Bombenexperten entschärfen Blindgänger

12:32   08 Mai 2017    460

Es ist komplizierter als angenommen: In Hannover glückt es , drei Weltkriegsbomben zu entschärfen. Eine davon ist eine besonders knifflige Aufgabe. Rechtzeitig zum Abend können rund 50.000 Menschen allerdings wieder in ihre Häuser zurück.

Bei einer der größten Evakuierungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg sind in Hannover drei Fliegerbomben entschärft worden. Rund 50.000 Menschen konnten am Sonntagabend in ihre Häuser zurückkehren. Der Bahnverkehr war anders als befürchtet kaum betroffen.

Die Entschärfung des dritten Blindgängers war für die Experten allerdings kompliziert. Der letzte Blindgänger ließ sich nicht manuell entschärfen. Gegen 17.45 Uhr konnten die Experten die Bombe dann mithilfe eines Wasserschneidgeräts unschädlich machen. Die Zünder der drei Blindgänger wurden kontrolliert gesprengt.

Wasserstrahlschneider kommen zum Einsatz, wenn der Zünder des Blindgängers beschädigt ist und nicht mehr herausgedreht werden kann: Ein harter Strahl aus Wasser und Quarzsand schneidet den Zünder frei, ohne den Sprengkörper übermäßig zu erhitzen oder zu erschüttern. Lässt sich die Bombe mit dem Wasserstrahlschneider nicht entschärfen, bleibt oft nur noch die kontrollierte Sprengung.

Insgesamt wurden auf dem Baugelände in Hannover drei Fliegerbomben gefunden, davon zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine 10-Zentner-Bombe. Zunächst war man von fünf Sprengsätzen ausgegangen. Bei der Untersuchung entpuppten sich zwei der fünf vermuteten Blindgänger als Metallschrott.

Zugverkehr kaum beeinträchtigt

Wegen der Teilentwarnung konnte am Nachmittag der Hauptbahnhof in Hannover doch vom Regional- und Fernverkehr genutzt werden. Nach Angaben der Bahn und der Stadt Hannover wurde die Bahnstrecke freigegeben, so dass der Hauptbahnhof wieder normal angefahren werden konnte. Ursprünglich hatten die Züge den Bahnhof umfahren sollen.

Für die Kampfmittelexperten war der Einsatz nicht alltäglich: "Wenn ich mehrere Blindgänger nacheinander entschärfen muss, ist das schon eine große körperliche und psychische Belastung", sagte Thomas Bleicher, Chef der Kampfmittelbeseitigung Niedersachsen.

Statt sich in den Notunterkünften aufzuhalten machten viele Hannoveraner während der Evakuierung lieber Ausflüge. Zahlreiche Betroffene nutzten das von der Stadt angebotene Freizeitprogramm und besuchten Museen, Kinos oder den Zoo zu günstigen Konditionen oder komplett umsonst.

Eine größere Evakuierungsaktion als die in Hannover gab es in der Nachkriegszeit bisher nur in Augsburg: Im Dezember 2016 waren dort rund 54.000 Menschen von einer Bombenentschärfung betroffen.

Quelle: n-tv.de , jaz/dpa

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