Autoabgase könnten Demenzrisiko steigern
Im Fachmagazin "The Lancet" geben die Forscher Entwarnung mit Blick auf Parkinson und Multiple Sklerose: Auch wer näher als 50 Meter an einer vielbefahrenen Straße wohnte, hatte demnach kein höheres Krankheitsrisiko als jemand, dessen Wohnort mehr als 300 Meter von stärkerem Verkehr entfernt lag. Bei der Demenz zeigte sich ein Zusammenhang, wobei das Risiko nur leicht erhöht war. Weil es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus nicht mit völliger Sicherheit schließen, dass die Straßennähe tatsächlich das Demenzrisiko erhöht - und nicht andere Faktoren, die die Wissenschaftler nicht mit einberechnet haben.
Die Forscher um Hong Chen von der Gesundheitsbehörde der kanadischen Provinz Ontario erfassten alle Demenzfälle bei Erwachsenen in Ontario, die zu Studienbeginn mindestens fünf Jahre in der Provinz lebten, 55 bis 85 Jahre alt waren und in Kanada geboren wurden. Von den rund 2,2 Millionen Menschen in dieser Gruppe erkrankten binnen elf Jahren rund 244.000 an Demenz.
Um abzuschätzen, wie die Straßennähe das Risiko beeinflusste, teilten die Forscher die Gruppe je nach Wohnort ein: näher als 50 Meter an einer vielbefahrenen Straße, ein Abstand von 51 bis 100 Meter, 101 bis 200 Meter, 201 bis 300 Meter sowie mehr als 300 Meter. Als vielbefahrene Straßen zählten die Forscher Hauptverkehrsstraßen in den Städten, große Ein- und Ausfallstraßen sowie Autobahnen. Die Forscher zogen auch andere Faktoren in ihre Berechnungen ein, die ebenfalls einen Einfluss auf das Krankheitsrisiko haben können, beispielsweise den Bildungsgrad.
Lag der Wohnort weniger als 50 Meter von so einer vielbefahrenen Straße entfernt, war das Demenzrisiko um etwa sieben Prozent höher als bei jenen, die mehr als 300 Meter Abstand zum Verkehrsweg hatten. Anders formuliert: Auf 100 Demenzfälle bei jenen mit straßenfernem Wohnort kamen 107 Demenzfälle bei denen in Straßennähe.
Lag der Wohnort 51 bis 100 Meter entfernt vom Hauptverkehrsweg, war das Demenzrisiko um vier Prozent erhöht, bei 101 bis 200 Metern war es noch um zwei Prozent höher.
Die Forscher untersuchten, ob erhöhte Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte daran schuld sein könnten. Laut ihren Daten scheinen sie zum Demenzrisiko beizutragen, es müsse jedoch noch weitere Ursachen geben. Das könnten andere Stoffe sein, die die Luft verschmutzen - oder der Straßenlärm.






