Schlachthof statt Lanze

  13 September 2016    Gelesen: 338
Schlachthof statt Lanze
Mehrere Jahrhunderte lang galt der Lanzentod des Bullen bei der Treibjagd im spanischen Tordesillas als unangefochtene Tradition. In diesem Jahr wird Bulle Pablo die Jagd zum ersten Mal überleben – zumindest zunächst.
Wenn nicht ein Tollkühner unter Strafandrohung eine versteckte Lanze aus dem Gebüsch zieht, wird der „Toro de la Vega“ an diesem Dienstag im spanischen Tordesillas überleben. Auf Druck der Tierschützer hat die Regierung von Kastilien und León die Tötung des Stiers verboten. Alle Proteste des sozialistischen Bürgermeisters José Antonio González, wonach hier einer seit dem Jahr 1534 währenden Tradition „das Genick gebrochen“ werde, nutzten nichts.

Statt den Lanzentod auf der Aue zu finden, wird der 450 Kilogramm schwere Pelado nun zwar auch durch die Straßen der Stadt und über den Duero getrieben. Aber danach soll er unversehrt in den Stall zurückkehren und nicht wie sonst auf offenem Feld immer und immer wieder durchbohrt und aufgespießt werden.

Freilich bleibt ihm da nur eine Gnadenfrist bis zum Schlachthof. Denn sein Ende wird gleich sein, nur die Methode eine andere. Die Tierpartei (Pacme) feierte schon am Wochenende ihren „großen Sieg“ mit mehreren tausend Anhängern auf der Madrider Puerta del Sol. Dort forderte sie ein allgemeines Verbot aller Fiestas „mit Tierquälerei“.Für Letzteres war das alljährliche Erstechen eines Stiers durch lanzenbewehrte Amateure das zuletzt krasseste spanische Beispiel. Einmal hatte sogar der Diktator Franco, dem das auch nicht gefiel, kurzfristig ein Verbot verfügt, sich dann aber bald wieder dem Verlangen der Bürger von Tordesillas gebeugt. Diesmal scheint es endgültig zu sein für ein Fest, das seit 1980 sogar das Gütesiegel einer „Fiesta von nationalem touristischen Interesse“ besaß.


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