"In Häfen und an Flughäfen kommt mehr Arbeit auf uns zu"

  18 Januar 2019    Gelesen: 545
"In Häfen und an Flughäfen kommt mehr Arbeit auf uns zu"

Ende März scheiden die Briten aus der EU aus, womöglich ohne Vertrag. Die deutsche Zollverwaltung bereitet sich akribisch darauf vor - und warnt deutsche Firmen.

Die Präsidentin der Generalzolldirektion, Colette Hercher, hat die Unternehmen in Deutschland gemahnt, sich besser auf einen Brexit einzustellen. "Vor allem die, die bislang nur in der EU Geschäfte machen, müssen sich vorbereiten", sagte Hercher dem SPIEGEL.

Hercher kündigte an, dass die Zollbehörden personell aufgestockt würden. "Wir werden 900 Zöllner zusätzlich bereitstellen und ausbilden", sagt sie. "Vor allem in Häfen und an Flughäfen kommt mehr Arbeit auf uns zu. Wir werden unsere Risikoanalyse noch gezielter einsetzen: Ist der Beförderungsweg schlüssig? Passt der Wert der angegebenen Ware zu den Transportkosten? Passt die Ware zum Unternehmen?"

Die Mahnungen von Deutschlands oberster Zöllnerin kommen nicht von ungefähr. Am vergangenen Dienstag hat das britische Parlament Premierministerin Theresa May eine herbe Niederlage zugefügt und den Brexit-Austrittsvertrag, den May mit der EU ausgehandelt hatte, mit großer Mehrheit abgelehnt. Zwar muss May nun bis Montag einen Plan B im Unterhaus vorlegen, doch derzeit gibt es nicht viel mehr als Gerüchte darüber, wie dieser konkret aussehen könnte.

Denkbar ist, dass die Briten um eine Verschiebung des Austrittstermins bitten, um ihre internen Probleme zu klären, bislang ist ein solcher Antrag jedoch nicht in Brüssel eingegangen. In der EU-Hauptstadt geht man daher unvermindert davon aus, dass das Risiko eines sogenannten harten Brexit, also eines Ausscheidens der Briten ohne Vertrag, deutlich gestiegen ist.

Zollpräsidentin Hercher sagte, dass der Zoll auch für diesen Fall gerüstet sei. "Wir machen, was wir mit Nicht-EU-Ländern schon immer machen, nur mit einem Land mehr." Die Zoll-Präsidentin hofft allerdings, dass sich die Briten und die EU doch noch auf ein Austrittsabkommen verständigen. "Das würde uns zwei Jahre Übergangszeit verschaffen."

Die EU-Kommission bot beim Treffen der EU-Botschafter zuletzt an, Beamte in die Mitgliedstaaten zu entsenden, die bei den Vorbereitungen für einen harten Brexit helfen sollen. Auch der deutsche Zoll biete Unternehmen Unterstützung an, so Hercher. "Wir sind gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden dabei, Unternehmen mit einer Roadshow oder regelmäßigen Seminaren dafür zu sensibilisieren, was sich nach einem Brexit ändert."

spiegel


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