Kolumbiens Präsident schlägt Amazonas-Fonds vor

  08 Auqust 2022    Gelesen: 365
  Kolumbiens Präsident schlägt Amazonas-Fonds vor

Kolumbiens neuer linker Staatschef Petro präsentiert seine Pläne: Den Frieden mit den Guerillas umsetzen, Reichtum nach unten umverteilen und die Grenzen zu Venezuela öffnen. Er schlägt zudem einen internationalen Fonds für den Amazonas-Regenwald vor. Die Hoffnungen und Ängste im Land sind groß.

Der neue kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat sein Amt angetreten. Der Linkspolitiker legte auf der Plaza Bolívar im Zentrum der Hauptstadt Bogotá seinen Amtseid ab. Mehrere Kollegen wie Chiles Präsident Gabriel Boric, der argentinische Staatschef Alberto Fernández, der bolivianische Präsident Luis Arce und Spaniens König Felipe VI. nahmen an der Feier teil. Petro ist der erste linke Staatschef in der Geschichte Kolumbiens.

Petro war zuvor Abgeordneter, Senator und Bürgermeister Bogotás gewesen. Er setzte sich in der Stichwahl am 19. Juni gegen den populistischen Immobilien-Unternehmer Rodolfo Hernández durch. Mit seiner Vizepräsidentin Francia Márquez rückt erstmals eine schwarze Frau an die Staatsspitze.

In seiner Antrittsrede nach der Vereidigung schlug Petro einen internationalen Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes vor. "Wir können die gesamte Bevölkerung des kolumbianischen Amazonasgebiets zu Waldschützern machen, aber wir brauchen Finanzhilfe aus der ganzen Welt, um das zu tun", sagte er. Um die "Lunge des Planeten" zu schützen, könne die internationale Gemeinschaft die Auslandsschulden seines Landes verringern, um Aktionen zum Schutz und zur Wiederaufforstung der Regenwälder zu finanzieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) könne die Schulden etwa in "direkte Aktionen gegen den Klimawandel" umwandeln.

Angst vor Absturz

Petro will die Beziehungen zu Venezuela normalisieren und die Grenzen zu dem Nachbarland wieder öffnen. Zudem will er den vor sechs Jahren geschlossenen Friedensvertrag mit der Guerillaorganisation FARC konsequent umsetzen und auch mit den anderen bewaffneten Gruppen des Landes Gespräche aufnehmen. Der Ex-Guerillero und Wirtschaftswissenschaftler hat zudem angekündigt, die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen zu bremsen. Das könnte auch Folgen für Deutschland haben, das wegen der Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine künftig mehr Kohle aus Kolumbien importieren will.

Zu Petros schwersten Aufgaben wird es gehören, Geschäftsleuten, Großgrundbesitzern und Militärs die Angst vor einer linken Regierung zu nehmen. Vor der Wahl hatten viele ihrer Vertreter vor einer ähnlichen Entwicklung wie in Kolumbiens autoritär regiertem Nachbarstaat Venezuela gewarnt.

Kolumbien ringt mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, großer sozialer Ungerechtigkeit und weit verbreiteter Gewalt. Von der bisherigen konservativen Regierung von Präsident Iván Duque wurde das Friedensabkommen mit den FARC nur halbherzig umgesetzt. Viele Ex-Kämpfer sind deshalb wieder in den Untergrund gegangen und haben sich kriminellen Banden angeschlossen.

Quelle: ntv.de, rpe/dpa/AFP


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