Dieselabgase überschätzt? Lungenärzte streiten sich über Feinstaub und Stickoxide

  23 Januar 2019    Gelesen: 385
Dieselabgase überschätzt? Lungenärzte streiten sich über Feinstaub und Stickoxide

Sind Stickstoffdioxid und Feinstaub doch nicht so gefährlich? Darüber ist ein Streit unter Fachärzten entbrannt. Kritik wird an den Studien-Methoden laut sowie am Mangel an Patienten und Toten infolge von NO2. Die Gegenseite betont, dass NO2 einer von etlichen Faktoren sei, besteht aber weiter auf seine Gefährlichkeit.

In den letzten Monaten sah in der Dieselfrage alles nach einem wissenschaftlichen Konsens aus, Grenzwerte wurden diskutiert, Verbote angemahnt und etwa in Stuttgart zum 1. Januar auch für Dieselfahrzeuge ab Euro-Norm 4 eingeführt. Doch jetzt ist ein Streit unter Lungenfachärzten entbrannt, ob Feinstaub und Stickstoffoxide wirklich so gesundheitsgefährdend sind, wie angenommen.

So ist sich der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), Dieter Köhler, sicher: Die Studien zu den Gesundheitsgefahren fußen auf einer fragwürdigen Methodik. Die offizielle Position des DGP-Vorstands im Dezember lautete: Stickstoffdioxid (NO2) ist gesundheitsgefährdend. Diese Position beruhte auf Studienergebnissen des Helmholtz-Instituts für Umweltmedizin, in denen Stadt- und Landbevölkerung verglichen wurden. Die größeren Lungenprobleme in der Stadt führte man in diesen Studien auf den NO2-Ausstoß von Dieselautos zurück.

Diesen Schritt kritisiert Köhler, denn es handle sich um eine Korrelation. Will heißen: In den Städten gibt es mehr Lungenerkrankungen und es gibt mehr Stickstoffdioxid, woraus für die Studienautoren folgt, dass das eine das andere bedinge. Aber eben dieses kausale Verhältnis stellt der ehemalige DGP-Präsident infrage. Denn es gibt auch andere Faktoren, die mehr Lungenerkrankungen zeitigen können. Dazu gehört etwa Bewegungsmangel oder der Umstand, dass Städter durchschnittlich mehr rauchen als die Landbevölkerung. Diese Faktoren wurden aber in den Studien aus seiner Sicht nicht berücksichtigt.

Der Kritik des ehemaligen DGP-Präsidenten haben sich mittlerweile über 100 Lungenfachärzte sowie Aerosolforscher angeschlossen. In einem Positionspapier zweifeln sie die behauptete Gesundheitsgefahr durch Stickstoffdioxid an und fordern eine erneute Überprüfung der Grenzwerte. Auch der Stuttgarter Chefarzt der Lungenklinik im Krankenhaus zum Roten Kreuz, Martin Hetzel, gehört zu den Kritikern und betont, dass im Krankenhaus keine Erkrankten anzutreffen sind, die wegen Lungen- oder Herzleiden infolge von Feinstaub- oder Stickstoffdioxid-Belastung behandelt werden. Im Gespräch mit der Tagesschau kommentiert er die NO2-Debatte darum mit den Worten: „Das ist unseriöser, ideologiegeleiteter Populismus.“

Das Münchner Helmholtz-Institut für Umweltmedizin sieht auch bei sehr niedrigen Konzentrationen noch Gesundheitsgefahren und beruft sich dabei auf jährlich 6.000 Todesfälle, die auf die Gase zurückzuführen seien. Das Umweltbundesamt räumt dagegen ein, dass es nicht möglich sei, die Gesundheitsgefahr durch Stickstoffdioxid direkt zu beweisen. Es gebe keine NO2-Toten, da niemand ausschließlich durch dieses Gas sterbe. Das Gas ist demnach nur einer von etlichen Wirkfaktoren, der aber dennoch gefährlich ist und im Verbund mit den anderen zu Erkrankungen und zum Tod führt.

sputniknews


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