Maschinen verrichten bald mehr Arbeit als Menschen

  16 September 2018    Gelesen: 967
Maschinen verrichten bald mehr Arbeit als Menschen

Unsere Arbeitswelt wandelt sich radikal. Laut einer neuen Studie werden bis 2025 mehr Aufgaben von Robotern erledigt als von Menschen. Millionen Jobs werden dadurch wegfallen - aber noch mehr neue entstehen.

Noch sind es Menschen, die weltweit die meisten Aufgaben im Wirtschaftskreislauf erledigen - doch nicht mehr lange, wenn man einer neuen Studie glauben darf. Werden bisher noch 71 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen verrichtet, soll dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf 48 Prozent fallen. Die übrigen 52 Prozent, also den Großteil der Arbeit, erledigen dann Maschinen und Algorithmen. Das ist das Ergebnis des Berichts "The Future of Jobs", den das Weltwirtschaftsforum (WEF) am Montag veröffentlicht und der dem SPIEGEL vorab vorliegt.

Demnach könnten schon bis 2022 weltweit rund 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen beziehungsweise durch Maschinen ersetzt werden. Für die betroffenen Menschen ist das eine düstere Prophezeiung. Doch es gibt auch einen großen Lichtblick: Denn zugleich sollen laut der Studie in den kommenden fünf Jahren 133 Millionen neue Stellen geschaffen werden, für die teilweise aber ganz neue Fachkenntnisse nötig sein werden.

Einen großen Bedarf an neuen Jobs gibt es vor allem bei Datenanalysten, Wissenschaftlern, Softwareentwicklern, E-Commerce- und Social-Media-Spezialisten. Zeitgleich soll auch die Zahl jener Jobs wachsen, die besondere menschliche Fähigkeiten benötigen - wie etwa Verkaufs- und Marketing-Manager, Innovationsentwickler und Kundenberater. Überflüssig werden dürften dagegen klassische Bürojobs sowie Stellen wie Lohnbuchhalter oder Sachbearbeiter.

Die Experten des Weltwirtschaftsforums haben für ihre Studie eine Arbeitgeberumfrage zugrunde gelegt. Dafür wurden Top-Manager und Personalchefs von mehr als 300 Unternehmen weltweit befragt, die zusammengenommen mehr als 15 Millionen Arbeitnehmer in 20 Industrie- und Schwellenländer repräsentieren. Neben der Gesamtanalyse enthält der Bericht 12 Branchenprofile und 29 Länder- und Regionsprofile.

Die Frage, inwieweit Digitalisierung und Automatisierung Arbeitsplätze gefährden, wird seit Jahren heiß diskutiert - auch in der Wissenschaft. Dabei kommen verschiedene Studien immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen. Klar scheint aber: Die Veränderungen haben das Potenzial, Arbeitswelt und Gesellschaft radikal umzuwälzen.

Die neue Studie des WEF zeigt, wie unterschiedlich die Effekte dieses Wandels sind. 50 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiterzahl bis 2022 durch die Automatisierung insgesamt sinken wird. 38 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl dagegen erhöhen - und mehr als ein Viertel (28 Prozent) erwartet, dass gerade die Automatisierung die Mitarbeiterzahl erhöhen wird. Damit habe sich die Sicht auf die neuen Technologien seit der letzten Befragung 2016 verbessert, stellen die Experten fest.

85 Prozent der deutschen Unternehmen wollen automatisieren

Auch in Deutschland tut sich offenbar etwas. So wollen knapp 85 Prozent der Unternehmen ihre Arbeit in den nächsten fünf Jahren automatisieren. 83 Prozent wollen dazu neues, qualifiziertes Personal einstellen.

Schon jetzt nutzen deutsche Unternehmen demnach viele neue Technologien: Mit 91 Prozent ist die Bundesrepublik einer der Spitzenreiter bei der Verwendung großer Datenanalysen und liegt damit knapp vor China, Japan, den USA und Indien. Spitzenreiter ist aktuell Südafrika mit 96 Prozent.

Zwei weitere viel genutzte Technologien in Deutschland sind der App-Markt mit 84 Prozent sowie die Entwicklung von intelligenten Maschinen mit 79 Prozent. Besser schneiden hier unter anderem die Philippinen, Russland und Singapur ab.

Am wenigsten werden in Deutschland, wie in anderen Ländern auch, Biotechnik (30 Prozent), menschenähnliche Roboter (28 Prozent) sowie Unterwasser-Roboter (22 Prozent) genutzt.

Doch der schnelle Fortschritt der Technologien benötigt auch Menschen, die die Maschinen bedienen und entwickeln können. Weltweit werden sich in den nächsten fünf Jahren laut Studie im Schnitt 42 Prozent der Anforderungen an die Beschäftigen ändern. Neben den üblichen Jobvoraussetzungen, sollte ein Arbeitnehmer in Zukunft schließlich auch programmieren und mit Robotern umgehen können. In einigen Branchen werden die Veränderungen größer sein, in anderen kleiner.

"Damit Unternehmen im Zeitalter der Maschinen dynamisch, differenziert und wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie in ihr Humankapital investieren. Ansonsten verlieren sie das Potenzial der Vierten Industriellen Revolution", sagt Saadia Zahidi, Leiterin des Zentrums für Neue Wirtschaft und Gesellschaft des Weltwirtschaftsforums.

Dafür seien drei Strategien entscheidend: Neues Personal mit technischen Fähigkeiten einstellen, komplett automatisierte Arbeitsabläufe entwickeln und alte Mitarbeiter umschulen.

Quelle : spiegel.de

 


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