Hamburg: Kriminalpolizisten „am Ende“

  17 Oktober 2017    Gelesen: 281
Hamburg: Kriminalpolizisten „am Ende“

Wegen einer extrem langen Liste an Herausforderungen und dünner Personaldecke schlägt die Vertretung der Kriminalpolizisten in Hamburg zum ersten Mal Alarm. Tausende Fälle können bis zum Jahresende einfach unbearbeitet liegen blieben.

„Wir sind am Ende“, wird Jan Reinecke, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) von „Abendblatt“ zitiert. „Die Situation lässt nicht mehr zu, die Kriminalität richtig zu bekämpfen. Das betrifft die Organisierte Kriminalität inzwischen ebenso wie Kapitalverbrechen. Der Zustand ist nicht tragbar.“

Die Zustände im für Betrug zuständigen Landeskriminalamt 55 seien besonders krass. Dort würden bis zum Ende 2017 vermutlich etwa 5000 Fälle liegen bleiben.

„Jede Woche sind es 150 Fälle, die auf die Fensterbank wandern, statt sofort bearbeitet zu werden“, so Reinecke. Die Fallmappen würden zum Teil einfach in Kartons unter den Schreibtischen gesteckt. „Bis ein Beamter dazu kommt, die Fährte wieder aufzunehmen, hatten die Täter etwa beim Online-Betrug schon genügend Zeit, ihre Spuren zu verwischen“, betonte der BDK-Landeschef weiter.

Aber auch in solchen Bereichen wie Sexualstraftaten fühlten sich die Kriminalpolizisten „nicht mehr wohl in ihrer Haut“. „Früher hatten wir Wartelisten für Beamte, die unbedingt in der Mordkommission oder in der Abteilung für Sexualdelikte arbeiten wollten. Heute will da keiner mehr hin“, zitiert „Abendblatt“ Reinecke.

Zwar hatte die Statistik zuletzt für die ersten drei Quartale des laufenden Jahres die niedrigste Gesamtkriminalität in Hamburg seit 18 Jahren ausgewiesen, so „Abendblatt“. Der BDK-Landesvorsitzende warnt aber trotzdem davor, sich von den guten Zahlen nicht blenden zu lassen. „Wie viele Straftaten registriert werden, hängt auch davon ab, wie stark die Polizei das Dunkelfeld ausleuchtet“, betont er. Bei mafiösen Strukturen etwa ließe die Personalsituation kaum noch intensive Ermittlungen zu.

Quelle : sputnik.de

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