Viele Menschen beachten nicht, dass situationsbezogenes Händewaschen im Alltag ein wichtiger Schutz vor Infektionen ist. Gründliches Händewaschen unterbreche die Infektionskette von Grippeviren oder Erregern von Magen-Darm-Infekten über die eigenen Hände.
Noch immer halten sich viele Menschen beim Niesen die Hand vor Mund und Nase. Dabei wird mittlerweile empfohlen, in die Armbeuge zu niesen. Warum wird davon abgeraten, in die Hand zu niesen? Werden beispielsweise Türgriffe anschließend berührt oder Gegenstände gemeinsam genutzt, können die Keime über die Hände an andere weiter gegeben werden.
Insbesondere Männer waschen sich seltener die Hände als Frauen, so die Ergebnisse einer Umfrage. Männer greifen beispielsweise seltener zu Wasser und Seife, wenn sie von draußen nach Hause kommen oder nach dem Naseputzen.
Das gründliche Händewaschen dauert länger, als viele meinen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, das Lied „Happy Birthday“ zweimal nacheinander zu singen. Das kann etwa 20 Sekunden dauern.
Es ist nicht sehr effektiv, die Hände beim Waschen nur zusammenzupatschen, wie es Kinder gern tun. Wichtig sei es, auch die Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und vor allem die Daumen einzuseifen, denn dort sammelten sich Keime.
Hygienischer ist der Seifenspender. Auch auf einem Seifenstück können sich Keime sammeln, erklären Hygiene-Fachärzte. Bei einem Seifenspender könne man sich auch in öffentlichen Waschräumen darauf verlassen, dass die herausgepumpte Flüssigseife unberührt sei. Hier kann die Seife nur raus und nicht wieder rein in die Flasche.
Für den Hausgebrauch reicht ganz normale, hautschonende Seife. Antibakterielle Zusätze braucht man definitiv nicht, auch wenn die Werbung etwas anderes suggeriert. In Krankenhäusern nutze das Personal hingegen Desinfektionsmittel, weil die Handhygiene dort viel häufiger nötig sei als zu Hause. Mit Desinfektionsmitteln ließen sich die Keime schneller und effizienter als mit Seife beseitigen. Außerdem würden 80 bis 100 Handwäschen mit Seife täglich viel Zeit beanspruchen und die Haut zu sehr austrocknen.
Ob warm oder kalt – beim Händewaschen ist die Wassertemperatur nicht so wichtig. In warmem Wasser lösen sich Fett und Schmutz zwar etwas leichter. Aber wenn man sich die Hände richtig wäscht, ist es egal, ob die Seife mit warmem oder kaltem Wasser abgespült wird, sagen Experten.
Wenn sich Menschen sehr oft und ausgiebig die Hände waschen und pro Tag etwa eine Stunde oder mehr damit verbringen, kann ein Waschzwang vorliegen. Mit diesem Verhalten versuchen die Betroffenen, Ängste – etwa vor Krankheiten – zu kontrollieren. Genetische Faktoren, schwierige lebensgeschichtliche Ereignisse und ungünstige Lernprozesse können eine Rolle spielen. Mit einer Verhaltenstherapie oder auch Medikamenten könne eine solche Zwangsstörung erfolgreich behandelt werden.
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