Kurier: „Österreich muss jetzt beweisen, dass es keine korrupte Bananenrepublik ist.“

  20 Mai 2019    Gelesen: 717
Kurier: „Österreich muss jetzt beweisen, dass es keine korrupte Bananenrepublik ist.“

Die Regierungskrise in Wien und die Veröffentlichung der Videos des damaligen FPÖ-Politikers Strache werden in den österreichischen Zeitungen ausführlich kommentiert:

Der Wiener KURIER führt aus: 

„Um die FPÖ salonfähig zu machen, hat sich Strache bemüht, seiner Partei Antisemitismus und NS-Nostalgie auszutreiben. Hoffentlich bleibt wenigstens davon etwas übrig. Eine Abgrenzung von den Identitären, wie sie Sebastian Kurz der FPÖ abverlangte, wird jetzt wohl eher nicht passieren. Die FPÖ ist dabei, sich auf eine in jeder Hinsicht regierungsuntaugliche Ausländer-raus-Partei zu reduzieren. Erst wennn diese Affäre fein säuberlich geklärt ist, wird der Ruf des Landes repariert sein. Österreich muss jetzt beweisen, dass es keine krorrupte Bananenrepublik ist. Skandal passieren überall, den Unterschied macht aus, wie man damit umgeht.“

Das Problem mit den Neuwahlen, titelt der STANDARD:

„Bundeskanzler Sebastian Kurz wird im Wahlkampf vor allem um rechtspopulistische Wähler werben müssen; er wird dabei auch in Kauf nehmen, dass liberale Stammwähler zu den Neos abwandern. Das ist ein unerfreuliches Szenario, das sich möglicherweise dann doch nicht ausgeht. Die Alternative – eine Mehrheit von SPÖ, Neos und Grünen – ist jedoch noch weniger wahrscheinlich. Scheitert Kurz mit seinem Vabanquespiel, dann bleibt ihm wieder nur ein Bündnis mit der FPÖ, die sich nicht wandeln wird, oder eine VP-SP-Koalition voller Bitterkeit und Streit. Dann hätte die Neuwahl gar nichts gebracht.“

Die PRESSE bemerkt:

„Die FPÖ ist zum dritten Mal mehr oder weniger unschön aus der Regierung geworfen worden oder gefallen. Drei Versuche, als Regierungspartei ernst genommen zu werden, sind gescheitert. Nach unzähligen Einzelfällen mit bräunlicher Verhaltensauffälligkeit und dem jüngsten Ibiza-Video der beiden FPÖ-Spitzenpolitiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus scheidet die FPÖ für Jahre – wenn nicht länger – als Regierungspartner aus. Sebastian Kurz wird mit ihnen wohl nie wieder koalieren, sie mit ihm sicher nicht, so groß sind Wut und Verbitterung über den Koalitionsbruch. In der FPÖ scheint erst langsam zu sickern, dass es das nun endgültig gewesen ist: keine Verantwortung, keinen Einfluss, keine erste Reihe, keine Macht und auch keine neuen Jobs. Es ist vorbei.“

Die SALZBURGER NACHRICHTEN fragen:

„Hätte der Bundeskanzler schon vor der Zusammenarbeit mit der FPÖ erkennen müssen, welch üblen Geistes Kinder sich dort in führender Position herumtreiben? Hätte er um Straches abstruse Allmachtsfantasien Bescheid wissen müssen? Hätte er sehen müssen, welche politischen Zeitbomben er da an die Schalthebel der Macht hat kommen lassen? Man kann in die Seele der Menschen nicht hineinschauen. Deshalb wird man immer wieder Enttäuschungen erleben. Umso genauer sollte man sich zumindest ansehen, was an die Oberfläche dringt. Das hat der Kanzler verabsäumt.“

Die KRONEN ZEITUNG sieht es so:

„Die Freiheitlichen sind nicht regierungsfähig. Der FPÖ fehlt es an den geistigen, den moralischen Voraussetzungen für eine vertrauenswürdige Rolle im Staat. Bundeskanzler Kurz hat in der Wahl seines Parnterns einen schweren Fehler begangen. Er hat diesen Fehler korrigiert. Kurz hat eine zweite Chance verdient. Mehr nicht.“

Der Herausgeber des Magazins DER FALTER kritisiert Bundeskanzler Kurz: 

„Statt das Ende der Regierung zu erklären und seinen Fehler zu bekennen, diese Leute durch Regierungsbeteiligung und Kommunikationsanstrengung legitimiert zu haben, begann er bereits mit seiner Wahlwerbung. Der Kanzler als seine eigene Litfaßsäule, mit segnenden Händen. Wo bleibt die Politik? Politik verstanden als das Artikulieren und Vertreten von Interessen in der Öffentlichkeit?“

 

Deutschlandfunk


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