Neuer vermisst das WM-Gefühl in Russland

  17 Juni 2018    Gelesen: 482
Neuer vermisst das WM-Gefühl in Russland

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft startet heute in die WM. Doch so richtig Stimmung ist im Quartier noch nicht aufgekommen, sagt Kapitän Manuel Neuer. Immerhin belastet die Erdogan-Affäre das Team nicht mehr. Und das wichtigste: Der Torwart ist fit.

Hunderte, ach was, Tausende begeisterte Fans säumen den Weg. Der Bus der deutschen Nationalmannschaft muss sich seinen Weg durchs Spalier bahnen, kommt teilweise nur im Schritttempo voran. So hat es Torhüter Manuel Neuer aus Südafrika und Brasilien in Erinnerung von den Weltmeisterschaften 2010 und 2014. Solche Szenen haben auch viele Fans vom "Sommermärchen" 2006 in Deutschland noch im Kopf. Und nun in Russland? "Auf der Fahrt zum Training etwa passiert nichts", sagt Neuer der "Bild"-Zeitung. "Aber warten wir mal ab, vielleicht passiert ja jetzt nach dem russischen Auftaktsieg etwas im Land und hier in Watutinki."

Das WM-Gefühl fehlt rund um den DFB also noch. Mitschuld trägt daran sicherlich die Einöde rund um das deutsche WM-Quartier, das Bundestrainer Joachim Löw schon mit einer "guten Sportschule" verglich. Was aber nicht negativ gemeint sei, so Neuer, denn der Fokus liege "klar auf dem Fußball". "Das Trainingsgelände ist gut, das ist das Allerwichtigste", sagt der Teamkapitän. Außerdem haben die DFB-Verantwortlichen für genügend Freizeitbeschäftigung gesorgt. Billiardtisch, Tischtennisplatte, Beachvolleyballfeld, Tennisplatz, Dartscheibe sowie die längst obligatorischen Spielekonsolen gibt es in Watutinki. Auch ein Yoga-Lehrer arbeitet mit den Spielern.

"Ich bin bei 120 Prozent"

Die Stimmung vor dem Auftaktspiel des Titelverteidigers gegen Mexiko sei gut, so Neuer. Die maue Vorbereitung mit den miesen Testspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien bereite niemandem Kopfzerbrechen. "In der Mannschaft stimmt alles. Wir können über alles reden, wir haben keine Probleme untereinander", sagt der 32-Jährige. So auch über die in der Öffentlichkeit immer noch schwelende Erdogan-Affäre um Mesut Özil und Ilkay Gündogan. "Am Anfang hat das schon ein bisschen gestört in der Mannschaft, war sogar belastend", sagt Neuer. "Grundsätzlich liegt das jetzt aber alles in der Vergangenheit, wir müssen nach vorne auf unser Ziel schauen. Jetzt ist WM!"

Ob Deutschland erneut den Titel holt? Neuer weiß es selbstredend nicht. Dass die vergangenen Titelverteidiger Italien, Spanien und Frankreich bei der darauffolgenden WM immer schon in der Vorrunde scheiterten, will Neuer nicht als schlechtes Omen verstehen - aber als Warnung: Daran sieht man, wie schwer es ist, als Titelverteidiger das nächste Turnier zu spielen." Zudem wolle jede Mannschaft die Deutschen schlagen. Dennoch: "Unser klares Ziel ist es natürlich, so weit wie möglich zu kommen, der WM unseren Stempel aufzudrücken." Dafür fühle er sich bereit und fit: "Ich bin bei 120 Prozent!" Im Falle einer erfolgreichen Verteidigung dürfte Neuer den Pokal als erstes in den Himmel von Moskau stemmen: "Natürlich will ich das Ding wieder in den Händen halten. Es geht mir dabei aber nicht so sehr darum, der Erste zu sein."

Quelle: n-tv.de , ara


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