Als ein Aushilfs-Torwart Günther Jauch ins Chaos stürzte

  27 Februar 2025    Gelesen: 83
  Als ein Aushilfs-Torwart Günther Jauch ins Chaos stürzte

Als am 27. Februar 1900 sich die Spielabteilung des Männer-Turn-Vereins im Münchener Gasthaus Bäckerhöfl zusammenfand, konnte noch niemand erahnen, was aus diesem Abend heraus entstehen sollte. Denn als eine Gruppe von Männern den Beitritt der Fußballabteilung des MTV zum süddeutschen Fußballverband forderte, wurde dieser Antrag abgelehnt. Daraufhin zogen elf "Rebellen" - wie sie heute selbst vom Verein genannt werden - ins nahegelegenen Gasthaus Gisela und gründeten einen eigenen Klub, den FC Bayern München. Was danach geschah, ist Geschichte - und bildet die Grundlage für viele Hunderte unterhaltsamer Storys und Anekdoten.

In den siebziger Jahren brachte ein gewisser Jupp Kapellmann auch seinen treuen Begleiter, den Stoffbären "Mister Pitt", mit zum FC Bayern. Mit diesem sprach der Profi gerne mitten in der Kabine vor seinen Mannschaftskollegen. Auf Französisch. Das nervte seine Mannschaftskameraden irgendwann so sehr, dass sie den Stoffbären eines Tages unter die Räder des Mannschaftsbusses legten. Doch Kapellmann realisierte beim Eintreten in den Bus sofort, dass etwas nicht stimmte: Mister Pit saß nicht auf seinem Platz. Geistesgegenwärtig rannte er aus dem Gefährt und fand den Stoffbären gerade noch rechtzeitig unter den riesigen Busreifen, bevor das Gefährt anrollte. Doch die Freude hielt nur kurze Zeit. Einige Tage später zerfetzte Kappellmanns Hund Noel das Kuscheltier schließlich aus Eifersucht und befreite den Fußballprofi endlich von der "nachpubertären Erscheinung" (O-Ton Kappellmann).

Apropos siebziger Jahre: Es gibt da diese kleine Anekdote aus dem Jahr 1971. Damals bewohnten Paul Breitner und Uli Hoeneß zusammen eine Männer-WG. Eines Tages kam der Einberufungsbescheid von der Bundeswehr für Paul Breitner - doch dieser meldete sich einfach nicht. Auch die folgenden Briefe ließ er unter den Tisch fallen. Bis es soweit kam, dass die Feldjäger nach München geschickt wurden, um Breitner abzuholen. Doch Paul konnte auf seinen Freund Uli zählen, der die Männer von der Bundeswehr an der Wohnungstür empfing und ihnen direkt ins Gesicht log: "Der Paul ist nicht da."

Dieses Spiel wiederholte sich mehrere Male, denn Breitner flüchtete immer rechtzeitig runter in den Kohlenkeller, wo er sich das Gesicht schwärzte und versteckte. Die Feldjäger, obwohl sie das ganze Haus auf den Kopf stellten, fanden Breitner so nicht. Das ging so lange gut, bis der Jungprofi des FC Bayern steckbrieflich gesucht wurde und sich stellte. Erst ein Intervenieren des Managers der Münchener, Robert Schwan, rettete Breitner schließlich aus den "Klauen" der Bundeswehr. Von nun an weilte er samstags nicht mehr in der Kaserne, sondern stand im Kader der Bayern - und spielte regelmäßig.

Beckenbauer schimpft, "Rubens" coacht

Diese Rede ist legendär! Am 6. März 2001 spielte der FC Bayern München in der Champions League bei Olympique Lyon. Es setzte eine 0:3-Klatsche. Doch was viel wichtiger war: Es war der Moment, als Franz Beckenbauer hinterher beim Essen seine bis heute unvergessene Wutrede ("Rhetorisch präzise wie ein Markenbohrer", Werner Hansch) hielt (hier in Ausschnitten): "Ich sage immer: Man kann jedes Spiel verlieren. Die Frage ist nur: Wie man ein Spiel verliert. Das war heute eine Blamage! Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball. In Zukunft könnt ihr das nicht machen, sonst müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen. Wenn einer Nachhilfe-Unterricht braucht, dann werde ich ihm noch etwas anderes sagen. Ich stehe auch heute noch und die nächsten Tage zur Verfügung. Es war eigentlich bis auf das Spiel ein schöner Ausflug!" Vielleicht hatte den "Kaiser" an diesem Abend auch ein Zitat von Thomas Linke zusätzlich aus der Fassung gebracht: "Vielleicht liegt's an der geistigen Frische, dass Lyon heute geistig frischer war."

"Wir bekommen die Gladiolen, oder wir sind tot!", hatte Bayern-Trainer Louis van Gaal vor dem Halbfinale im DFB-Pokal seiner Mannschaft auf Schalke Ende März 2010 gemeint. Und dann wurde es tatsächlich ein echter Kampf gegen den FC Schalke 04. Über 120 Minuten spielten die beiden Teams gegeneinander, ehe der FC Bayern nach einer äußerst anstrengenden Partie mühsam mit 1:0 gewann. Hinterher saß die Mannschaft total erschöpft, müde und still in der Kabine - bis der neue Jungstar Thomas Müller das Wort erhob: "Jetzt haben wir die Gladiolen und sind trotzdem tot!" Spätestens in diesem Moment war allen klar: Von diesem lustigen Spaßvogel wird man noch einiges hören!

Als Otto Rehhagel im Jahr 1995 zu den Bayern kam, lernte er die Münchner Presselandschaft in ihrer vollen Breitseite schnell kennen. Denn als damals enttarnt wurde, dass an seinem Klingelschild in der Schwabinger "Casa Schellissima" nicht Rehhagel, sondern "Rubens" stand, titelten die Boulevardblätter spöttisch: "Vom Malermeister zum Meistermaler". Natürlich lasen auch die Bayern-Profis hier und da Zeitungen und nannten ihren Übungsleiter ab sofort nur noch "Rubens". Die Kratzer an Rehhagels Autorität hätte selbst ein Meistermaler wie der flämische Barockkünstler nicht übertünchen können.

Günther Jauch zerreißt es beinahe die Birne

Es war eines der schönsten Trainergespanne, die der FC Bayern je hatte: Jupp Heynckes und Hermann Gerland. Und das lag auch daran, dass der Erfolg der späten Jahre den Mönchengladbacher Jung verändert hatte. Trainer-Kollege Reinhard Saftig sagte beeindruckt: "Der Jupp Heynckes ist lockerer geworden. Der hatte früher sogar einen Rückspiegel im Bus, um auch auf den hinteren Rängen alles mitzukriegen." Gelöst und mit lustig blinzenden Augen sah man ihn nun in den Pressekonferenzen. Humorvoll beantwortete Heynckes die Fragen der Journalisten: "Wenn wir Champions-League-Sieger werden, dürfen mich die Spieler für einen Tag duzen."

Und als es dann soweit war und die Mannschaft tatsächlich in London den großen Titel geholt hatte, nutzte sein kongenialer Partner die Gunst der Stunde für eine persönliche Ansprache. Hermann Gerland ergriff auf der Feier das Mikrofon: "Josef, Champions-League-Sieger, ich habe einen Wunsch. Ich möchte, dass du mal ein wenig lockerer wirst. Denn irgendwann kommt der Sensenmann. Du kommst in den Himmel, ich komme in die Hölle. Davor müssen wir noch mal richtig die Sau rauslassen!"

Viele wissen es gar nicht mehr, aber der ehemalige Nationaltorhüter Harald "Toni" Schumacher half dem FC Bayern Anfang der neunziger Jahre in einer misslichen Lage aus der Patsche. Und nachdem er im Oktober 1991 sein Debüt für den Rekordmeister gefeiert hatte, lud ihn das "Aktuelle Sportstudio" prompt nach Mainz ein. Dort packte Schumacher dann mitten in der Livesendung - in alter Sepp Maier Tradition - eine Tube mit Schnupftabak aus und bot sie dem Moderator der Sendung an. Und tatsächlich: Günther Jauch nahm eine Prise - und wirkte danach augenblicklich sichtlich benommen. So benebelt, dass er schließlich die Sendung zehn Minuten früher als gedacht, beenden wollte: "Das war's dann für heute!" Hinterher sprach er dann von den dramatischen Minuten mitten in der Livesendung voller Ehrfurcht: "Ich dachte, es zerreißt mir die Birne!"

Im Jahr 1976 stand der FC Bayern im Landesmeister-Finale gegen den AS Saint-Étienne. Der Sage nach bekam der nervöse Jungprofi Karl-Heinz Rummenigge noch vor der Partie zwei Cognacs zur Beruhigung. Als man später einmal seinen Trainer Dettmar Cramer auf diese ungewöhnliche Maßnahme ansprach, meinte der kleine Mann, dem man zu Bayern-Zeiten den Spitznamen "Napoleon" verpasste, äußerst listig: "Das Finale war doch in Glasgow. Das kann höchstens Whiskey gewesen sein."

In diesem Sinne: Prost und herzlichen Glückwunsch, lieber FC Bayern München, zu faszinierenden 125 Jahren Fußballgeschichte(n).

Quelle: ntv.de


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