Gravierende Baumängel - Bundestagsneubau droht Abriss

  11 November 2018    Gelesen: 326
Gravierende Baumängel - Bundestagsneubau droht Abriss

In einen Erweiterungsbau des Parlaments dringt Wasser ein, die Sanierung ist kompliziert. Bundestagsvizepräsident Kubicki meint: Lieber ein Ende mit Schrecken - als noch einen Fall wie den Hauptstadtflughafen BER.

Neben den vielen sprichwörtlichen Baustellen hat man es im Bundestag auch mit sehr konkreten Bauarbeiten zu tun. In dem - mit 1745 Büros - größten Gebäude des Bundestagkomplexes, dem Jakob-Kaiser-Haus, wurden bei Regen immer die Eimer rausgeholt - weil es durch das Dach regnete. Viele Millionen Euro sind für die Sanierung eigentlich sehr junger Parlamentsgebäude vorgesehen.

Große Sorgen bereitet ein neuer, mehr als 200 Millionen teurer Teil des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, der eigentlich schon 2012 bezogen werden sollte. Auch dort dringt Wasser ein - allerdings durch Risse in der Bodenplatte. Die Baumängel sind in diesem Fall so gravierend, dass auch ein Abriss des Gebäudes nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Wolfgang Kubicki, Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der Baukommission des Deutschen Bundestages, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Momentan spricht viel dafür, dass es saniert werden kann, ganz sicher ist es nicht." Auch wenn das Gebäude saniert werden könne, werde es ein Wackelkandidat bleiben, auf den man aufpassen müsse, so der FDP-Mann Kubicki weiter.

"Wenn man die größeren Risse schließt, durch die das Wasser momentan kommt, dann dringt es möglicherweise durch die kleineren Risse, die jetzt noch keine Probleme machen, weil sich der Druck woanders entlädt." Deswegen plädiert der FDP-Politiker dafür, das Lüders-Haus in Zweifelsfalle lieber abzureißen, als sich eine Endlos-Baustelle aufzuhalsen: "Einmal Flughafen Berlin-Brandenburg reicht."

Der Bau des Gebäudes wird vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung betreut, dem BBR. Ein internes Papier der Bundestagsverwaltung stellt der Behörde nun ein miserables Zeugnis aus, wie die "FAS" berichtet. Sämtliche Bauten, die sie für den Bundestag realisiert, dauern demnach zwischen drei und acht Jahre länger als geplant. Und sie werden deutlich teurer, kosten bis zu 55 Prozent mehr. Das Urteil der Bundestagsverwaltung: Das Bundesbauamt müsse "entlastet" werden, und zwar "in erheblichem Umfang".

So hat die Baukommission veranlasst, dass die Behörde das unterirdische Besucherzentrum vor dem Reichstag nicht mehr bauen darf. Das übernimmt stattdessen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Gleiches gilt für das Elisabeth-Selbert-Haus, einem Bundestagsgebäude Unter den Linden. Kubicki dazu in der "FAS": "Damit haben wir für eine Entlastung des BBR und für mehr Wettbewerb gesorgt."

Das Lüders-Haus hat übrigens auf der Webseite des Bundestags einen eigenen Eintrag - eine schön gestaltete Seite über das architektonische Konzept, die Namensgeberin, die Bibliothek und die Kunstwerke, die im Gebäude zu finden sind. Über Risse in der Bodenplatte des Erweiterungsbaus sind hingegen keine Informationen zu finden.

Quelle : spiegel.de


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