„Nazis mit Migrationshintergrund: Deutsch-Rap so judenfeindlich wie Rechts-Rock“

  23 Juni 2018    Gelesen: 815
„Nazis mit Migrationshintergrund: Deutsch-Rap so judenfeindlich wie Rechts-Rock“

Jahrelang hat Ben Salomo, jüdischer Rapper aus Berlin, die Reihe „Rap Am Mittwoch“ betrieben. „Damit ist jetzt Schluss“, sagte er. Denn: „In der deutschen Rap-Musik grassiert der Antisemitismus.“ Sputnik sprach mit dem Künstler über das Problem des Antisemitismus in Musik und Gesellschaft sowie über den jüngsten Echo-Eklat.

„In den letzten Jahren habe ich immer mehr ein antisemitisches Klima in dieser Rap-Szene mitbekommen und am eigenen Leib erfahren“, sagte Ben Salomo, jüdischer Musiker aus Berlin, gegenüber Sputnik. „Das ist wirklich immer schlimmer geworden. Immer näher an mich herangekommen.“ Religion spiele in seinem Alltag keine große Rolle, da er das Judentum eher als ethnische Zugehörigkeit zu einer Gruppe versteht.

 

Der Rapper und YouTuber hatte vor acht Jahren die Veranstaltungsreihe „Rap Am Mittwoch“ ins Leben gerufen und organisiert. Sie bot jungen Leuten eine Plattform, sich im Rappen (Sprechgesang) und Freestylen zu üben und fand monatlich in einem Berliner Club am Schlesischen Tor statt. In den letzten Jahren bereiste die Reihe regelmäßig deutsche Metropolen wie München, Hamburg oder Düsseldorf. Vor wenigen Wochen gab es das letzte Konzert. Denn nun sei Schluss, sagt Ben Salomo. „Ich habe es jahrelang durchaus geschafft, das Thema aus dem ‚Rap Am Mittwoch‘-Kosmos herauszuhalten. Aber je größer und je bekannter unsere Plattform geworden ist, desto mehr drang der Antisemitismus wieder rein. Für mich war das die Konsequenz, mich aus Protest aus meiner Veranstaltung zurückzuziehen und die damit zu beenden.“

„In Deutsch-Rap-Szene tummeln sich Nazis“
Es habe einfach keinen Spaß mehr gemacht. „Wenn diese HipHop-Szene nicht mehr die Werte hat, mit denen ich mich identifizieren kann, dann muss ich konsequent sein und mich aus dieser Szene herausziehen. Jetzt versuche ich von außen, intensiv auf dieses Problem innerhalb der Szene hinzuweisen. Weil von der Szene selbst kommt da leider viel zu wenig. Die Journalisten, die Labels, auch die Künstler nehmen das Thema nicht ernst. Viele sind Mitläufer, nehmen das Thema stillschweigend hin. Dabei muss ich sagen: In der Deutsch-Rap-Szene tummeln sich unfassbar viele Nazis mit Migrationshintergrund."

Die Deutsch-Rap-Szene sei „in weiten Teilen“ unterwandert von Menschen, „die selber oder deren Eltern aus Ländern kommen, in denen Antisemitismus und Israel-Hass zur Staatsräson gehört. Diese Einstellungen haben diese Menschen mit nach Deutschland gebracht und teilweise an ihre Kinder weitergegeben. Und diese Einstellungen drangen dann immer mehr in die Rap-Musik ein, weil diese Leute diese Musik als ihr Sprachrohr für sich entdeckt haben.“

So würden viele Rap-Songs „Ideologien und typische anti-jüdische Theorien, die auch schon die Nazis propagiert haben, verbreiten.“ Die Leute in der Rap-Szene seien von Neonazis nur noch schwer zu unterscheiden, „auch wenn ihr Background nicht deutsch ist, sondern sie aus dem Libanon, der Türkei oder Palästina kommen. Viele Deutsche innerhalb der Rap-Szene haben diese Narrative dann aufgenommen und sind Mitläufer geworden.“

sputniknews


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