Weidmann warnt Trump vor lascheren Bankenregeln

11:34   16 März 2017    676

Die Finanzinstitute zeigen sich besorgt über den zunehmenden Protektionismus. Die Einschätzungen zur weiteren Zinsentwicklung in der Welt liegen dagegen weit auseinander.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat den amerikanischen Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, die Regeln für Banken aufzuweichen. „Deregulierungen vorzunehmen in der Hoffnung, damit die Wirtschaft zu stimulieren, könnte nach hinten losgehen“, sagte Weidmann am Mittwoch auf einer Tagung des internationalen Bankenverbands IIF in Frankfurt.

Kurz vor dem Treffen der G-20-Finanzminister in Baden-Baden appellierte er an die zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer, nicht zunehmend auf Abschottung zu setzen. Es sei eine der größten Errungenschaften der G20 nach der Finanzkrise gewesen, dem Protektionismus zu widerstehen. „Es ist jetzt umso wichtiger, dass diese Errungenschaften nicht aufgegeben werden“, sagte Weidmann. Auch mehrere Vertreter internationaler Finanzinstitute warnten vor den negativen Folgen nationaler Alleingänge sowohl für den Wohlstand in der Welt als auch für die Stabilität der Finanzmärkte.

Philipp Hildebrand, Vorstandsmitglied des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, warnte, dass ein kräftiger Rückgang des Welthandels bei den europäischen Banken die Zahl der faulen Kredite weiter anschwellen lassen könnte. Tim Adams, Präsident des IIF (Institute of International Finance), sagte: „Der wachsende wirtschaftliche Nationalismus ist eines der größten Risiken für unsere Branche“. Sylvie Matherat, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, warnte, dass durch die Fragmentierung der Bankenregeln ganze Regionen – wie etwa Südamerika und Afrika – von den internationalen Finanzmärkten ausgeschlossen werden könnten.

Als positives Beispiel für die internationale Zusammenarbeit nach der Finanzkrise nannte Weidmann die strengeren Bankenregeln namens Basel III. Derzeit liegen die Verhandlungen zu diesen internationalen Kapitalvorschriften auf Eis, weil sich Europäer und Amerikaner in einigen Punkten nicht einig sind. Eine schnelle Wiederaufnahme der Verhandlungen sei im gemeinsamen Interesse, sagte Weidmann, da die Unsicherheit die Banken belaste.

Weit auseinander liegen die Einschätzungen zur weiteren Zinsentwicklung in der Welt. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Peter Praet, warnte davor, die jüngsten Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi schon als Anzeichen einer geldpolitischen Wende zu sehen. „Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn Leute damit anfangen, über Regimewechsel oder Normalisierung zu reden.“ So weit seien sie noch nicht, sagte Praet. Zwar gebe es Anzeichen, dass sich die Lage bessere und das schlage sich auch in einem optimistischeren Tonfall der EZB nieder. „Aber eines der größten Risiken ist, dass die Märkte überreagieren.“

John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, sagte: „Der Haupttreiber für die Geldpolitik der EZB ist, dass es dafür keinen Ersatz gibt.“ In den Vereinigten Staaten dagegen hätten die Politiker längst damit begonnen, die Geldpolitik um Fiskalpolitik zu ergänzen. Axel Weber, Verwaltungsratschef der UBS, sagte, er glaube nicht daran, dass sich die Geldpolitik von EZB und Fed sehr viel weiter auseinander bewegen werden. Ein allzu starker Dollar sei nicht im Sinne der amerikanischen Wirtschaft.


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