Multikulti bei den alten Ägyptern? Genom von Mumien lüftet das Geheimnis

11:05   01 Juni 2017    992

Deutsche Wissenschaftler haben alte Mumien aus einem Grabhügel in der Nähe von Kairo untersucht. Anhand des gewonnenen Gen-Materials berichten sie in einem Artikel im Fachjournal „Nature communications“ über die ethnische Geschichte der altägyptischen Multikulti-Gesellschaft.

In den Blick des Forscherteams um Verena Schuenemann und Alexander Peltzer (beide von der Universität Tübingen) und Prof. Johannes Krause (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte Jena) gerieten die einstigen Bewohner der ägyptischen Siedlung Abusir el-Meleq. Für die Studie entnahmen die Anthropologen Gewebeproben von 151 Mumien, die aus der Zeit zwischen 1400 vor Christus bis 400 nach Christus stammen. Sie entnahmen den Mumien mehrere Proben, von Gewebe, Knochen und Zähnen und kombinierten die gewonnenen Daten, was auch zum Erfolg beigetragen haben soll.

Neue Methoden der Gencode-Entzifferung

Die meisten bisherigen Versuche, den genetischen Code ägyptischer Mumien zu knacken, seien gescheitert.

„Das heiße ägyptische Klima, die hohe Luftfeuchtigkeit in vielen Gräbern und einige Chemikalien, die für die Mumifizierung verwendet wurden, trugen allerdings zur Zerstörung der DNA bei“, erklärte Krause.

Allerdings sollen Krause und Schunemann einen Weg gefunden haben, über die Kombination mehrerer Untersuchungsmethoden verlässliche Daten zu erhalten. Sie sind spezialisiert darauf, aussagekräftiges Gen-Material und Analyse-Methoden für Proben zu finden, die bislang als nicht analysierbar galten.

So konnten die Wissenschaftler schließlich von 90 Individuen die DNA der Mitochondrien isolieren, von drei Mumien sogar das komplette Genom des Zellkerns. Es sei das bislang erste Mal, dass das vollständige Genom von ägyptischen Mumien zweifelsfrei rekonstruiert werden konnte.

Altägyptisches Multikulti

„Wir waren vor allem an genetischen Veränderungen und genetischer Kontinuität der damaligen Bewohner Ägyptens interessiert“, so Alexander Pelzer.

Denn die bisherige Lehrmeinung gehe davon aus, dass die alten Ägypter eine Multikulti-Gesellschaft gewesen sein müssen.

Die Genome der Vorzeit sollen gezeigt haben, dass die untersuchten Ägypter am engsten mit der damaligen Bevölkerung des Nahen Ostens verwandt seien.

Das Land liegt an der geografischen Schnittstelle von Asien, Europa und Afrika und stand über Jahrtausende hinweg unter der Fremdherrschaft von Römern, Griechen oder Mazedoniern. Die Forscher konnten an den Genen ablesen, ob es eine Trennung zwischen den fremden Herrschern und den Einheimischen gab oder ob sie so eng waren, dass sie Kinder zeugten.

„Aber offenbar ist nichts passiert. Es gab keine Durchmischung.“ Dies widerspreche der gängigen Lehrmeinung über die Geschichte der Region.

Alte und neue Ägypter

Der Vergleich mit der DNA der heutigen Ägypter zeige dagegen, dass diese in den letzten 1500 Jahren einen bedeutsamen genetischen Anteil aus den südlicheren Regionen Afrikas erworben haben sollen. Sie weisen laut den Wissenschaftlern etwa acht Prozent mehr gemeinsame Kernzell-DNA mit der Bevölkerung südlich der Sahara auf, als die Bewohner des alten Ägyptens.

Eine mögliche Ursache sei die erhöhte Mobilität entlang des Nils: Das Nil-Tal war eine wichtige Handelsroute. Vor 1300 Jahren begann zudem der Sklavenhandel. Schwarzafrikaner wurden als Sklaven in die Mittelmeerregion gebracht, so Stephan Schiffels vom Jenaer Max-Planck-Institut.

„Weitere Studien können nun möglicherweise darüber Auskunft geben, welche Haar- und Hautfarbe die alten Ägypter hatten und wie ihr Immunsystem genetisch aufgebaut war. Aber auch über die Verwandtschaftsverhältnisse der Pharaonen könnte künftig mehr ans Licht kommen.“

Quelle : sputnik.de

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