Musikpreis Echo wird abgeschafft

  25 April 2018    Gelesen: 1064
Musikpreis Echo wird abgeschafft

Nach wochenlanger Debatte zieht der Bundesverband der Musikindustrie die Reißleine - und schafft den Echo ab. Hintergrund sind die Auszeichnungen für die Rapper Kollegah und Farid Bang. Stattdessen soll es einen neuen Preis geben.

Aus für den Echo: Den Musikpreis wird es in Zukunft nicht mehr geben, teilte der Bundesverband Musikindustrie mit. Er reagiert damit auf die Kontroverse um die Preisvergabe an ein als antisemitisch kritisiertes Album der Rapper Kollegah und Farid Bang.

Deutschland brauche als drittgrößter Musikmarkt der Welt zwar "zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern" weiterhin "Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter", hieß es vom Bundesverband. Man wolle jedoch keinesfalls, dass der Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird. Fehler wie die im Zuge der diesjährigen Echo-Verleihung könnten zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden - man wolle aber dafür sorgen, dass diese sich nicht wiederholen.

Die Marke Echo sei durch den Eklat zudem so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei. Für die Konkretisierung der Änderungen will sich der Vorstand aber Zeit nehmen - im Juni soll es einen Workshop zum Entstehen eines neuen Preises geben. Auch beim Echo Klassik und dem Echo Jazz soll dann eine Neuaufstellung erfolgen. Die anstehenden Jazz-Preise sollen jedoch noch am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung verliehen werden.

BMG beendet Zusammenarbeit mit Rappern

Den Hip-Hoppern Kollegah und Farid Bang wird im Zusammenhang mit ihrem Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus vorgeworfen. Trotzdem wurden sie Mitte April mit dem Echo ausgezeichnet. Campino von den Toten Hosen prangerte schon auf der Gala an, dass eine Grenze überschritten worden sei. Zahlreiche Musiker gaben nach der Auszeichnung an die Rapper ihre eigenen Echo-Trophäen zurück, darunter Marius Müller-Westernhagen und Stardirigent Daniel Barenboim. Auch ein Sponsor des Musikpreises sprang ab.

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hat sich inzwischen von den Rappern getrennt."BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet", heißt es in einer Stellungnahme. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein Sprecher nicht äußern.

Damit endet die Ära des Echo nach 16 Jahren - erstmals wurde der Musikpreis 1992 vergeben. Die Preisvergabe orientierte sich hauptsächlich an den Verkaufszahlen und Chartplatzierungen der Musiker.

n-tv


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