Alain Delon mit Ehrenpalme ausgezeichnet

  20 Mai 2019    Gelesen: 498
Alain Delon mit Ehrenpalme ausgezeichnet

"Eiskalter Engel" mit radikalen Ansichten: Bei den Filmfestspielen in Cannes hat Alain Delon die Ehrenpalme für sein Lebenswerk erhalten. Dagegen hatte es scharfe Kritik gegeben.

Tränen gab es reichlich bei der Verleihung des Ehrenpreises an den 83-Jährigen - von seiner Tochter Anouchka, die ihm die Trophäe überreichte, und von Alain Delonselbst. "Es ist lange her, dass ich so viel geflennt habe", sagte Delon und gab sich anschließend in seiner Dankesrede selbstironisch und demütig. Dabei war die Entscheidung des Festival in Cannes, die Filmlegende mit der Goldenen Palme für sein Lebenswerk auszuzeichnen, durchaus umstritten.

"Heute Abend ist das ein bisschen wie eine posthume Hommage, nur dass ich noch lebe", sagte der Schauspieler und fügte hinzu: "Ich werde gehen, aber ich werde nicht gehen, ohne mich bei Ihnen zu bedanken. Wenn ich ein Star bin, dann will ich Ihnen dafür danken, dem Publikum verdanke ich das und niemandem sonst."

Delon würdigte überdies zwei Frauen, die wichtige Rollen in seinem Leben gespielt hatten, die französischen Schauspielerin Mireille Darc (1938-2017) und Romy Schneider (1938-1982). Mit beiden stand Delon nicht nur immer wieder vor der Kamera, sondern führte auch teils schlagzeilenträchtige Beziehungen.

Dem 1935 geborenen Delon gelang bereits 1960 als ebenso kluger wie skrupelloser Krimineller Tom Ripley in "Nur die Sonne war Zeuge" der internationale Durchbruch. Seine Rolle als eleganter Auftragskiller Jeff Costello in "Der eiskalte Engel" (1967) verhalf ihm endgültig das Image des eiskalten Todesengels im Trenchcoat. Vielen ist er außerdem aus "Christine" und "Der Swimmingpool" jeweils an der Seite von Romy Schneider bekannt, sowie aus "Der Leopard" von Luchino Visconti.

Gegen Delons Ehrung hatte es Widerstand gegeben. Die US-OrganisationWomen and Hollywood warf dem Franzosen unter Berufung auf dessen frühere Äußerungen vor, er sei "rassistisch, homophob und frauenfeindlich". Eine Petition gegen Delons Ehrung in Cannes bekam mehr als 25.000 Unterschriften. Delon sympathisiert immer wieder öffentlich mit dem rechtsextremen Front National und bezeichnet sich selbst als Freund des Mit-Begründers Jean-Marie Le Pen. Auch bekennt er sich öffentlich zur Todesstrafe.

Delon ging in seiner Dankesrede indirekt auf die Kritik an seiner Person ein. "Man muss mit mir nicht einverstanden sein", sagte er. "Aber es gibt eine Sache, deren ich mir sicher bin, auf die ich stolz bin, wirklich nur eine, das ist meine Karriere." Dafür sei ihm die Goldene Palme zugestanden worden "und für nichts anderes". In der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" hatte Delon seinen Kritikern zuvor vorgeworfen, angebliche anstößige Äußerungen von ihm erfunden zu haben.

Zu der Zeremonie in Cannes kamen auch Frankreichs Kulturminister Franck Riester, Festival-Präsident Pierre Lescure und dessen Generalbevollmächtigter Thierry Frémaux. Dieser sagte bei der Zeremonie, Delon habe "keine Angst zu missfallen". Zugleich versicherte Frémaux, das Filmfestival in Cannes werde "immer auf der Seite der Künstler" stehen.

spiegel


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