Der BVB entdeckt eine besondere Qualität

  07 Auqust 2022    Gelesen: 356
  Der BVB entdeckt eine besondere Qualität

Borussia Dortmund präsentiert sich beim schwer erkämpften 1:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen als wehrhafte Einheit, die gewillt ist, hart für den Erfolg zu arbeiten. Zu sehen sind allerdings auch spielerische Defizite, die der BVB abstellen muss, will er oben angreifen.

Nach dem Abpfiff tanzte Karim Adeyemi mit seinen Mitspielern am Mittelkreis des mit mehr als 81.000 Zuschauern prallgefüllten Dortmunder Stadions. Der 20-Jährige, der vor wenigen Wochen aus Salzburg gekommen war, um im Ruhrgebiet ein neues Kapitel seiner noch jungen Karriere aufzuschlagen, tat das in Adiletten und auf einem Bein. Der Jung-Nationalspieler hatte früh im ersten Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen vom Feld humpeln müssen, weil er sich nach einem Foul eine Kapselverletzung am Fuß zugezogen hatte. Dass er nun zurückkehrte, um mit seinen Kollegen zu feiern, anstatt sich pflegen zu lassen, sagt viel über das Betriebsklima in der neu zusammengestellten Mannschaft des BVB.

Ein gutes Stück entfernt verfolgte Edin Terzic das Treiben seiner kickenden Belegschaft, seinen Arm hatte der neue und alte Trainer der Borussia kollegial um die Schulter seines Co-Trainers Sebastian Geppert gelegt. Was er sah, wird ihm gefallen haben, schließlich entspricht das haargenau dem Geist, den Terzic beim börsenorientierten Fußballunternehmen implantieren will.

Der BVB soll mit seinem hochgerüsteten Kader nicht nur gehobene Fußballkunst bieten, sondern sich dabei wesentlich wehrhafter präsentieren, als dies zuletzt unter Terzics Vorgänger Marco Rose der Fall gewesen war. Insofern konnte der hart erkämpfte und am Ende ziemlich glückliche 1:0-Erfolg über die Rheinländer als besonders wertvoll abgespeichert werden, auch wenn nach gutem Beginn spielerisch viele Wünsche offengeblieben waren. Später berichtete der gut gelaunte Übungsleiter in der Pressekonferenz, "der Funke ist auf die Tribüne übergesprungen und wieder zurück".

"Kein Leckerbissen für die Fans"

Genau dieser Schulterschluss zwischen Fans und Profis soll die neue Borussia in dieser Saison weit tragen. Dabei lautet das Credo des 39-Jährigen, der aus dem Örtchen Menden im Sauerland stammt: "Es darf uns nie passieren, dass jemand hungriger und fleißiger ist als wir."

Dass dabei viel Maloche und ganz wenig Kunst zu beobachten war - geschenkt. "Ein bisschen wenig Struktur", konstatierte Kapitän Marco Reus, der früh im Spiel das Tor des Tages erzielte, indem er den auf der Linie liegenden Ball ins Tor drückte: "Da greift noch nicht alles ineinander". Spielerisch sei das "kein Leckerbissen für die Fans" gewesen, "aber am Ende gibt es drei Punkte. Und die nehmen wir gerne mit."

Es ist dieser bedingungslose Zusammenhalt, der bei denen, die es gut mit der Borussia meinen, wohlige Erinnerungen hochkommen lässt an selige Zeiten, als der BVB vor elf Jahren mit No-Name-Spielern wie Kevin Großkreutz, Marcel Schmelzer, Neven Subotic und dem jungen Mats Hummels nach ganz oben stürmte. Auch fußballerisch gab es in der schwungvollen Anfangsphase jenen Klopp-Fußball zu sehen, der mitreißend war und den Trainer zum Dortmunder Säulenheiligen aufsteigen ließ: schnell, wuselig und lästig für den Gegner, der permanent angelaufen und unter Stress gesetzt wird.

Da deutete die Borussia an, was möglich ist, wenn der hochgerüstete Bolide BVB Fahrt aufnimmt. Allerdings war auch überdeutlich zu sehen, wie stotternd der Motor noch läuft. Terzic gefiel es, wie engagiert seine Spieler gegen den Ball arbeiteten, gleichzeitig wünscht er sich jedoch, "dass wir in Zukunft weniger verteidigen müssen, weil wir die Bälle zu schnell hergeben."

Schlotterbeck renkt sich Schulter aus und ein

Im Spielverlauf häuften sich die Defizite dermaßen auf, dass die Dortmunder eine Menge Dusel und einen überragenden Torhüter Gregor Kobel benötigten, um den ebenso knappen wie wertvollen Vorsprung mit Zähnen und Klauen über die Ziellinie zu retten. "Wenn man über 90 Minuten so viele Situation kreiert wie wir, ist es ärgerlich, mit leeren Händen nach Hause zu fahren", analysierte Leverkusens Trainer Gerardo Seoane treffend.

Als neuer Held der Arbeit etablierte sich dabei auf Seiten der Gastgeber Nico Schlotterbeck. Der aus Freiburg gekommene Nationalspieler renkte sich bei einem Zweikampf die Schulter aus, ließ sie sich im Kabinengang einrenken, um schnurstracks zurück aufs Spielfeld zu eilen, um weiter zu grätschen. Er habe "brutale Schmerzen" verspürt, berichtete Schlotterbeck, "aber wir haben gewonnen und zu null gespielt. Das ist doch genau das, was du als Manndecker willst." Der 22-Jährige ist an neuer Wirkungsstätte in kürzester Zeit angekommen und wird schon jetzt als Publikumsliebling gefeiert.

Es mache "brutal Spaß, auf die Gelbe Wand zu spielen", berichtete Schlotterbeck, er werde "hier in den nächsten Jahren alles geben". Auch solche Sätze zaubern ein Lächeln auf das Gesicht von Terzic. Ein Anfang ist gemacht, doch bereits in fünf Tagen wird in Freiburg auf dem Prüfstand stehen, wie stabil die neue Borussia ist. "Wir haben viele Themen mitgenommen", sagte Terzic, "die wir in der kommenden Trainingswoche bearbeiten werden."

Quelle: ntv.de


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