Immunsystem eines Forschers tötet Zecken

  04 April 2025    Gelesen: 101
  Immunsystem eines Forschers tötet Zecken

Zecken sind Parasiten, die sich in die Haut stechen, Blut saugen und dabei gefährliche Krankheiten übertragen können. Doch das Immunsystem eines Forschers hat sich so entwickelt, dass es die Spinnentiere tötet, bevor sie ihn infizieren können.

Richard S. Ostfeld ist ein Zeckenforscher mit Superkraft: Sein Immunsystem tötet Zecken, sobald diese in seine Haut stechen. Offenbar hat sein körpereigenes Abwehrsystem einen Stoff entwickelt, der für die Tiere tödlich ist. Der Wissenschaftler, der selbst zur Ökologie von Infektionskrankheiten forscht, die durch Zecken übertragen werden können, wurde eigenen Angaben zufolge während seiner Arbeit Hunderte Male an verschiedenen Orten von Zecken verschiedener Arten gestochen. Eines Tages habe er jedoch bemerkt, dass er nur noch tote Zecken von seiner Haut absammelte, berichtete Ostfeld selbst bereits 2023.

Bekannt ist bereits seit einiger Zeit, dass bei domestizierten Säugetierarten wie Rindern, Kaninchen, Meerschweinchen und sogar Labormäusen nach mehrfachem Zeckenbefall Resistenzen entstehen können. Die sogenannte erworbene Zeckenresistenz (acquired tick resistance, kurz ATR) schützt die Wirtstiere, indem sie die Zecken beim Stechen und Saugen einschränkt, zu einem vorzeitigen Ablösen zwingt oder sogar zum Tod der Parasiten führt.

Proteine der Hirschzecke unter der Lupe

Ein Forschungsteam hat nun untersucht, welche Proteine im Speichel von Zecken zu diesem Immungedächtnis bei Ostfeld und den zeckenresistenten Säugetieren geführt haben. Sie könnten damit einem wirksamen Zeckenimpfstoff auf der Spur sein. Bisher hatten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Problem, dass es im Speichel der Spinnentiere eine Vielzahl von Proteinen gibt, die alle verschiedene Aufgaben haben.

Um die zu identifizieren, die zur Zeckenresistenz führen, entwickelte das Forschungsteam von der Yale School of Medicine in New Haven in den USA eine sogenannte Antigen-Screening-Plattform. Sie maßen damit die Antikörperreaktionen auf die verschiedenen Proteine einer ganz bestimmten Zeckenart. Dabei handelte es sich um Ixodes scapularis, die Hirschzecke, die auch als Rehzecke oder Schwarzbeiniger Holzbock bezeichnet wird. Sie ist vor allem in Nordamerika verbreitet und kann die durch Zecken typischen Erkrankungen wie Lyme-Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitits (FSME) übertragen. Zudem ist sie in Nordamerika und in Teilen Sibiriens die Überträgerin des sogenannten Powassan-Virus, das eine lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns, eine sogenannte Enzephalitis, verursachen kann.

199 Antigene ausgemacht

Mithilfe dieses Verfahrens erfassten die Forschenden Reaktionen auf mehr als 3000 verschiedene Zeckenantigene. Nach weiteren Tests mit einem zeckenresistenten Menschen und mehreren Personen mit Lyme-Borreliose sowie zeckengestochenen Meerschweinchen und Mäusen konnten 199 Antigene identifiziert werden, die eine bestimmte Reaktion des Immunsystems auslösen.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die im Fachmagazin "Science Translational Medicine" veröffentlicht wurden, könnten die Grundlage für die Entwicklung von neuen Zeckenimpfstoffen bilden, die sich direkt gegen die Spinnentiere und nicht, wie bei FSME-Vakzinen, gegen die Erkrankung richten.

"Tatsächlich wurde bei mir nie Borreliose oder eine andere durch Zecken übertragene Krankheit diagnostiziert", schreibt Ostfeld. Es scheine so zu sein, dass seine Zeckenresistenz ihn vor den durch Zecken übertragenen Infektionen schütze, mutmaßt der Forscher.

Quelle: ntv.de


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