Das brisante Foto von Fußball-Star Salah

  12 Juni 2018    Gelesen: 636
Das brisante Foto von Fußball-Star Salah

Für ein Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat es nicht gereicht, aber der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow ist dennoch Gastgeber: Er hat Ägypten um Superstar Mohamed Salah angelockt. Menschenrechtsorganisationen macht das fassungslos.

Mit Mohamed Salah fotografiert zu werden, ist wohl einer der größten Wünsche aller Muslime, die sich für Fußball begeistern. Für sie ist der Angreifer des FC Liverpool und der ägyptischen Nationalmannschaft so eine Art Halbgott in kurzer Hose. Am Montag wurde Salah mit einem Mann abgelichtet, der einen sehr zweifelhaften Ruf genießt: Ramsan Achmatowitsch Kadyrow. Aber einem generösen Gastgeber schlägt man den Wunsch nach einem gemeinsamen Foto wohl nicht ab.

Kadyrow ist seit 2007 Präsident der muslimisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien und spielt seitdem mit Wladimir Putin regelmäßig einen fragwürdigen Doppelpass. Der 41-Jährige sorgt für Ruhe in einem Krisengebiet, Moskau dankt dies mit Geld und freier Hand beim Regieren. Bei der WM ist Grosny, die Hauptstadt Tschetscheniens, WM-Hauptquartier der Ägypter - zum Entsetzen von Menschenrechtsorganisationen, die Kadyrow zahlreiche Verbrechen zur Last legen.

Kadyrow war wohl wenig begeistert, als die ägyptische Mannschaft am Montag vor gut 8000 Zuschauern in der Achmat-Arena in Grosny trainierte - und Salah nicht dabei war. Er ließ seinen Wagen in das nur fünf Minuten Fußweg entfernte Hotel schicken. Der Star wurde aus seinem Nachmittagsnickerchen gerissen und umgehend in das Stadion gefahren, wo er von Kadyrow zu einem großen Auftritt genötigt wurde. Wieder einmal nutzte Tschetscheniens Herrscher einen Sportler, um sein Image aufzupolieren.

"Schockierend und ungeheuerlich"


Ursprünglich wollte der selbstherrliche Kadyrow sogar WM-Spiele nach Grosny holen. Zu diesem Zweck wurde im März 2011 ein Spiel in der neu erbauten und nach Kadyrows ermordetem Vater benannten Achmat-Arena zwischen einer tschetschenischen Auswahl und einer brasilianischen Mannschaft veranstaltet. Für Tschetschenien spielten unter anderem Lothar Matthäus - und Kadyrow persönlich: Er erzielte zwei Tore. Für die Brasilianer traten unter anderem Giovane Elber, Dunga oder Romario an.

Nun, mit dem WM-Spiel hat es nicht geklappt, aber zu den 67 Standorten, an denen die 32 Mannschaften während der WM ihren Hauptsitz einrichten konnten, gehörte Grosny dann doch. Grosny als Quartier für ein WM-Team zuzulassen und damit Kadyrow eine Bühne zu geben, sei "schockierend und ungeheuerlich", sagte Jane Buchanan von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gleich bei der Bekanntgabe des ägyptischen Quartiers, es sei eine "Schande" ergänzte sie.

Nicht zuletzt, weil Tschetschenien muslimisch geprägt ist, wurde die Hauptstadt zunächst von Tunesien, dann auch von den Iranern und den Saudis als WM-Quartier ernsthaft in Erwägung gezogen - die Ägypter handelten schließlich am schnellsten und wohnen nun alleine in einem Fünf-Sterne-Hotel in Downtown Grosny, wo die Angestellten arabisch sprechen. Sie haben Zugang zu einer der größten Moscheen Europas und zu Halal-Essen. In der ganze Stadt hängen ägyptische Fahnen - kein Wunsch soll unerfüllt bleiben.

Der Menschenrechtsverletzer

Kadyrow werden freilich schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, unter anderem die Verfolgung Homosexueller und ein gnadenloser Umgang mit Oppositionellen. Kadyrow ist Muslim und Anhänger des sunnitischen Sufismus. Die Scharia zähle für ihn mehr als Russlands Gesetze, hat er verkündet. "Wir haben aus der Liste ausgewählt, die uns die Fifa gab", sagte der ägyptische Teammanager Ihan Leheta der New York Times, "wenn die Leute ein Problem mit Grosny haben, sollten sie mit der Fifa sprechen".

Von der Fifa gab es auf die Vorwürfe von Menschenrechtlern wie Buchanan zur Wahl von Grosny die erwartbare Antwort: Es bestehe "kein Zweifel", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der Weltverband "jegliche Art der Diskriminierung", auch "Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung", verurteile. Offensichtlich ist der Fifa entgangen, dass diese Stellungnahme im Widerspruch zu Einstellung und Gebaren Kadyrows steht.

Quelle: n-tv.de


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