Davos im Trump-Fieber

  22 Januar 2018    Gelesen: 256
Davos im Trump-Fieber

Der erwartete Besuch von US-Präsident Trump überlagert die Davoser Agenda. Das Ziel des Gipfels, die so arg zersplitterte Welt zu einen, gerät in den Hintergrund.

Kommt er? Donald Trump hat seine Reise ins tief verschneite Davos - trotz des Shutdown - bislang nicht abgesagt. Ausgerechnet der für seinen spalterischen Protektionismus gescholtene US-Präsident wird zum 48. World Economic Forum (WEF) erwartet. Dessen Slogan lautet: "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt". An diesem Freitag will der 45. US-Präsident vor den rund 3000 Gästen aus aller Welt mit einer mit Spannung erwarteten Rede den Gipfel beschließen. Spätestens dann hält Davos den Atem an.


Dass auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Davos erwartet werden, zeigt die politische Bedeutung des Gipfels - ihre Besuche aber gelten als Routine. Mit dem Trump-Auftritt aber, da sind sich eingefleischte Davos-Pilger sicher, werde die in die Jahre gekommene WEF-Tagung wieder "great again".

"Für eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt": Mit seiner Zusage hat Trump die Agenda der Weltretter schon vor Beginn über den Haufen geworfen. Jeder will wissen, wie Trump der weltweiten Elite seinen abwehrenden Kurs gegen einen weltweiten Freihandel verkaufen will. Dabei gibt es bedeutendere Themen. Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung könnte die Wurzeln der nächsten aufkommenden weltweiten Krise überdecken, warnte das WEF noch vor wenigen Tagen. Sogar die Entwicklung der Menschheit sei "in Gefahr".

Schon lange taugt der Zustand der Wirtschaft nicht mehr als globales Stimmungsbarometer. Die Wirtschaft brummt - vor allem in den großen Industrienationen. Die Risiken, ausgelöst durch einen Mix aus digitaler Revolution sowie demographischen, wirtschafts- und machtpolitischen Verschiebungen, nehmen zu, sind sich viele Wirtschaftsexperten einig.

Promenade als Showroom der Konzerne


Jenseits der großen Politik, bei den Davoser Geschäftsleuten, ist freilich vom aufkeimenden Zweifel, wie lange der Aufschwung in den wichtigen Industrienationen noch anhält, wenig zu spüren. Auf der Promenade, der lokalen Einkaufsmeile, werden in der WEF-Woche Millionen Franken verdient. Nein, nicht weil die Boutiquen und Cafés durch die Besucher aus allen Nähten zu platzen drohen.

Die Straße wird zum Showroom. Reihenweise werden Läden geschlossen und über Nacht zu Designer-Lounges umgebaut. Weltweit agierende Konzerne halten dort Hof, wo sonst Skibekleidung und Pralinen verkauft werden. Ein Einzelhändler sagt: "Ich bekomme in dieser Woche mehr als meine gesamte Jahresmiete bezahlt."

Manche Konzerne gehen noch weiter. Der US-Gigant Facebook hat sich eigens für den Weltwirtschaftsgipfel einen dreistöckigen Holzpalast bauen lassen. Dort bittet Facebooks Grand Dame Sheryl Sandberg Kunden aus aller Welt zur abendlichen Reception. Wenn Trump am kommenden Freitag seine Rede gehalten hat, wird das millionenteure Gebäude wieder abgebaut.

Dann verfällt Davos, für eine Woche erneut das Mekka der politischen Meinungsführer, wieder in den ruhigen Schlaf eines Schweizer Bergstädtchens. Dass die Welt anschließend weniger zersplittert ist - wohl nicht. Sicher nur: Die Zukunft ist in der globalisierten und digitalisierten Welt auf jeden Fall gemeinsam. Isoliert und glücklich, darauf sollte wohl kein Staat mehr setzen. Deshalb ist miteinander reden wie in Davos auch in diesem Jahr Gold wert.

Quelle: n-tv.de


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