Macron setzt auf breitgefächertes Kabinett

21:37   17 Mai 2017    706

Das Kabinett des französischen Präsidenten Macron steht: Seine Minister kommen aus verschiedenen politischen Lagern. Außenminister wird der bisherige Verteidigungsminister Le Drian. Auch ein Aktivist sitzt künftig in der Regierung.

Drei Tage nach seinem Amtsantritt hat der französische Präsident Emmanuel Macron eine Regierung mit Ministern aus verschiedenen politischen Lagern benannt. Ihr gehören insgesamt 22 Minister und Staatssekretäre an - darunter sind gleich viele Männer und Frauen.

Europa- und Außenminister wird der bisherige Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian von den Sozialisten. Das Wirtschaftsressort übernimmt der Konservative Bruno Le Maire, wie der Generalsekretär des Élyséepalastes bekanntgab. Le Maire hat enge Beziehungen zu Deutschland und spricht auch gut Deutsch - ebenso wie die liberale Europaabgeordnete Sylvie Goulard, die Armeeministerin wird.

Macron hatte am Montag bereits den Konservativen Edouard Philippe zum Premierminister gemacht. Dieser gehört zum moderaten Flügel der bürgerlichen Partei Die Republikaner. Auch Philippe spricht Deutsch - er hatte sein Abitur in Bonn abgelegt, wo seine Eltern in einer französischen Schule arbeiteten.

Aktivist im Ministerium

Der sozialliberale Staatschef Macron will das traditionelle Links-Rechts-Schema der französischen Politik durchbrechen. Durch die Einbindung moderater Konservativer setzt er das bürgerliche Lager vor den entscheidenden Parlamentswahlen im Juni weiter unter Druck.

Das Innenministerium, das nach der Terrorserie der vergangenen Jahre großes Gewicht hat, übernimmt Gérard Collomb. Der Senator und Bürgermeister von Lyon ist einer von Macrons Unterstützern der ersten Stunde. Der Zentrumspolitiker François Bayrou führt das Justizministerium. Er hatte bei der Präsidentschaftswahl ein Bündnis mit Macron geschlossen. Zum Minister für den "Ökologischen und Solidarischen Wandel" machte Macron den Filmemacher und Umweltaktivisten Nicolas Hulot.

Macron wollte das Kabinett ursprünglich am Dienstag vorstellen. Er verschob dies jedoch, um die finanzielle Lage der künftigen Minister durchleuchten zu lassen. In den vergangenen Jahren waren mehrfach französische Regierungsmitglieder wegen Finanzaffären oder Interessenkonflikten zurückgetreten. Bislang ist die Überprüfung der Finanzverhältnisse von Ministern laut Gesetz erst nach der Ernennung vorgesehen.

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