Jeder zweite Deutsche hat Ressentiments gegen Asylsuchende

  25 April 2019    Gelesen: 413
  Jeder zweite Deutsche hat Ressentiments gegen Asylsuchende

Asylsuchende stoßen in der Bevölkerung auf wachsende Ablehnung. Das ist das Ergebnis einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie zeigt auch: Verschwörungstheorien sind weit verbreitet.

In Deutschland sind negative Einstellungen gegenüber Asylsuchenden weit verbreitet: Jeder Zweite äußert Vorbehalte, wenn er zu Asylsuchenden befragt wird. Das geht aus der neuen Mitte-Studie zu rechtsextremen Einstellungen hervor, die alle zwei Jahre von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) herausgegeben wird. Im Vergleich zum Jahr 2016 wuchs diese Gruppe sogar noch einmal, obwohl die Zahl der Asylsuchenden rückläufig ist. Die Studie, die an diesem Donnerstag veröffentlicht wird, lag dem SPIEGEL vorab vor.


Die Studienteilnehmer antworteten in der Befragung in vier bis fünf Abstufungsmöglichkeiten (von "stimme überhaupt nicht zu" bis "stimme voll und ganz zu") etwa auf Fragen wie:

- "Es leben zu viele Ausländer in Deutschland"
- "Die meisten Asylbewerber werden in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt"
- "Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit"

Die Autoren beobachten zudem mit Sorge eine Verankerung rechtspopulistischer Einstellungen in der Bevölkerung. "Sie sind in der Mitte normaler geworden", heißt es. Erstmals wurden die Teilnehmer auch zu Verschwörungstheorien befragt. Die Erkenntnisse überraschen: Viele Menschen glauben demnach, dass Politiker nur Marionetten anderer Mächte sind.

Seit 2014 zeigt rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung feindliche Einstellungen gegenüber "Fremden". Die Werte seien stabil und auf einem hohen Niveau, schreiben die Verfasser der FES-Studie. Zugenommen hat hingegen die Bereitschaft der Befragten, sich in Antworten negativ über Asylsuchende zu äußern. Der Wert stieg von 49,5 Prozent im Jahr 2016 auf nun 54,1 Prozent an. Es ist das höchste Ergebnis, seitdem 2011 erstmals Meinungen über Asylsuchende abgefragt wurden.

Die Wissenschaftler schließen daraus: Die Debatte über Asyl und Zuwanderung habe an Härte zugelegt. Vorurteile und Abwertungen seien möglicherweise bei den Befragten bereits als Fakten verankert.

Rechtsextreme Einstellungen werden vom Großteil der Bevölkerung abgelehnt. Nur zwei bis drei Prozent der Befragten äußerten klar Meinungen in allen abgefragten Kategorien dieses Spektrums. In den vergangenen Jahren kam es bei den Werten kaum zu gravierenden Veränderungen. Auffällig ist jedoch, dass im Osten die Zustimmungswerte in den vergangenen zwei Jahren gesunken sind.

Rechtspopulistische Einstellungen sind dagegen in der Bevölkerung stabil verankert. Unter diesem Begriff versteht die Studie antipluralistische Überzeugungen, die ausgrenzend und national orientiert, aber nicht notwendigerweise gewaltnah sind. Sie bewegen sich (gerade noch) auf dem Boden des demokratischen Systems, ohne dieses konkret abschaffen oder angreifen zu wollen (mehr zu den Unterschieden zwischen den Begriffen "rechtsextrem" und "rechtspopulistisch" lesen Sie auch hier).

Rechtspopulistische Einstellungen sind laut der Studie durch mehrere Kennzeichen bestimmt: Darunter sind Skepsis gegenüber der Demokratie, Zustimmung zu Law-and-Order-Autoritarismus, sowie Abwertungen von Eingewanderten, Muslimen, Asylsuchenden und Sinti und Roma.

Jeder fünfte Befragte neigt demnach deutlich zu rechtspopulistischen Einstellungen, bei 42 Prozent lässt sich eine Tendenz dazu feststellen. Die Werte haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Deshalb lautet auch hier ein Teilfazit der Studie: Äußerungen aus diesem Bereich sind in der breiten Bevölkerung angekommen, gelten teilweise als normal und akzeptiert.

Werden die rechtspopulistischen Einstellungen in Korrelation zur Parteipräferenz der Befragten gesetzt, überraschen die Ergebnisse kaum. Hier liegt die AfDerwartungsgemäß vorn.

spiegel


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