Italien lässt Flüchtlinge an Land - Salvini empört

  20 Mai 2019    Gelesen: 802
Italien lässt Flüchtlinge an Land - Salvini empört

Dutzende Migranten auf einem privaten deutschen Rettungsschiff sind in Italien von den Behörden an Land gebracht worden. Innenminister Salvini wurde davon offenbar überrascht - und reagiert wütend.

In Motorbooten sind 47 Bootsflüchtlinge vom zivilen deutschen Rettungsschiff "Sea Watch 3" auf die italienische Insel Lampedusa gebracht worden. Die Finanzpolizei beschlagnahmte das Schiff. Die Zeitung "La Repubblica" zeigte Videobilder, wie Migranten von einem Boot der Polizei aus am Abend im Hafen von Lampedusa an Land gingen.

Die Aktion geschah offenbar gegen den Willen von Innenminister Matteo Salvini. Aus seinem Ministerium hatte es noch am Nachmittag geheißen, Richter könnten anordnen, was immer sie wollten, aber das Ministerium werde verhindern, dass Menschen von dem "illegalen Schiff" an Land gingen. Salvini twitterte verärgert: "Soweit es mich betrifft, sollte es auch wenn das Schiff beschlagnahmt wird KEINE Anlandung geben. Jeder, der anderer Auffassung ist, muss die Verantwortung dafür übernehmen." Der rechtsgerichtete Salvini hat seine gegen Migranten gerichtete Rhetorik vor der EU-Wahl am kommenden Sonntag noch einmal verschärft.

Die Aktivisten von "Sea Watch" jubelten dagegen. "Die Häfen sind offen! Die Italienischen Behörden haben die Anlandung unserer verbliebenen Gäste erlaubt", schrieb die Organisation am Sonntagabend auf Twitter. "Wir sind froh, dass die Verfassung in Italien mehr Macht hat, als ein Minister, der laut UN das Recht bricht. Unser Dank gilt der italienischen Bevölkerung", erklärte die Hilfsorganisation.

Die "Sea-Watch 3" hatte vergangenen Mittwoch vor der Küste Libyens insgesamt 65 Migranten gerettet. Am Samstag war das Schiff dann offenbar ohne Erlaubnis in italienische Hoheitsgewässer eingelaufen. Zunächst durften 18 Menschen, darunter Kinder mit ihren Eltern und ein kranker Mann, auf Lampedusa an Land. Die anderen mussten noch auf dem Rettungsschiff bleiben. Der Sprecher der Hilfsorganisation, Ruben Neugebauer, hatte am Samstag gewarnt, die Lage auf dem Schiff habe sich zugespitzt. "Es gibt Suizidgefahr", sagte er. Die Besatzung erklärte, viele der geretteten Menschen litten unter Erschöpfung, Dehydrierung und Seekrankheit.

spiegel


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