Müller und die Krux mit der Leichtigkeit

  20 Juni 2018    Gelesen: 1081
Müller und die Krux mit der Leichtigkeit

Wird nun alles besser im zweiten deutschen WM-Spiel gegen Schweden? Das weiß Thomas Müller auch nicht. Er plädiert aber dafür, sich nach dem Fiasko Mexicano "nicht gegenseitig aufzufressen". Manager Oliver Bierhoff verspricht einen Impuls.

Ein Problem bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ist, dass zwischen den Spielen stets einige Tage liegen. Im aktuellen Fall der deutschen Mannschaft sind es bei diesem Turnier fünf. Am Sonntag hat sie in Moskau ihre Auftaktpartie gegen Mexiko mit 0:1 verloren. Das macht die Sache kniffliger, als alle Beteiligten und auch alle Beobachter es erwartet hatten. Erst am Samstag (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steht in Sotschi das zweite Spiel an. Was also passiert in der Zeit dazwischen? Die Spieler reden und die Journalisten schreiben auf, was sie gesagt haben. Es gibt ja einiges zu erklären.

Nachdem nun am Dienstag Manuel Neuer, der Torwart und Kapitän, mit dem gebotenen Ernst viele Fehler eingeräumt und seine Mannschaft nach dem Fehlstart auf einen Neubeginn eingeschworen hat, saßen an diesem Mittwoch Manager Oliver Bierhoff, Thomas Müller und Marco Reus auf dem Podium im Hotel in Sotschi. Dorthin ist der DFB-Tross wie geplant vier Tage vor dem Spiel gegen Schweden gereist, weil es sich am Schwarzen Meer gut arbeiten, diskutieren, aber auch erholen lässt. Die elf Spieler im Kader, die im vergangenen Jahr den Confed Cup gewonnen haben, wissen das. Aber Bierhoff stellte gleich klar: "Das alles spielt keine Rolle - darf es auch nicht."

Für das Team gehe es ausschließlich darum, das nächste Spiel zu gewinnen, um sich die Chance auf das Achtelfinale zu erhalten. Und selbstverständlich gab sich der Manager optimistisch, dass das auch klappt. Dass es einen Riss in der Mannschaft gebe, zwischen Jung und Alt, zwischen der Confed-Cup-Combo und den Weltmeistern, das "kann ich nur dementieren". Und bei allem, was die DFB-Elf gegen Mexiko falsch gemacht habe, sei es keine gute Idee, jetzt in Panik zu verfallen. "Ruhe heißt nicht Gelassenheit, sondern Gewissheit in die eigene Stärke. Es ist ja nicht so, dass wir daran zweifeln müssen. Wir müssen sie nur abrufen." Nun hätte man gerne vom Bundestrainer gehört, wie das konkret funktionieren soll. Und ob er gedenkt, dem personell Rechnung zu tragen. Aber Joachim Löw hat sich seit Sonntag nicht mehr geäußert und wird das wohl auch erst am Freitag tun, wenn die Fifa die Trainer zur offiziellen Pressekonferenz ins Fischt-Stadion lädt.

"Das wird kein Hurra-Spiel"

Bierhoff versprach nur: "Irgendeinen Impuls wird es schon geben." Ob der im ersten Spiel nach einer Stunde eingewechselte Reus der Mann für diesen Impuls sein wird und in die Startelf rückt, mochten weder Manager noch Spieler bestätigen. Das hätte nur der Bundestrainer tun können, aber der war ja nicht da. Reus sagte nur: "warten wir es einmal ab. Ich glaube, es wäre auch falsch, wenn einer von uns froh wäre, wenn er nicht spielen würde. Jeder hat den Ehrgeiz, bei der Weltmeisterschaft hier zu spielen." Ansonsten vermittelte Bierhoff wie schon Neuer am Tag zuvor nicht den Eindruck, als stünde in Sachen Aufstellung ein großer Umbruch bevor. Beide glauben daran, dass die konservative Formation mit den Weltmeistern um Jérôme Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Müller, Mesut Özil und Julian Draxler im Prinzip die richtige Lösung ist.

Sie haben es verbockt, sie sollen es richten. "Ich denke, dass von jedem Spieler eine Reaktion kommen wird", sagte Bierhoff. Und: "Die Qualität, die Fähigkeit und auch die Schnelligkeit haben sie auf jeden Fall." Wobei Bierhoff davon ausgeht, dass es gegen die defensiv soliden Schweden ein zäher Kampf wird. "Das wird kein Hurra-Spiel." Diese Einschätzung hat er nicht exklusiv." Schließlich geht es darum, die Sache geradezubiegen, sich nicht schon nach der Vorrunde aus Russland zu verabschieden und damit als erste DFB-Auswahl der Geschichte in der Gruppenphase zu scheitern.

Müller betonte dann auch: "Sie können uns glauben, das Trainerteam und alle die in der Mannschaft sind: Wir wollen nix mehr als den Erfolg." Ansonsten sah er seine Aufgabe eher darin, nach vorne zu blicken und ein wenig bessere Stimmung zu verbreiten. Das Fiasko Mexicano sei aufgearbeitet und die Kritik an den Spielern berechtigt. "Wir haben ja auch genügend Angriffsfläche geliefert." Er wünsche sich nur, dass das "ein bisschen weniger ins Persönliche zu geht." Müller selbst hatte sich viel anhören lassen, seine Leistung auf der rechten Angriffsseite war schwach. Keinmal hatte er aufs Tor geschossen, und die defensive Abstimmung mit Joshua Kimmich hatte auch nicht funktioniert. "Natürlich ist das Spiel aus meiner Sicht nicht so abgelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe."

Ob das im nächsten Spiel wieder besser werde, könne er nicht versprechen. "Aber erhoffen kann man sich das auf jeden Fall." Es sei nun einmal nicht so einfach. "Das ist ja die Krux, dass man die Leichtigkeit nicht trainieren kann." Und schließlich sei dieser Begriff "ja nur die Beschreibung dessen, was dann geklappt hat". Gegen Mexiko war das nicht der Fall. Nun aber sei es an der Zeit, "die Fehleranalyse abzuschließen, um gemeinsam positiv nach vorne zu blicken". Und dort stehen die beiden Partien gegen Schweden und am Mittwoch darauf gegen Südkorea an. "Wir werden die beiden Spiele nicht gewinnen, wenn wir uns selbst auffressen, uns selbst zerfleischen." Und: "Wir wünschen uns doch alle, dass wir noch mehrere Wochen im Spiel sind". Dass er damit versuchte, die Journalisten mit ins Boot zu holen, war ein interessanter Versuch. Das eigentliche Problem der DFB-Elf betrifft das nicht. Das muss sie selbst lösen.

Quelle: n-tv.de


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