Zudem soll der Mann ja einen tadellosen Charakter besitzen und sich besonders für die Armen und Schwachen einsetzen. Doch auf der anderen Seite ist bereits sein Erscheinen bei den Kindern an eine eiskalte Erpressung geknüpft: Die Kleinen sollen das ganze Jahr über schön artig sein - sonst gibt`s nix. Ist es mit der sozialen Seele des Weihnachtsmanns also vielleicht doch nicht so weit her?
Ein klarer Fall für die Wissenschaft. Deshalb haben Forscher um John Park von der Harvard School of Public Health in Boston geschaut, wie oft der Mann mit dem weißen Bart sich tatsächlich um die Armen und Schwachen bemüht - genauer gesagt um die Kranken und Kleinen. Denn die Wissenschaftler haben untersucht, wie häufig Weihnachtsmänner in britischen Kinderklinken zum Fest 2015 aufgetaucht sind. Dafür haben sie bei den Kliniken angerufen und einen Fragebogen vorbereitet.
Der Weihnachtsmann liebt Nordirland
Das Ergebnis: Weihnachtsmanndoubles besuchten 168 der 186 berücksichtigten Kliniken - das entspricht einer Quote von 90 Prozent. Dabei stellt sich heraus: Besonders gerne hält er sich offenbar in Nordirland auf. Hier berichteten Mitarbeiter aus allen acht untersuchten Kliniken von seiner Anwesenheit. Auch in Schottland ließ er sich häufig blicken - immerhin in 14 der 15 Häuser hat er Kinder mit seiner Anwesenheit beglückt. In England, wo sich die meisten Kliniken befanden, erreichte er dagegen nur eine Quote von 89 Prozent (135 von 151 Einrichtungen).
Doch welche Faktoren könnten den Weihnachtsmann bei seiner Besuchsauswahl beeinflussen? Auch das wollten die Forscher wissen. Deshalb haben sie beispielsweise die Jugendkriminalitätsrate (Alter 10 bis 17 Jahre) von den jeweiligen Regionen der einzelnen Kliniken und die Anzahl der Schulfehltage in Grundschulen erfasst.
Denn wer die Schule schwänzt, ist nicht brav. Und würde folglich vom Weihnachtsmann verschmäht werden. Zudem wurde auch die Entfernung vom Weihnachtsmann-Wohnort am Nordpol zu den einzelnen Kliniken (Luftlinie wegen Rentierflug) mit einbezogen. Doch interessiert das den alten Rauschbart alles?
Nein, sagen die Forscher, sie konnten bei ihren Berechnungen keine Korrelation feststellen. Damit halten John Park und sein Team den Weihnachtsmann-Mythos vom braven Kind für widerlegt: Der Alte und sein Sack voller Geschenke kommen auch zu bösen und renitenten Kindern. Zwecklos also, sich das ganze Jahr über von Mama und Papa drohen zu lassen, es gebe keine Geschenke unter der Tanne, wenn man nicht brav sei.
Und: Sogar die Anreisezeit ist dem Weihnachtsmann egal. Denn zwischen der nördlichsten und der südlichsten Klinik, die er besucht hat, liegen viele Hundert Kilometer.
Unterschied zwischen Arm und Reich
Allerdings: Einen Faktor, auf den der Weihnachtsmann anzuspringen scheint, haben die Wissenschaftler dann doch noch gefunden: der soziale Status. Um den zu erfassen, haben die Forscher einen Index gebildet, in den Daten zu Einkommen, Erwerbsquote, gesundheitliche Versorgung, Bildung oder Kriminalität eingeflossen sind.
Und siehe da: In Gegenden mit besonders niedrigem sozialem Status steuerte der Weihnachtsmann seine Rentiere seltener - reiche Gören scheinen also bevorzugt zu werden. "Das ist unsere wichtigste Erkenntnis", sagt Park. In Nordostlondon betrug die Besuchsquote nur 50 Prozent - der niedrigste Wert der Studie. Damit an Weihnachten alle Kinder gleich behandelt werden, sollte man deshalb dringend die Arbeitsbedingungen von Santa Claus verbessern, schreiben die Forscher.
Übrigens, wer es noch nicht gemerkt hat: Ganz ernst ist die Studie nicht gemeint. Sie stammt aus der berüchtigten Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal". Darin vergessen etliche sonst furchtbar seriöse Forscher ihren Alltag und beschäftigen sich einmal jährlich zur Weihnachtszeit mit schrägen Themen.
Im vergangenen Jahr etwa wurde ein Paper veröffentlicht, in dem die Auswirkungen einer Zombie-Apokalypse untersucht wurden. Auch die Studie über die Häufigkeit von Bob-Dylan-Zitaten in biomedizinischen Studien dürfte die Menschheit nicht entscheidend vorangebracht haben. Aber bei allem Klamauk gilt: Auch für die Weihnachtsausgabe müssen die Studien den üblichen Peer-Review-Prozess durchlaufen, bei dem die wissenschaftliche Qualität von unabhängigen Fachkollegen beurteilt wird.
Die scheint bei der Weihnachtsmann-Studie zu stimmen. Dabei haben die Forscher auch einen weniger wissenschaftlichen, dafür umso menschlicheren Antrieb. "Alles, was wir wollen, ist, dass alle Kinder an Weihnachten glücklich sind.", schreiben sie. In diesem Sinne: frohes Fest.
Quelle : spiegel.de
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