Aktivisten melden Plünderungen in Afrin

  19 März 2018    Gelesen: 348
Aktivisten melden Plünderungen in Afrin

Türkische Truppen und mit ihr verbündete syrische Einheiten kontrollieren die Region Afrin. Nun gibt es Berichte über massive Plünderungen. Derweil will sich die türkische Armee wieder aus Afrin zurückziehen.

 

 

Nach der Eroberung Afrins haben mit der Türkei verbündete syrische Rebellen Aktivisten mit teils umfangreichen Plünderungen begonnen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Kämpfer hätten in großem Maße Geschäfte, Häuser und Regierungsgebäude ausgeraubt. Der Sprecher der Kurdenmiliz YPG, Brossik al-Hassaka, sagte der dpa, die Männer hätten wie früher der IS auch Gebäude angezündet und religiöse Statuen zerstört.

Die türkische Armee und verbündete syrische Kämpfer hatten Afrin am Sonntag rund zwei Monate nach Beginn einer Offensive unter Kontrolle gebracht. Nach Angaben von Al-Hassaka sind Hunderttausende Menschen in der Region auf der Flucht. Die UN-Nothilfebüro Ocha hatte am Sonntag erklärt, fast 100.000 Menschen aus Afrin seien in benachbarten Gebieten als Vertriebene registriert worden.

Viele der aus Afrin Fliehenden haben sich auf den Weg in Gebiete gemacht, die unter der Kontrolle des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stehen. "Zehntausende Menschen leiden in Afrin. Verzweifelt und verängstigt fliehen täglich Tausende Menschen, die keinen Platz zum Übernachten, wenig Essen, Wasser und medizinische Versorgung haben", twitterte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

"Wirkliche Besitzer" sollen Afrin übernehmen

Derweil will sich die türkische Armee aus Afrin wieder zurückziehen. Die Türkei werde den überwiegend von Kurden bewohnten Landstrich an ihrer ihren "wirklichen Besitzern" überlassen, kündigte Armeesprecher Bekir Bozdag an.

Bozdag, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, ließ zunächst offen, wer mit den "wirklichen Besitzern" Afrins gemeint und wann mit einem Abzug zu rechnen sei. Mit der Einnahme der Stadt Afrin sei auch die Bedrohung der türkischen Grenze signifikant verringert worden, sagte er.

Die Lage in der Stadt war angespannt. Am Montag starben dort bei einem Bombenanschlag mehrere Menschen. Bozdag sagte weiter, die meisten der von den Amerikaner der Kurden-Miliz YPG gelieferten Waffen seien eingesammelt worden. Die Kämpfer hätten sie bei ihrer Flucht zurückgelassen. Die YPG ist der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Erst am Sonntag hatten türkische Verbände zusammen mit verbündeten arabischen Milizen die Hauptstadt Afrin der gleichnamigen Region eingenommen. Mit der im Januar begonnenen Offensive versucht die Türkei, den Einfluss der YPG zurückzudrängen. Es soll zudem verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

IKRK will in Afrin helfen

Der Präsident des IKRK, Peter Maurer, forderte in Genf freien Zugang nach Afrin. Die Zivilisten hätten das Recht auf eine neutrale und unparteiische Hilfe und das Recht zu bleiben oder wegzuziehen. Der Türkische Rote Halbmond sei ungeeignet für humanitäre Hilfen. "Die Glaubwürdigkeit eines in Afrin arbeitenden Türkischen Roten Halbmonds geht gegen Null", sagte er.

Ein Vertreter der kurdischen Regionalregierung erklärte, mehr als 200.000 Menschen seien aus Afrin vertrieben worden. "Die Menschen mit Autos schlafen in ihren Autos, die Menschen ohne eigenen Wagen schlafen mit ihren Kindern unter Bäumen", sagte Hewi Mustafa, einer der führenden Vertreter der kurdischen Verwaltung Afrins, Reuters.

Quelle: n-tv.de


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