Ginsheimer Pferdezüchterin Verena Scholian will die Karabaghen erhalten

11:08   02 März 2017    421

Verena Scholian aus Ginsheim züchtet eine seltene Pferderasse aus Aserbaidschan, die es fast nicht mehr gibt – Karabagh.

Ginsheim.
Ihr Fell ist rot-golden und glänzt, wenn die Sonnenstrahlen das dichte Fell treffen. Groß sind sie nicht, bis zur Schulter sind es gerade einmal angenehme 1,40 und 1,50 Meter. Die beiden Hengste mit Namen Serko und Sagh-Ol, die die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Karabagh und eurasiche Pferderassen, Verena Scholian, und ihre Helferin Franziska striegeln, sind Karabaghen, eine Pferderasse aus Aserbaidschan in Vorderasien.

Im Vergleich zu anderen Rassen haben die Karabaghen kaum einen Fluchtinstinkt. Sie kommen neugierig auf Fremde zu. Verena Scholian erklärt die Abenteuerbereitschaft damit, dass Karabaghen von Natur aus im Gebirge leben und bei Gefahr nicht die Flucht antreten wie ihre Artgenossen, sondern stockstill stehen bleiben. Denn ein Weglaufen birgt in den Bergen ein großes Verletzungsrisiko. Stattdessen blicken sie der Gefahr ins Auge. Sind die Karabaghen entspannt, kommt ihre verspielte Seite zum Vorschein. Die Pferde erkunden ihre Umgebung mit der weichen Nase, schnüffeln und nippen an allem, was interessant erscheint.

Durch Zufall kam Scholian zu dieser immer seltener werdenden Pferderasse aus dem Kaukasus, erinnert sie sich. „Mein anderes Pferd war gestorben, und ich suchte ein Neues. In einer Zeitungsannonce wurde ein russisches Edelblut angeboten, das hat mich neugierig gemacht.“ So habe sie ihren ersten Rasse-Hengst erworben, um gleich festzustellen, dass es sich dabei gar nicht um einen Russen, sondern um einen Aserbaidschaner handelte.“ 1994 beschloss Scholian, die liebenswerten und neugierigen Vierbeiner vor dem Aussterben zu bewahren. „Mein erstes Ziel ist es, diese tolle Rasse mit Hilfe der Zucht zu erhalten“, so die Ginsheimerin. Aktuell besitzt die Pferdefreundin zehn eigene Pferde, wovon sechs auf einem Grundstück in Ginsheim stehen. Weitere Pferde haben ihre Heimat im Taunus gefunden, darunter auch ein erst kürzlich geborenes Fohlen, der erste Nachwuchs von Hengst Sagh-Ol. Eine weitere Stute in Ginsheim ist zurzeit trächtig und erwartet ihr Fohlen im Mai. „Vorher werden wir sie auch in den Taunus transportieren, denn dort haben die Tiere größere Wiesen und mehr Platz“, erklärt die Züchterin.

Ihr erster Hengst ist mittlerweile gestorben, doch Nachwuchs kann er nach wie vor zeugen. Denn Scholian hat noch genug Sperma des prämierten Pferdes eingefroren, um etwa zehn Fohlen zu züchten. Die Hengste aus der Nachzucht überwiegen. Die verkauft sie aus Platzgründen an Liebhaber der Rasse. Mit drei Stuten setzt die Ginsheimerin die Zucht fort.

Prämierte Exemplare wie Hengst Serko kosten um die 10 000 Euro. Auch Prominenz treibt den Kaufpreis in die Höhe: Scholian hat einen Karabagh von Extrembergsteiger Reinhold Messner erworben. Stute Sheki ist die Enkelin von Messners trittsicherer Weggefährtin. Messner sei nicht der einzige Liebhaber dieser Rasse. „Es gibt einige prominente Karabagh-Fans“, sagt Scholian.

Die meisten Karabaghen seien jedoch nicht reinrassig. Oft würden Araber-Pferde oder Haflinger miteingekreuzt. So auch bei ihren eigenen Pferden. Doch der größte Teil sei Karabagh-Blut.

Verena Scholian verbringt täglich etwa eine Stunde bei ihren Pferden, am Wochenende nimmt sie sich mehr Zeit für die Tiere. Zudem kümmern sich einige Schülerinnen und Studentinnen um die Pferde. Im Gegenzug für die Pflege dürfen sie die Aserbaidschaner reiten. So auch Studentin Franziska, die sich seit November mit Serko angefreundet hat.

„Für mich sind meine Pferde Familienmitglieder“, sagt Scholian. Leider habe sie nicht mehr so viel Zeit zum Reiten wie früher. Trotzdem wolle sie die Zucht noch solange fortführen wie möglich, denn die tierischen Bergsteiger aus dem Kaukasus dürfen nicht aussterben.

Die Goldenen aus Nagorny Karabagh

Das Pferd aus dem Gebiet Nagorny Karabagh hatte großen Einfluss auf die Pferdezucht im Kaukasus. Karabaghen haben ein Stockmaß von 147 bis 150 Zentimeter.

Quelle: nnp

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