Deutsche Unternehmen leiden unter Sanktionsüberdruck

21:06   09 Auqust 2017    384

Schon seit drei Jahren dauert der Sanktionskrieg zwischen dem Westen und Russland an. Der russisch-deutsche Handelsumsatz ist um ein Drittel geschrumpft, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Mittwoch.

Laut den offiziellen Angaben der EU-Kommission belaufen sich die Verluste der europäischen Unternehmen auf 90 Milliarden Euro. Andere Institutionen schätzen sie aber viel größer ein. So hatte das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung schon im Sommer 2015 von 100 Milliarden Euro gesprochen, wobei ausgerechnet Deutschland der größte Verlierer gewesen sei.

Die Deutsch-Russische Außenhandelskammer führte ihrerseits an, dass der gegenseitige Handelsumsatz von 52,8 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 36,6 Milliarden Euro 2016 zurückgegangen sei. In diesem Jahr sei die Dynamik zwar positiv, aber den Vorkrisenstand werde er voraussichtlich noch lange nicht erreichen. Laut europäischen Experten hat die deutsche Wirtschaft wegen des Sanktionskriegs bereits 17 Milliarden Euro verloren.

Im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft führte man den Abwärtstrend außerdem auf die Abwertung des russischen Rubels und die Rezession der russischen Wirtschaft wegen des Absturzes der Ölpreise zurück. Ein Fünftel aller Verluste entfalle aber ausgerechnet auf den Sanktionskrieg.

Der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer zufolge mussten in den Jahren 2015 und 2016 nahezu 800 deutsche Unternehmen ihre Geschäfte in Russland aufgeben. Ende 2016 habe die Zahl deutscher Firmen, die in Russland Niederlassungen hatten, bei 5237 gelegen.

„Deutsche Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen, leiden immer noch sehr stark“, stellte der Leiter des deutschen Büros der Industrie- und Handelskammer Russlands, Sergej Nikitin, fest.

Laut der jüngsten gemeinsamen Umfrage der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft plädieren unter 190 deutschen Unternehmen mit Russland-Geschäften 91 Prozent von ihnen für die sofortige oder schrittweise Abschaffung der Wirtschaftssanktionen.

Die größten deutschen Firmen freuen sich nicht über die Sanktionen und möchten, dass die Politik sie je nach der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zur Konfliktregelung in der Ukraine aufhebe, so ein Sprecher des Ost-Ausschusses. Allerdings glauben die meisten von ihnen nicht, dass dies in absehbarer Zeit möglich wäre. Mehr als 50 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten das bestenfalls 2018, und etwa 20 Prozent machen sich darauf gefasst, dass die Restriktionen auch später in Kraft bleiben werden.

Vor der Verabschiedung des neuen antirussischen Sanktionsgesetzes in den USA habe noch die Hoffnung auf eine relativ baldige Verbesserung der Situation bestanden, aber jetzt gebe es „den Eindruck, dass die politischen Spannungen noch länger dauern werden, als man erwartet hatte“, räumte Nikitin ein.

Quelle : sputnik.de

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