bodens." Die plötzliche Feuchtigkeit sei zudem immer kurz vor dem Zeitpunkt aufgetreten, zu dem die meisten Arten ausstarben.

Die große Ausnahme sei Afrika gewesen, und das gelte bis heute: Weil sich dort die großen Graslandregionen nördlich wie südlich des Äquators erstreckten, fiel der Klimawandel weniger heftig aus. Eine Vergletscherung hatte es auch nicht gegeben, was der dortigen Megafauna nasse Füße ersparte - die Großtiere Afrikas blieben weitgehend erhalten.

Auch unser Einfluss spielte dort möglicherweise eine weniger große Rolle: Der Mensch entwickelte sich in Afrika, war dort also kein neuer, das Biotop störende Einfluss.

Quelle: spiegel.de

Tags:


Weitere Artikel der Rubrik