Polizei soll Verdächtige gefoltert haben

  25 April 2016    Gelesen: 744
Polizei soll Verdächtige gefoltert haben
Mindestens 17 Studenten sollen laut dem Bericht einer Menschenrechtsorganisation Spuren von Schlägen aufweisen. Der Vorwurf lässt Zweifel an früheren Aussagen aufkommen.
Die mexikanische Polizei hat nach Darstellung von Experten wahrscheinlich mehrere Verdächtige im Fall der seit eineinhalb Jahren vermissten 43 Studenten gefoltert. Dafür gebe es starke Indizien, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht der Inter-Amerikanischen Kommission für Menschenrechte.

Eine Untersuchung zeige, dass 17 von etwa 110 festgenommenen Verdächtigen Spuren von Schlägen aufwiesen, darunter Blutergüsse, Schnitte und Kratzer. Ein Verdächtiger gab an, er sei mit einer Plastiktüte fast erstickt worden; ein anderer erlitt einer medizinischen Untersuchung zufolge so harte Schläge auf die Ohren, dass die Trommelfelle platzten und er aus den Ohren blutete.

Der Bericht spricht von einer "perfekten Koordination" bei der Attacke auf die linken Studenten. Polizei und organisierte Kriminalität hätten in der Nacht des 26. September 2014 gemeinsam agiert, "um die Flucht der Autobusse zu verhindern, in denen die Studenten waren", betonte der kolumbianische Staatsanwalt Ángela Buitrago. Sowohl die Polizei von Iguala im Bundesstaat Guerrero als auch die Bundespolizei hätten mehrere Posten errichtet, damit die Busse nicht entwischen.

Erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung

Die Studenten eines als politisch links geltenden Lehrerseminars hatten Busse gekapert und wollten zu einer politischen Kundgebung in die Hauptstadt fahren. Bei der Attacke starben sechs Menschen, 43 Studenten verschwanden. Nach offiziellen Angaben der Regierung sollten korrupte Polizisten sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben haben. Bandenmitglieder räumten ein, die jungen Leute getötet und ihre Leichen auf einer Müllkippe verbrannt zu haben.

An der offiziellen Darstellung des Tathergangs gibt es aber erhebliche Zweifel. So halten argentinische Forensik-Experten die Müllkippen-Theorie nach der Bewertung von biologischen und nicht-biologischen Spuren für unwahrscheinlich. Die Darstellungen beruhten zum Großteil auf Aussagen von Verdächtigen, die jetzt sagen, sie seien mit Folter zum Reden gezwungen worden. Der Foltervorwurf könnte somit bedeuten, dass es in dem für Mexiko sehr aufwühlenden Fall womöglich keine Schuldsprüche geben kann.

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