Gullydeckel-Attacke: Lokführer steht selbst unter Verdacht

  25 April 2019    Gelesen: 383
Gullydeckel-Attacke: Lokführer steht selbst unter Verdacht

Zwei Gullydeckel hingen von einer Brücke, eine Regionalbahn fuhr dagegen, der Lokführer überlebte scheinbar wie durch ein Wunder. Nun steht der 49-Jährige selbst unter Verdacht.

Nach der Gullydeckel-Attacke auf eine Regionalbahn bei Bad Berleburg steht der 49-jährige Lokführer des Zuges selbst unter Tatverdacht. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Ein Zug der Hessischen Landesbahn war auf der Strecke im Wittgensteiner Land Mitte Mai gegen Gullydeckel gefahren, die von einer Brücke über den Schienen hingen.

Die Ermittler gehen nun davon aus, dass der 49-jährige Lokführer des Unfallzuges selbst die Deckel über den Schienen aufgehängt hat. Die Spurenlage deute daraufhin, dass der Mann zwei schwere Gullydeckel an Seilen und Ketten befestigt und an einer Brücke über die Gleise hinabgelassen haben könnte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen. Es seien DNA-Spuren am Tatort gefunden worden. Am Morgen des 13. April steuerte der Mann dann nach Polizeiangaben den ersten Zug über die Strecke. Der Mann bestreite die Tat. Das mögliche Motiv sei unklar.

Polizei nahm Lokführer vorübergehend fest

Die Staatsanwaltschaft Siegen habe beim Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss für seine Wohnungen in Lünen und in Erndtebrück erwirkt. Danach habe man den 49-Jährigen am Erndtebrücker Bahnhof vorläufig festgenommen. Er bestreitet die Tat laut Staatsanwaltschaft. Mangels Haftgründen sei er wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Ermittlungen dauerten an.

Der mutmaßliche Anschlag hatte für Entsetzen gesorgt. Zunächst waren Polizei und Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass Unbekannte mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehangen hatten. Demnach hatte – so der erste Anschein – mindestens ein Gullydeckel die Frontscheibe des bis auf den Lokführer leeren Zuges durchschlagen. Der Mann hatte sich auf einer geplanten Leerfahrt zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück befunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte zunächst wegen versuchten Mordes.
 
Die Hessische Landesbahn (HLB) hatte nach dem Vorfall von einem "ungeheuerlichen Anschlag" gesprochen, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen worden sei. Der Lokführer hatte nach damaligen Angaben der HLB einen "mittelschweren Schock" erlitten. Der Lokführer habe eine Notbremsung vollzogen und sich nach hinten weggeduckt, hieß es nach dem Vorfall seitens der HLB. "Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist", sagte eine Sprecherin damals. 

Die Hessische Landesbahn betreibt die Linie RB 93, die zwischen Bad Berleburg (NRW) und Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) verkehrt und über Siegen (NRW) führt.

 


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