"G20-Protestwelle" will auf Hamburg zurollen

22:39   18 Mai 2017    2239

Ein breites Bündnis aus Verbänden will das Gehör der Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer finden, wenn diese Anfang Juli in Hamburg zusammenkommen. Aber wer protestiert hier eigentlich genau - und wofür?

Viel repräsentativer als an der Binnenalster wird es in Hamburg nicht mehr: Altehrwürdige Bauten säumen das Ufer des Stausees im Herzen der Stadt, jeder Blick ein Postkartenmotiv. Am heutigen strahlendschönen Donnerstag sorgt bei den am Jungfernstieg entlangflanierenden Touristen allerdings vor allem die bunte Truppe von Aktivisten in Kajaks, Ruderbooten, Tretbooten und sogar auf Standup-Paddle-Boards für Aufmerksamkeit. Die Gruppe versucht, eine Kette für die Fotografen an Land zu bilden. "G20-Protestwelle" heißt es auf einem Transparent. Es ist der Auftakt für die Proteste gegen das anstehende Treffen der Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 7. und 8. Juli.

Dass sie ein paar Wochen zu früh dran sind, um Eindruck bei den Präsidenten Russlands, der USA und der Türkei, Wladimir Putin, Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan, zu machen, und die Protestwelle mit rund 20 Aktivisten momentan noch eher ein Protestwellchen ist, ist den Demonstranten selbst klar. Allerdings soll die beschwingte Maiausfahrt auch eher als Warmpaddeln dienen, um die Werbetrommel für die eigentliche Demo am 2. Juli zu rühren - auf der dann mit bis zu 100.000 Teilnehmern gerechnet wird: "Das wird ein richtiger Protesttsunami", ist eine der Demonstrantinnen überzeugt.

Wer demonstriert?

Die "G20-Protestwelle" ist ein Zusammenschluss von über 15 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden, zu den Organisatoren zählen unter anderem die Umweltorganisationen Greenpeace und BUND, Campact und der Verein Mehr Demokratie Hamburg. Von allen angekündigten Großdemonstrationen rund um den G20-Gipfel ist die "Protestwelle" am stärksten in der Mitte der Gesellschaft verankert - die Organisatoren betonen, dass sie nicht gegen den G-20-Gipfel an sich seien. "Anders als bei den G-7- und G-8-Gipfeln, wo ein illustrer Kreis glaubt, Politik für die ganze Welt zu machen, sind die G 20 als Institution ein Fortschritt", sagt Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz.

Wofür wird demonstriert?

"Das Bündnis der G20-Protestwelle streitet für einen gerechten Welthandel, die Rettung des Klimas, für soziale Gerechtigkeit und die Stärkung der Demokratie", heißt es auf der offiziellen Website. Im Klartext heißt das:

Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA sollen gestoppt werden;
Die Regelungen des Pariser Klimaschutzabkommens sollen umgesetzt und nach Möglichkeit verschärft werden;
Die G20-Staaten sollen Steueroasen trockenlegen, Spitzeneinkommen und Großvermögen stärker besteuern und anstelle dessen in Bildung, bezahlbaren Wohnraum und eine bezahlbare und gute Gesundheitsversorgung investieren;
Autoritäre Zustände in G20-Staaten wie in der Türkei, Saudi-Arabien und Russland sollen beendet, der Vormarsch von Rechtspopulisten gestoppt werden.
Wie wird demonstriert?

Am Sonntag, den 2. Juli, findet auf der Binnenalster eine große Bootsdemo statt, die von Zehntausenden Protestierenden am Ufer unterstützt werden soll. An Land geht es dann gegen 12.00 Uhr vom Rathausmarkt zu den Messehallen. Am Veranstaltungsort des G20-Gipfels folgt dann gegen 16.00 Uhr die Abschlusskundgebung.

Warum wird bereits so früh demonstriert?

Die "G20-Protestwelle" findet bereits am Sonntag vor dem eigentlichen Gipfel statt, um im Trubel der Berichterstattung nicht unterzugehen: "Das gelingt am besten, wenn man vorher auf die Straße geht, wo noch nicht alles überstrahlt wird von den Bildern der Staats- und Regierungschefs", sagt Campact-Geschäftsführer Bautz.

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