Am Wochenende gibt es Brioche mit Zitronen-Granita

  25 Juli 2020    Gelesen: 282
Am Wochenende gibt es Brioche mit Zitronen-Granita

Eis zum Frühstück? Auf Sizilien gibt es im Sommer nichts Besseres, als morgens seine Brioche in eine Granita zu tunken. Hier kann man damit auch bis zum Nachmittag warten, rät unsere Köchin Verena Lugert.

Für eine Reportage, die sich um nichts anderes drehte als um die süßen Schätze aus den Eismanufakturen und den Pâtisserien Siziliens, also um die weltberühmten Dolci der Sonneninsel, durfte ich Corrado Assenza treffen, den Star unter Siziliens Eismachern, den Granden der Granita. Granita: diese hauchzart kristalline Eisspezialität, eine Art Sorbet, die nur aus dem reinen Saft einer Frucht, Zucker und etwas Wasser hergestellt wird. Und der Kälte, die die Granita dann abgibt an ihren Genießer.

Assenza saß auf einem Kaffeehausstuhl unter einem blauen Morgenhimmel im Barockstädtchen Noto, früh um acht, vor ihm ein Espresso, eine federleichte Brioche und eine Dessertschale, gefüllt mit Granita. Und um ihn herum saßen ein Dutzend weitere Italiener, die es ihm nachtaten: Brioche, starker Kaffee - und ein Schälchen Granita, lediglich in der Sorte unterschieden sich die Gedecke: Manche frühstückten eine Erdbeer-,  andere eine Zitronen-Granita, wieder andere nahmen Mandel-, Kaffee- oder Aprikosen-Granita zu sich.

Eis zum Frühstück? Die Caffès in Sizilien sind schon am frühen Morgen voll mit glücklichen Menschen, die ihre Brioches in ihre granite stippen. Assenzas granite sind weltberühmt. Eine ganze Folge der Netflix-Serie "Chef’s Table" über Jahrhundertköche und Pâtisserie-Legenden ist ihm gewidmet, Corrado Assenza vom Caffè Sicilia in Noto. Der studierte Biologe und Bienenwissenschaftler führt sein Caffè in vierter Generation, er bewahrt die Tradition der Dolci, die für das Ureigenste der sizilianischen Küche stehen, für die Aroma-DNA der Insel: Orangen, Zitronen, Mandeln und Pistazien.

Mit einem Wink bestellt er auch mir, einer Nicht-Frühstückerin, ein solches Gedeck. Geht nicht darauf ein, als ich ablehnen will. Und dann steht sie vor mir, diese Zitronen-Granita. Es ist ein herrlicher Morgen, noch spürt man die Kühle der Nacht, aber die Hitze, das weiß man, sammelt sich schon, ist dabei, sich zusammenzuballen wie eine Faust.

Der Sandstein der Barockfassaden strahlt bereits weiche Sonnenwärme ab. Wie die goldene Brioche, die nun vor mir liegt. Ich zupfe ihre Kugel heraus, tupfe sie in die Granita, koste. Und bin ab jetzt auch eine Jüngerin: die süße Buttrigkeit des ofenwarmen Hefeteiges! Wie sich seine Flaumigkeit mit der kalten Zitronen-Granita vermischt, dieser Eiskönigin. Wie absolut köstlich der Zusammenprall dieser Texturgegensätze ist! "Was könnte auch besser passen als eine eisige Granita gleich am Morgen, zusammen mit einer warmen Brioche?" fragt Corrado Assenza. Es ist eine rhetorische Frage.

Tun wir es ihnen nach, den Sizilianern: Eis zum Frühstück und flaumige Brioche. Und wem das zu viel Überschwang am Morgen ist, zu viel italianità? Der frühstückt ganz protestantisch die Brioche. Und hebt sich seine Zitronen-Granita für den Nachmittag auf. 

spiegel


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