Özil will nicht mehr für Deutschland spielen

  23 Juli 2018    Gelesen: 1032
Özil will nicht mehr für Deutschland spielen

Mesut Özil hat den Rücktritt aus der A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bunds erklärt und begründet das mit "Rassismus" ihm gegenüber. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen DFB-Präsident Reinhard Grindel.

In einem Statement hat Mesut Özil seinen Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft erklärt. Der Arsenal-Profi und Weltmeister von 2014 hatte sich zuvor zu seinen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert und dabei Sponsoren und Medien scharf kritisiert.


Özils auf Twitter platzierte Kritik richtet sich vor allem an DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der habe sich vor der Weltmeisterschaft nicht für seine Ansichten interessiert - anders als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, den Özil ebenfalls vor der WM getroffen hatte. Die Vorwürfe an Grindel sind gravierend: Der Funktionär habe nur seine eigene Agenda verfolgt und aus persönlicher Eitelkeit gehandelt.

Der 29-Jährige schreibt weiter: "Ich werde mich nicht länger als Sündenbock missbrauchen lassen dafür, dass Grindel inkompetent ist und seinen Job nicht richtig machen kann." Grindel habe ihn schon vorher aus dem Team werfen wollen, aber Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff hätten sich für seinen Verbleib im Kader eingesetzt.

Özil beklagt, "in den Augen von Grindel und seinen Unterstützern" sei er ein Deutscher, wenn die Mannschaft gewinne, aber ein Migrant, wenn sie verliere. Seine Freunde Miroslav Klose und Lukas Podolski würden anders behandelt als er, schreibt Özil und stellt die rhetorische Frage, ob das an seinem muslimischen Glauben liege.

Im Verlauf seiner langen von Zorn und Verletzung geprägten Stellungnahme berichtet Özil auch von Beschimpfungen, die er von Fans und Personen des öffentlichen Lebens erlitten habe. Diese repräsentierten ein "Deutschland der Vergangenheit", auf das er "nicht stolz" sei, das "nicht offen für neue Kulturen" sei.

Die Behandlung, die er durch den DFB erfahren habe, führe dazu, dass er nicht länger das DFB-Trikot tragen wolle, so Özil. Er fühle sich ungewollt, seine Errungenschaften seit 2009 seien vergessen worden. Das habe dazu geführt, dass der Stolz, mit dem er das deutsche Trikot getragen habe, nicht mehr vorhanden sei. "Rassismus sollte niemals akzeptiert werden", schreibt Özil.

In einem ersten Statement hatte Özil am Sonntagmittag sein Treffen mit Recep Tayyip Erdogan Mitte Mai verteidigt, an dem auch DFB-Teamkollege Ilkay Gündogan teilgenommen hatte. Die Fotos von dem Treffen waren im Anschluss von Erdogans Partei AKP veröffentlicht worden und hatten ein breites Echo und viel Kritikhervorgerufen. Sie hatten auch die Weltmeisterschaft teilweise überschattet.

Grindel hatte sich kurz danach zu Wort gemeldet und Kritik an Özils Verhalten geäußert, das direkte Umfeld der Nationalmannschaft reagierte zunächst zurückhaltender. Teammanager Bierhoff sagte vor dem Turnier, der DFB verlange "mündige Spieler. Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut".

Nach dem Turnier drehte sich der Wind beim Verband, insbesondere Bierhoff gab sich in seinen Aussagen von Mitte Mai bis Anfang Juli bemerkenswert wankelmütig. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" hatte er dem Spieler nach dem Turnier öffentlich die Rückendeckung entzogen. Özil selbst hatte sich lange überhaupt nicht zu dem Treffen geäußert, ging nach dem Ausscheiden bei der WM Ende Juni via Twitter nur auf seine sportliche Enttäuschung ein und beendete seine Nachricht mit dem Hashtag #SayNoToRacism.

Erst einen Monat nach Ende der Weltmeisterschaft in Russland meldete er sich nun mit einer direkten Reaktion auf die Erdogan-Affäre zu Wort und gab seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Die Stellungnahme war mit der Kennzeichnung "I/III" versehen, der zweite Teil, der zwei Stunden später veröffentlicht wurde, war dann "II/III" gekennzeichnet und am Abend kam dann "III/III".

Quelle : spiegel.de


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