Der Löwe zeigt den Säbelzahn

  18 Juli 2018    Gelesen: 870
Der Löwe zeigt den Säbelzahn

Mitte Oktober startet der neue Peugeot 508 in den deutschen Markt. Viel Eleganz strahlt die coupéhafte Limousine aus. Doch reicht das, um als Alternative zu VW Arteon, Skoda Superb oder Alfa Romeo Giulia ernst genommen zu werden?

 

Einen langen Anlauf hat der französische PSA-Konzern für das neue Mittelklasse-Model genommen. Vor drei Jahren lief der bisherige Peugeot-508-Vertreter aus. Der Nachfolger soll allerdings nicht nur in Europa punkten, sondern auch in China anderen Import-Limousinen Paroli bieten. In Deutschland kommt der Viertürer mit Heckklappe einige Monate vor dem Kombi, der für Januar nächsten Jahres avisiert ist. Eine elektrifizierte Version wird das Angebot später ergänzen.

Wer mit dem Maßband den neuen Wagen taxiert, wird Überraschendes feststellen: Rund fünf Zentimeter kürzer als der Vorgänger ist er geraten (4,75 Meter) und nur 1,40 Meter ist er hoch. Das verstärkt den Eindruck, es mit einem Coupé zu tun zu haben. Auch wenn Fahrzeuge dieses Zuschnitts in regelmäßigen Abständen für tot erklärt würden, sagt Steffen Raschig, ändere dies nichts an der anhaltenden Attraktivität: "Wir glauben an das Segment", bekräftigt der Geschäftsführer von Peugeot Deutschland.

Natürlich weiß auch er, dass hierzulande die Kombiversion, die traditionell die Typenbezeichnung "SW" für "Station Wagon" trägt, die weitaus beliebtere Variante ist. Acht von zehn deutschen Kunden wählten den Lademeister, doch die neue Limousine habe "das Potenzial, weit mehr als 20 Prozent zu machen". Rund 24.000-mal wurde der bisherige 508 seit dem Start 2011 in Deutschland verkauft.

Vertikales Tagfahrlicht

Eine ausgewogene, harmonische Linienführung ist dem 508 nicht abzusprechen, die Proportionen stimmen, die robust ausgestellten Kotflügel sorgen für sportliches Flair. Das Markenlogo, der aufrechte Löwe, ist an der Front durch die oberhalb angebrachte Ziffer "508" ergänzt, was als Reminiszenz an das legendäre Modell 504 verstanden werden soll, der vor 50 Jahren auf den Markt kam. Doch der Löwe scheint unversehens zum Säbelzahntiger mutiert zu sein, denn das prägnante Tagfahrlicht ist ein vertikal angebrachtes Band, das weit und spitz nach innen geneigt bis tief in die Bugschürze ragt. Das Heck wird von einem abgedunkelten Leuchtband bestimmt, in dem Lichter in 3D-Optik ihren Dienst verrichten.

Die sportliche Attitüde wird von den rahmenlosen Seitenscheiben untermauert. Um auch die Gläser der hinteren Türen ausreichend versenkbar zu halten, waren die Karosserieschneider jedoch zu einem heiklen Kompromiss gezwungen. Der hintere Teil der Verglasung, also das Dreieck unmittelbar unter der C-Säule, ist fest montiert und steht in den seltenen Fällen, da die Hauptscheibe heruntergefahren und die Tür geöffnet ist, wie ein Fremdkörper steil im Wind. Die Platzverhältnisse für die vorderen Passagiere sind gut, hinten fordert das flach abfallende Dach Tribut bei der Kopffreiheit. In den höherwertigen Ausstattungslinien ist der Wunsch nach Premium-Ambiente unverkennbar, die verwendeten Materialien wirken edel und die Verarbeitung untadelig.

Umsteiger von anderen Marken dürfte im Innenraum das kleine Lenkrad irritieren, das zwar schon Vorbilder bei Peugeot hat, aber noch immer ungewöhnlich wirkt. Man blickt nicht durch den Kranz auf die Hauptinstrumente, sondern darüber hinweg. Außerdem ist es eher oval als rund, es misst 36 Zentimeter in der Breite und 31 Zentimeter in der Höhe. Das so genannte "i-Cockpit" ist mit sechs Konfigurationsmöglichkeiten an die Wünsche des Fahrers oder der Fahrerin anzupassen und als Novum mit einer optionalen Nachtsichtfunktion erhältlich, die Fußgänger oder Tiere auf der Fahrbahn erfasst.

Neue Achtgang-Automatik

Mittig ist je nach Ausstattung ein acht oder zehn Zoll großer Touchscreen-Monitor montiert, darunter eine Klaviatur von sieben Kippschaltern, mit denen Radio, Klimafunktionen und Navigationssystem direkt angesteuert werden können. Die markante Mittelkonsole baut auffällig hoch, der sichelförmige Automatik-Wählhebel gehört zu den dezent eingestreuten Designerstücken der Cockpit-Ausstattung. In der Basisversion ist der 508 auch mit einer Handschaltung zu haben. Sie verfügt ab Werk über Leichtmetallfelgen, digitales Kombiinstrument, Spurhalteassistent, Tempomat und Verkehrszeichen-Erkennung. Bis 19 Zoll Größe reicht das Angebot der werksseitig lieferbaren Räder.

Für 31.250 Euro bekommt man den 1,5 Liter großen Diesel-Einstiegsmotor. Wer die Kraftübertragung von 130 PS und 300 Newtonmetern Drehmoment automatisch erledigen lassen will, zahlt 2300 Euro mehr. Die mit acht Stufen arbeitende Schaltbox liefert der japanische Spezialist Aisin zu und sie wird in allen anderen Motorvarianten verwendet. Dazu zählen die zwei Liter großen Selbstzünder, die wahlweise 163 oder 177 PS abgeben, sowie die beiden Benziner, die sich eines 1,6 Liter großen Turbomotors bedienen. Deren Leistung beträgt 180 oder 225 PS. Damit kann das etwa 1,6 Tonnen schwere Fahrzeug bis auf 250 km/h beschleunigt werden.

Unkompliziert und handlich

Hat man sich mit dem kleinen Lenkrad und der ungewöhnlichen Cockpit-Architektur angefreundet, erweist sich die Limousine als unkompliziert und handlich. Zügige Richtungswechsel verträgt das Fahrwerk besser als kurze Schläge durch Fugen oder Querrillen. Abrollkomfort und Lenkpräzision sind frei von Überraschungen. Ebenfalls im erwarteten Bereich bewegte sich die Abweichung von den Verbrauchsangaben des Herstellers. Mit sieben bis acht Litern dürfte man beim großen Benziner ganz gut zurande kommen, beim 180-PS-Diesel zeigte der Bordcomputer nach flotter Testfahrt 6,3 Liter (Werksangabe 4,7 Liter).

Der günstigste 508 mit Benzinmotor ist ab 34.750 Euro zu haben, in der üppig ausgestatteten GT-Version mit Navigationssystem, Full-LED-Scheinwerfern, aktivem Fahrwerk und hochwertigem Soundsystem sind 45.600 Euro fällig. Als Diesel kostet der GT 46.450 Euro, was nichts anderes bedeutet, als dass bei Bestellung der verfügbaren Optionen deutlich mehr als 50.000 Euro zu entrichten sind.

Quelle: n-tv.de

 


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