Deutsche Autobauer verstehen die Welt nicht mehr

  17 Februar 2019    Gelesen: 496
Deutsche Autobauer verstehen die Welt nicht mehr

Die Autoindustrie kritisiert die bevorstehende Einstufung deutscher Autoimporte als Sicherheitsgefahr für die USA. Die Bundesregierung rechnet laut "Handelsblatt" fest damit - der Bericht des US-Ministeriums sei bereits erstellt.

 

Die USA könnten deutsche Autoimporte als mögliche Gefahr für die nationale Sicherheit einstufen - und Zölle erheben. Die US-Regierung will diesen Sonntag entscheiden, ob sie diese Einstufung vornimmt, Handelsbeschränkungen könnten dann binnen 90 Tagen in Kraft treten.

Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge könnte die Entscheidung darüber bereits gefallen sein. Der Bericht des US-Handelsministeriums zu dieser Frage liege dem Weißen Haus vor, heißt es in dem Medium unter Berufung auf Regierungskreise. Die deutsche Bundesregierung rechne inzwischen fest mit Autozöllen. Kurz vor seinem Abflug zu seinem Wochenendsitz Mar-A-Lago in Florida habe US-Präsident Donald Trump zudem gesagt: "Ich mag Strafzölle."

Die deutsche Autoindustrie hat die bevorstehende Einstufung als Gefahr für die nationale Sicherheit unterdessen kritisiert. Falls das US-Handelsministerium zu dieser Einschätzung käme, wäre dies nicht nachvollziehbar, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit.

VDA: "Das ist kein Sicherheitsproblem"

Zuletzt waren Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent ins Gespräch gebracht worden. Dadurch will Trump das amerikanische Handelsdefizit abbauen und Jobs in den USA schaffen. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte die bevorstehende Entscheidung des Handelsministeriums auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag scharf kritisiert.

Dem VDA zufolge hat allein die deutsche Autobranche in den vergangenen Jahren mit rund 300 Fabriken mehr als 113.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen sowie die duale Ausbildung für qualifizierte Arbeitskräfte eingeführt und sei der größte Autoexporteur aus den USA. Der Verband beklagte: "Das alles stärkt die USA und ist kein Sicherheitsproblem."

Die erwogenen Sonderzölle auf Autos könnten die deutschen Autokonzerne dem Münchner ifo-Institut zufolge empfindlich treffen. Sollten die USA die Importzölle dauerhaft um 25 Prozent erhöhen, könnten sich die deutschen Autoexporte in die USA langfristig fast halbieren, wie aus Berechnungen des Instituts hervorgeht.


Das Schweizer Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitut Prognos dagegen rechnet nur mit "relativ moderaten" Folgen einer Zolloffensive der USA. Außerdem wären andere Länder - allen voran Mexiko - demnach deutlich stärker getroffen.

Statt auf Zölle zu setzen, sollte der Freihandel ausgebaut werden, forderte dennoch der VDA. "Zollschranken nutzen niemandem, auch den USA nicht. Vielmehr stellen sie eine Belastung für den Welthandel und internationale Wertschöpfungsketten dar, von der vor allem auch die amerikanische Automobilindustrie betroffen wäre."

Quelle : spiegel.de


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