Jeder dritte Single von Armut bedroht

  13 Februar 2018    Gelesen: 814
Jeder dritte Single von Armut bedroht
In zwei von fünf Haushalten leben Alleinstehende und nicht selten Alleinerziehende. Und gut ein Drittel von ihnen sind von Armut bedroht. Besonders groß ist die Gefahr für ältere Menschen und Geringverdiener. Ein Trend, der sich deutlich verschärft hat.
 

Fast jeder dritte Alleinstehende in Deutschland ist von Armut bedroht. Wie aus Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat hervorgeht, stieg der Anteil der armutsgefährdeten Alleinstehenden zwischen 2006 und 2016 von 21,5 auf 32,9 Prozent. In den vergangenen Wochen sind soziale und gesundheitliche Folgen von Einsamkeit verstärkt in den Fokus gerückt, nachdem in Großbritannien ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet wurde.

Auf die aktuellen Eurostat-Zahlen machte die Linke im Bundestag aufmerksam. Diakonie-Deutschland-Präsident Ulrich Lilie sagte, die Betroffenen hätten es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. "Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen strukturell zu helfen."

Experten gehen davon aus, dass insbesondere Ältere mit kleinen Renten oder Grundsicherung betroffen sind, Jüngere auf dem Weg von einer Ausbildung ins Berufsleben und Niedrigverdiener. Als von Armut bedroht gilt, wer bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. 2016 waren dies 1063,75 Euro pro Monat. Alleinstehende mit einer Beschäftigung waren laut Eurostat zu 17 Prozent armutsgefährdet. Zehn Jahre zuvor waren es nur 10,1 Prozent.

Linke: Armut breitet sich aus


Auch die Gesamtzahl der Alleinstehenden ist in den vergangenen Jahren in Deutschland mit leichten Schwankungen angestiegen und überschritt 2015 die Marke von 16 Millionen. Ein Jahr später waren es bereits 16,43 Millionen alleinstehende Erwachsene ohne Kinder. Damit leben in mehr als zwei von fünf Haushalten Alleinstehende (40,8 Prozent). EU-weit sind nur 32,5 Prozent der privaten Haushalte Alleinstehenden-Haushalte. Auch der Anteil der Armutsgefährdung liegt bei ihnen EU-weit unter dem deutschen Wert, nämlich bei 25,6 Prozent.

Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann sagte: "Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Sie ist da und kann sich nicht verstecken." Im EU-Vergleich habe Deutschland einen ausgeprägten Niedriglohnsektor. "Eine neue Bundesregierung muss hier einen Schwerpunkt setzen", so die Vize-Fraktionschefin. Sie forderte unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro, ein Verbot von Leiharbeit und von sachgrundlosen Befristungen.

Diakonie-Präsident Lilie machte darüber hinaus darauf aufmerksam, dass viele alleinerziehende Frauen Probleme hätten, mit ihrem Einkommen zurechtzukommen. Alleinerziehende, die zum Beispiel Unterhaltsansprüche nicht durchsetzen könnten und kein Netz von Verwandten hätten, gerieten rasch in eine Abwärtsspirale. Eine soziale Notlage gehe so oft mit zunehmender Vereinsamung einher.

Lilie begrüßte, dass sich Union und SPD im Entwurf ihres Koalitionsvertrags zum Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland bekannt hätten. Die Politik sei gefordert, beitragsfreie Kitas zu schaffen und Ganztagsbetreuung auch für Schüler auszubauen.

Quelle: n-tv.de


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