Herausgegeben hatte die Meldung das "Wine Institute" mit Sitz in San Francisco, ein Verbund kalifornischer Weingüter, der Marktforschung auch in Übersee betreibt. Jedes Jahr veröffentlicht das Institut seine Zahlen, und auch in diesem Jahr wieder verbreiteten Nachrichtenseiten sie ungeprüft. In vino veritas, heißt es in der Amtssprache des Vatikans, aber wie viel Wahrheit steckt hinter dieser Statistik? Anrufe in Kalifornien führen nicht weiter, ein Besuch in den unerklärlichen Weiten des Vatikans hingegen schon.
Man erreicht den Kirchenstaat über das alte Pilgerviertel zwischen Tiber und Petersdom. Borgo Pio, eine Flaniermeile mit Andenkenläden und Bars. Nonnen huschen hier durch, Kardinäle und jede Menge Touristen. Im Borgo backt Angelo, der alte Bäcker des Papstes, noch täglich seine Weißbrotlaibe. Er zeigt auf sein Regal mit Messwein und sagt: "An dem kann`s nicht liegen, der ist nach kanonischem Recht gekeltert, ohne Zusatzstoffe", also gar nicht berücksichtigt in der Statistik aus den USA. Woran aber liegt es denn sonst?
Quelle : spiegel.de
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