Zuckerberg will von nichts gewusst haben

  16 November 2018    Gelesen: 318
Zuckerberg will von nichts gewusst haben

Schon länger wird Facebook vorgeworfen, in seinem Netzwerk nicht ausreichend gegen rechte Hetze vorzugehen. Nun droht der nächste Skandal: Das Unternehmen soll eine PR-Firma beschäftigt haben, um Kritiker in Misskredit zu bringen. Zuckerberg verteidigt sich.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat nach eigenen Angaben erst aus einem Zeitungsbericht erfahren, dass das Online-Netzwerk eine PR-Firma beschäftigte, die Kritiker hinterrücks in ein schlechtes Licht rücken sollte. "Jemand aus dem Kommunikationsteam muss sie angeheuert haben", sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Auch Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die sich bei Facebook viel mit politischen Fragen befasst, habe davon nichts gewusst.

Er werde weiter mit Sandberg zusammenarbeiten, sagte Zuckerberg und entkräftete damit Spekulationen, das PR-Debakel könne sie ihren Job kosten. Sie mache "insgesamt" gute Arbeit. Facebook wolle jetzt Beziehungen zu PR-Agenturen auf den Prüfstand stellen, um mögliche weitere ähnliche Fälle herauszufiltern, sagte Zuckerberg. Auch wenn andere zu solchen Methoden griffen, "das ist nicht die Art, wie ich das Unternehmen führen will", versicherte der Facebook-Gründer.

Ein Bericht der "New York Times" beschuldigt Facebook, eine PR-Kampagne gegen den US-Milliardär und Philantropen George Soros finanziert zu haben. Seit 2017 soll Facebook die von republikanischen Wahlkampf-Veteranen gegründeten Firma Definers Public Affairs bezahlt haben, um Berichte gegen Kritiker zu begünstigen. Das Unternehmen sei darin spezialisiert, PR-Strategien wie Negativ-Nachrichten über Konkurrenten in die Öffentlichkeitsarbeit von Firmen zu übertragen.

"Freedom from Facebook"


Journalisten sollen demnach ermutigt worden sein, sich Rivalen wie Google genauer anzusehen, um von der Kritik am eigenen Unternehmen abzulenken. Auch die Organisation "Freedom from Facebook" (Freiheit von Facebook) sollte beobachtet werden. Dabei sei von Definers eine Studie an Journalisten versendet worden, die Soros als Geldgeber und Koordinator der Organisation darstelle. Soros ist ein häufiges Angriffsziel für Konservative wie US-Präsident Donald Trump - aber auch für antisemitische Verschwörungstheorien. Im Januar 2018 hatte er den Konzernriesen in einem Vortrag auf dem Wirtschaftsforum in Davos öffentlich kritisiert.

Zuckerberg wies Kritik daran zurück, dass diese Aktivitäten an ihm vorbeigegangen seien. In einer Firma mit der Größe von Facebook werde es immer passieren, dass Mitarbeiter etwas machten, wovon er nichts wisse. Auf die Frage, ob er nicht den Vorsitz im Verwaltungsrat abgeben sollte, machte Zuckerberg deutlich, dass er auch das Aufsichtsgremium weiter führen wolle.

Facebook räumte ein, dass das Online-Netzwerk mit der PR-Firma zusammengearbeitet habe. "Die Absicht war, zu demonstrieren, dass es nicht einfach nur eine spontane Basiskampagne war, wie von ihr behauptet, sondern sie von einem bekannten Kritiker unseres Unternehmens unterstützt wurde", verteidigte sich der Konzern. Dies als antisemitische Attacke darzustellen, wäre aber "verwerflich und falsch". Die Geschäftsbeziehung zu Definers sei "vergangene Nacht" beendet worden, hieß es zugleich.

Zuckerberg kündigt unabhängiges Gremium an

Soros' Stiftung Open Society Foundations wies eine Verbindung zu "Freedom from Facebook" zurück. Sie habe zwar zwei Mitglieder-Organisationen der Koalition unterstützt, dies habe aber keinen Bezug zu "Freedom from Facebook" gehabt, sagte Präsident Patrick Gaspard. Er verurteilte die Vorgehensweise von Facebook in einem offenen Brief an Sandberg: "Ihre Methoden bedrohen die Werte, auf denen unsere Demokratie beruht." Er verwies darauf, dass Soros zu den prominenten Trump-Kritikern gehörte, denen vor wenigen Wochen Rohrbomben geschickt wurden. Zudem beschuldigte er das Unternehmen, von der eigenen Rolle im politisch aufgeladenen Klima der USA abzulenken.

Zuckerberg kündigte in einer Telefonkonferenz für kommendes Jahr auch ein neues unabhängiges Gremium an, an das sich Nutzer wenden können, die mit der Löschung ihrer Inhalte durch Facebook nicht einverstanden sind. Details dazu gab es zunächst nicht. Zuckerberg versicherte zudem, dass die Facebook-Führung nicht versucht habe, die Untersuchungen zu russischen Propaganda-Kampagnen auf der Plattform im Umfeld der US-Präsidentenwahl 2016 zu bremsen, wie es ihnen von liberalen Kritikern oft vorgeworfen wird. Man habe zwar zu langsam darauf reagiert, aber der Vorwurf, Facebook sei nicht an der Wahrheit interessiert gewesen, sei "einfach falsch". Der Konzern hatte Definers wegen der zunehmenden negativen Berichterstattung angeheuert.

Quelle: n-tv.de


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