Rechtspopulisten fordern Ende der EU

  17 Dezember 2017    Gelesen: 360
Rechtspopulisten fordern Ende der EU
Die Europäischen Union sehen rechtpopulistische Parteien als eine "existenzielle Gefahr". In Tschechien kommen jetzt mehrere von ihnen zusammen. Der Tagungsort ist kein Zufall: Dort rechnen die EU-Gegner mit großer Zustimmung für ihre radikalen Ansichten.
Rechtspopulisten aus ganz Europa haben bei einem Treffen in Prag ein Ende der Europäischen Union in der jetzigen Form gefordert. An dem Kongress der EU-Parlamentsfraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF) nahmen unter anderem der Niederländer Geert Wilders und die Französin Marine Le Pen teil. "Brüssel ist eine existenzielle Gefahr für unsere Nationalstaaten", kritisierte Wilders. Le Pen sprach von einer "desaströsen Organisation".

Die rechten Verbündeten sprachen sich klar gegen Zuwanderung aus. "Ich hoffe, dass die Tschechen ihre Türen vor der Massenzuwanderung fest geschlossen halten", sagte Wilders und lobte die Haltung der östlichen EU-Staaten. Die EU-Kommission klagt gegen Tschechien, Ungarn und Polen, weil sie die EU-Flüchtlingsquoten nicht umsetzen. Gastgeber Tomio Okamura von der tschechischen Partei Freiheit und direkte Demokratie (SPD) sagte, es drohe eine "muslimische Kolonisation Europas".

Nur mehrere Hundert Menschen folgten einem Aufruf linker Gruppen zu Gegendemonstrationen. Sie riefen vor dem Tagungshotel lautstark "Schande" und hielten Spruchbänder hoch wie "Soziale Gerechtigkeit statt Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit". Die Polizei bereitete sich mit starken Sicherheitsmaßnahmen auf das Treffen vor und setzte auch einen Hubschrauber ein.

Österreichs neue Regierung gefällt Le Pen

Le Pen begrüßte die Regierungsbeteiligung der rechten FPÖ in Österreich als eine "sehr gute Nachricht für Europa". Wilders nannte es wunderbar, dass das Mitglied der ENF-Fraktion ernstgenommen werde. Anders als im Januar in Koblenz war die deutsche AfD diesmal nicht bei dem Treffen vertreten. ENF-Mitglied Marcus Pretzell war nach der Bundestagswahl zur Blauen Partei gewechselt und damit seiner Frau Frauke Petry gefolgt. Im EU-Parlament konnte die kleinste Fraktion bisher kaum etwas bewegen. Auch in der Öffentlichkeit wurde es ruhiger um sie.

Die Wahl Prags als Tagungsort dürfte kein Zufall sein: In Tschechien rechnen die EU-Gegner offensichtlich mit einem größeren Zustimmungspotenzial für ihre radikalen Ansichten. Gastgeber Okamura hatte mit seiner rechten Partei bei der Parlamentswahl Ende Oktober 22 der 200 Abgeordnetenmandate erhalten - mit einem harten Kurs gegen Flüchtlinge und den Islam. In einer Eurobarometer-Umfrage hielten nur 33 Prozent der Tschechen die Mitgliedschaft in der Europäischen Union für positiv. Das war der niedrigste Wert unter allen 28 Mitgliedsstaaten.

Quelle: n-tv.de

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