BMW-Betriebsrat warnt vor drohender Übermacht Chinas

  19 Mai 2018    Gelesen: 362
BMW-Betriebsrat warnt vor drohender Übermacht Chinas

Lange galt BMW als Vorreiter für Elektromobilität. Nun warnt der Betriebsratschef im SPIEGEL vor der Konkurrenz aus China - und fordert eine gemeinsame Offensive der deutschen Autoindustrie.

 

Bereits 2007 hatte BMW damit begonnen, einen elektrisch betriebenen Kleinwagen zu bauen. Seine Designer nannten ihn i3, so ähnlich wie iPhone. BMW wollte das Apple der deutschen Autoindustrie sein. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Strategie schien zu funktionieren. Im Jahr 2017 verkaufte BMW 100.000 Elektroautos. In dem noch jungen Markt ist das eine respektable Größenordnung. Doch ausgerechnet bei BMW geht nun die Angst um: Der Betriebsrat befürchtet, der einstige Vorreiter könnte von neuen Rivalen überrollt werden.

Betriebsratschef Manfred Schoch warnt im SPIEGEL nun vor einer drohenden Übermacht Chinas im Zukunftsgeschäft mit der Elektromobilität. "Wir haben überlegenes Wissen in Bezug auf Diesel- und Benzinmotoren", sagt er, "aber in der Elektromobilität machen uns die Chinesen die Technologieführung streitig."

Schoch fordert deshalb einen gemeinsamen Masterplan der deutschen Autoindustrie für die Produktion von Batteriezellen. "Wenn wir keine Batteriefabriken für Elektroautos in Europa bauen, dann werden es die Chinesen tun", warnt Schoch.

Großfabrik für Batteriezellen

Sein Vorschlag: Konzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen sollten ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um eine erste Großfabrik für Batteriezellen aufzubauen. Eine solche Produktionsstätte würde nach seiner Kalkulation höchstens 1,5 Milliarden Euro kosten. Im Erfolgsfall könnten dann weitere Fabriken folgen. "Wer diese Zukunftstechnik nicht beherrscht", sagt der Betriebsratschef, "ist irgendwann weg vom Fenster."

Erst kürzlich hatte sich der Zulieferer Bosch gegen eine Zellenproduktion entschieden. Das Investitionsrisiko, angeblich 20 Milliarden Euro, war dem Konzern zu groß. Schoch hält das für einen Fehler: Damit laufe die deutsche Autoindustrie Gefahr, sich ausgerechnet beim Herzstück der E-Autos von Lieferanten aus Fernost abhängig zu machen.

Unterstützung für seine Forderung erhält Schoch vom Erzrivalen Daimler. "Wir machen uns bei der Batteriezellenfertigung stark von China abhängig", kritisiert Gerhard Zitzelsberger, Daimler-Aufsichstrat und Bezirksleiter der IG Metall, "das ist strategisch fahrlässig." Der chinesische Staat schaffe im eigenen Land die Infrastruktur für Elektromobilität - stabile Stromnetze und Hunderttausende von Ladestationen. "Da sind wir in Europa im Vergleich viel zu zögerlich", so Zitzelsberger.

Die Sorge des Daimler-Aufsichtsrats: "Wenn es so weiter geht, werden nicht-chinesische Anbieter zunehmend unter Druck geraten."

spiegel


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