Das große Ringen um den Schatz der Galeone San Jose

11:17   04 Juli 2017    687

Nach 309 Jahren hat ein weiterer Kampf um die Galeone San Jose begonnen. Nachdem die kolumbianischen Behörden den Beginn der Arbeiten zur Bergung des Schiffes vom Meeresboden angekündigt hatten, wurde das mit Gold vollgestopfte Schiff zum Gegenstand eines großen internationalen Streites.

„Der Reichtum am Korallen-Boden des Ozeans und der Leichnam des Kapitäns auf der Kommandobrücke werden von Historikern als Symbol und Emblem dieser Stadt angesehen, die in den Erinnerungen versunken ist“, so wurde Karthago, vor dessen Küste die Galeone versank, im Roman von Gabriel Garcia Marquez „Liebe in den Zeiten der Cholera“ beschrieben.

Der Hauptheld dieses Werkes, Florentino Ariza, der nicht schwimmen konnte, wagt es, nach dem Schatz von San Jose für seine Geliebte Fermina Daza zu suchen.

Am 8. Juni 1708 befand sich diese Galeone mit mehr als 600 Menschen an Bord auf dem Weg nach Karthago, wo sie vom britischen Schiff “Expedition” attackiert wurde. An Bord der Galeone kam es zu einer Explosion, bei der das spanische Schiff samt seinem Schatz versank. In den Räumen am Kiel befanden sich Gold- und Silberbarren, Smaragde sowie andere wertvolle Gegenstände.

Die beförderten Frachten wurden auf 10 bis 17 Milliarden Dollar geschätzt.

Nach fast 310 Jahren begann eine neue „Schlacht“ bei Karthago. Mitarbeiter des Kolumbianischen Instituts für Anthropologie und Geschichte entdeckten mit Unterstützung der Marine dieses lateinamerikanischen Landes das Wrack der Galeone. 2016 erklärte der Präsident Kolumbiens Juan Manuel Santos, dass die San Jose vom Meeresboden gehoben werde. Am 12. Juni wurde mit diesem Ziel eine staatlich-private Partnerschaft gegründet.

Es gibt mehrere Gründe zu behaupten, dass dieser Schatz Kolumbien gehört, so der Seerecht-Experte von der Kolumbianischen Nationalen Universität Antonio Jose Rengifo. Seit fast 20 Jahren kämpft er vor ausländischen Gerichten um die Rechte Bogotas auf diese Galeone.

„Alles hat mit dem Zeitpunkt der Suche nach der Galeone begonnen. 1980 tauchte eine US-Firma auf, die sich mit Unterwasser-Untersuchungen befasste. Sie erklärte, die San Jose finden zu wollen, und erhielt die Genehmigung für eine Expedition. Wenn ein Unternehmen das Wrack eines Schiffs entdeckt, muss es juristisch die Koordinaten dieses Ortes mitteilen. Wenn sie etwas entdeckt, bekommt sie das Recht auf einen Teil des Schatzes. Die Größe dieses Teils wird von der Gesetzgebung des Landes bestimmt, das mit dieser Frage zu tun hat“, so Rengifo.

Den Unglücksort entdeckte 1994 die Firma Sea Research Armada. Nachdem kolumbianische Behörden der Firma den Status eines Antragstellers gewährten, ging die Firma weiter und forderte von der örtlichen Justiz, die genaue Größe ihres Teils festzulegen. Nach drei Jahren Gerichtsstreit beschloss das Oberste Gericht von Kolumbien 2007, dass die von der Galeone beförderte Fracht nationales und archäologisches Erbe der Nation ist und der Firma Sea Search Armada die Hälfte gehört.

Rengifo bestritt den Beschluss und berief sich darauf, dass die Firma bei der Begründung ihres Antrags gefälschte Dokumente vorgelegt habe. „Stellen Sie sich vor, dass von Ihnen gefordert wird, an jemanden Geld zu zahlen, obwohl sie das nicht tun müssen. Ihnen wird nicht mehr als der Lohn gezahlt, sie werden aus ihrer Wohnung vertrieben, das Einzige was Ihnen übrig bleibt, ist vor Gericht zu gehen und zu erklären, dass jemand ihre Unterschrift gefälscht hat. Hier ist genau das geschehen – die US-Firma legte Dokumente vor, das Oberste Gericht hat sie angenommen und beschlossen, dass sie das Recht auf 50 Prozent der Schätze hat“.

Als Antwort auf die Forderungen von Sea Research stellte Rengifo die Legitimität der diesem Unternehmen 1982 gewährten Rechte auf Unterwasser-Untersuchungen infrage. Daraus ergeben sich die Zweifel Rengifos an der Legitimität des Gerichtsbeschlusses von 2007, der sich gerade auf diese Rechte stützt.

„Wir behaupten, dass die bei ihnen vorhandenen Papiere über das Recht gefälscht sind, weil sie unter Umgehung des administrativen Protokolls erhalten wurden. Falls der Staatsrat beschließt, dass diese Dokumente gefälscht sind, muss das Gericht seinen Beschluss ändern, weil er beim Fällen dieses Beschlusses diese Dokumente nutzte und sie als juristisch gültig bezeichnete“, so der Rechtsanwalt.

Alles änderte sich, als Santos erklärte, dass die Galeone von kolumbianischen Wissenschaftlern entdeckt worden sei. Die Vertreter von Sea Research sagten daraufhin, dass Bogota das Wrack dank den Koordinaten entdeckt habe, die sie 1994 ermittelt haben. Rengifo zufolge ist dem nicht so, weil die von den Amerikanern bereitgestellten Angaben mit der Forderung nach Bereitstellung der Koordinaten des entdeckten Schiffs nicht verbunden sind.

Diesem Streit kann sich auch Spanien anschließen, das die Galeonen immer als Kriegsschiffe bezeichnete und demnach auch als eigenes Eigentum, obwohl das Schiff Gold und Smaragde aus Kolonien ausführte.

Während seines Kolumbien-Besuchs 2016 sagte der spanische Justizminister Rafael Catala Polo, dass es sich um ein spanisches Schiff handele, da das Schiff laut Seerecht dem Staat gehöre, unter dessen Flagge es am Tag des Unglücks gefahren sei. An Bord dieser Galeone kamen viele Spanier ums Leben.

„Wir denken, dass das Beste, was man tun kann, ist, das Kulturerbe zu respektieren, also das Schiff dort zu lassen, wo es liegt“, so der Minister. Interessant sei, wie die Position Madrids sein wird, wenn Kolumbien die Galeone vom Meeresgrund bergen wird.

Rengifo zufolge darf man Madrid nicht unberücksichtigt lassen. „Spanien gewann vor dem US-Gericht das Verfahren zu einer anderen versenkten Galeone. Das ist ein sehr ernsthafter Präzedenzfall“, so der Experte.

„In Spanien befassen sich mit diesem Thema sowohl Diplomaten, als auch Militärs, Seeleute und Historiker. Madrid ist sich sicher, dass Kolumbien von ihm nichts fordern kann“, so der Experte.

„Wir sollten Spanien nicht unterschätzen, die Militärmacht, die mehrmals Gerichtsverfahren zu Galeonen gewann – mit ihrer großen Diplomatie, die sehr effektiv funktioniert“, sagte Rengifo.

Die neue Schlacht um die Galeone zwischen dem ehemaligen Reich, der ehemaligen Kolonie und Schatzjägern wird noch sehr spannend.

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