Gewalt in Nicaragua reißt nicht ab

  13 Juli 2018    Gelesen: 876
Gewalt in Nicaragua reißt nicht ab

Wieder gehen in Nicaragua Hunderttausende auf die Straße, um für einen Sturz von Präsident Ortega zu demonstrieren, wieder gibt es Tote. Nachdem auch Mitglieder der vermittelnden katholischen Kirche angegriffen wurden, schaltet sich das Auswärtige Amt ein.

 

Bei neuen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Nicaragua sind nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag mindestens fünf Menschen getötet worden, die Zahl der Todesopfer steigt damit auf 269. Unter den Opfern in der Stadt Morrito im Südosten des zentralamerikanischen Landes seien auch vier Polizisten, erklärte die Menschenrechtsorganisation Cenidh. Nach Angaben von Aktivisten war ein Protestzug gegen den unter Druck stehenden Staatschef Daniel Ortega an einer Polizeiwache vorbeigezogen und von regierungstreuen Paramilitärs attackiert worden. Daraufhin hätten einige der Demonstranten geschossen. Nach Angaben der Zeitung "La Prensa" gingen am Donnerstag landesweit in verschiedenen Städten Hunderttausende Demonstranten auf die Straße, um den Rücktritt Ortegas und vorgezogene Neuwahlen zu fordern.

Am Montag waren zuvor Hunderte Anhänger des Staatschefs in eine Basilika eingedrungen und hatten dort katholische Bischöfe angegriffen. Der Vorfall ereignete sich in der Basilika von Diriamba rund 45 Kilometer von der Hauptstadt Managua entfernt. Die Bischöfe waren aus Managua angereist, um einer Gruppe von Demonstranten zu helfen, die seit Sonntag in der von Regierungsanhängern umstellten Kirche ausharrten.

Neben den in der Kirche ausharrenden Demonstranten befanden sich dort auch Ärzte, die als freiwillige Helfer im Einsatz waren. Auch sie wurden attackiert, ebenso wie Journalisten. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP wurde geschlagen, überdies wurde ihm seine Ausrüstung gestohlen.

Nach den Angriffen bezog auch das Auswärtige Amt Stellung zu den Geschehnissen in Nicaragua. In einer Pressemitteilung hieß es, die Bundesregierung verurteile "in aller Schärfe" die Angriffe auf Vertreter der katholischen Kirche in Nicaragua. Es sei Aufgabe der Sicherheitskräfte und der Regierung, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Des Weiteren müssten "die Umstände der Todesfälle rasch und umfassend aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden".

Ortega schließt Rücktritt aus

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Präsident Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Die katholische Kirche vermittelt in dem Konflikt im Land. Nach der Gewalt vom Wochenende hatten die Bischöfe die Fortsetzung ihrer Vermittlungsbemühungen aber in Frage gestellt. Im Juni hatte die Kirche Ortega den Vorschlag übermittelt, die für 2021 geplanten Wahlen auf März 2019 vorzuziehen. Der Präsident lehnte diese Möglichkeit ab, er schließt einen Rücktritt aus. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Januar 2022.

Quelle: n-tv.de 


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