Armee – kehrt! Pentagon will Rüstungswende um 180 Grad

  25 April 2019    Gelesen: 379
Armee – kehrt! Pentagon will Rüstungswende um 180 Grad

Die US-Militärführung will 200 Waffenprogramme einstellen. Damit werden im Pentagon-Haushalt rund 25 Milliarden Dollar frei. Die braucht das US-Verteidigungsministerium auch, will es seine Armeereform wie geplant umsetzen. Das Portal „Army News“ berichtet.

Spätestens seit dem Irak-Krieg von Bush jr. ist die US-Armee ein Spezialist für lokale Kriege und Konflikte. Das soll sich ändern. In ein bis eineinhalb Jahren erscheint die neue Militärdoktrin des Pentagons. Aber US-Armeeminister Mark Esper hat schon vor rund einer Woche Kernpunkte der neuen Strategie dargelegt. Demnach rücken lokale Einsätze im Aufgabenprofil der US-Armee in den Hintergrund – höchste Priorität hat stattdessen der Kampf gegen andere Großmächte, schreibt das Portal.

Die Streitkräfte der USA sollen modernisiert werden – und zwar so, dass sie auf einen „hochintensiven Konflikt“ mit China und Russland vorbereitet seien, sagte Armeeminister Esper am 16. April laut dem Portal.

Um die finanziellen Mittel dafür freizubekommen, würden andere Rüstungsprogramme eingestellt oder eingeschränkt. Vor allem soll weniger Geld ausgegeben werden für die Modernisierung von Transporthubschraubern CH-47 „Chinook“ und die Beschaffung von leichten Kampffahrzeugen „JLTV“.

Diese zwei Rüstungsprogramme sind übrigens zwei Glieder einer Kette. Das Upgrade des „Chinook“ war nötig, um dessen Tragfähigkeit zu erhöhen. Die höhere Zuladung wiederum wurde benötigt, um die „JLTV“ ins Einsatzgebiet bringen zu können. Entwickelt wurden diese Kampffahrzeuge eigens für lokale Einsätze wie in Afghanistan oder im Irak.

Statt der Modernisierung der alten Transporthubschrauber sollen laut dem Armeeminister neue entwickelt werden. „Future Vertical Lift“ heißt dieses Rüstungsprogramm. Was die US-Streitkräfte laut dem Minister zudem benötigen, sind neue Schützenpanzer (das „NGCV“-Programm) und neue Langstreckenraketenartillerie („LRPF“). Die hochpräzisen Artillerieraketen sind unter anderem dafür geeignet, die chinesischen Seestreitkräfte zu bekämpfen.

Außerdem auf dem Entwicklungsplan des Pentagons: leistungsfähige Flug- und Raketenabwehr, neue Kommunikations- und Führungssysteme, die den Anforderungen künftiger Kampfeinsätze entsprechen. Und: Eine gründliche Überarbeitung braucht auch die Kampfmontur der Infanteristen. Über 50 Milliarden Dollar sollen für diese Waffenprogramme bis 2024 ausgegeben werden.

An sich sind die Pentagon-Pläne zur Umrüstung der Armee gar nicht so neu, schreibt das Portal. Ähnliches war schon in der Nationalen Sicherheitsstrategie der US-Führung angeklungen. 2017 hatten die Strategen sechs Hauptprogramme ausgemacht, auf denen die US-Armee der Zukunft aufgebaut werden soll.

Besonders im Fokus der US-Armee stehen dabei Einsätze unter aktiver Einwirkung russischer und chinesischer Flugabwehrkräfte. Auch dafür fehle das nötige Gerät: Ein multifunktionaler Kampf- und Aufklärungshubschrauber müsse noch entwickelt werden, sagte Minister Esper laut dem Portal.

Parallel sollen schon vorhandene Waffenmuster kontinuierlich verbessert werden – so die Pläne des Pentagons. Vor allem soll der Bestand an schweren Gefechtsfahrzeugen aufgestockt werden, sagte der Minister laut dem Portal. Nicht zuletzt gilt es, die Einsatzstrategie der US-Armee an künftige Anforderungen anzupassen.

Läuft die Rüstungswende wie geplant, wandelt sich die US-Armee wieder zu einer Streitmacht für umfangreiche und intensive Kriege. Das sei, so der Minister laut dem Portal, eine „Reaktion“ auf die „wachsende Bedrohung“ von Russland und China.

Russlands und Chinas Streitkräfte waren schon im vergangenen Februar Thema beim Minister. Damals sagte Esper gemäß dem Portal, die „Rivalen-Länder“ würden in absehbarer Zeit den Höchststand ihrer militärischen Fähigkeiten erreichen. 2028 würden die russischen, 2030 die chinesischen Streitkräfte ihr Fähigkeitsmaximum erzielen. Darauf müsse man sich vorbereiten, auch wenn noch ein Zeitpuffer gegeben sei. Es gehe darum, jetzt die Grundlagen für die Streitkräfte der Zukunft zu schaffen.

Die möglichen Gegner der US-Armee haben amerikanische Strategen klar benannt: Russland und China. Diese Länder einzudämmen – dazu soll die Rüstungswende dienen, schreibt „Army News“. Aber es könnte auch einen weiteren Grund für das Modernisierungsprogramm geben, nämlich: wirtschaftliche Interessen bestimmter Gruppen und Organisationen.

Daran, dass die US-Armee durch die Einführung neuer Waffensysteme und die Aufstockung vorhandener Waffenbestände tatsächlich noch größer und schlagkräftiger wird, ändert dieser Umstand aber wenig, so das Portal.

sputniknews


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