Deutsche werfen Trump Erpressung vor

  21 Januar 2019    Gelesen: 697
  Deutsche werfen Trump Erpressung vor

Dass Deutschland künftig mehr russisches Gas über eine Ostseepipeline importieren will, ist US-Präsident Trump ein Dorn im Auge. Die Sanktionsdrohungen seines Botschafters Grenell an beteiligte Firmen halten die Deutschen laut RTL/n-tv Trendbarometer für "ungehörig".

Deutschland begibt sich durch den stärkeren Import von Erdgas aus Russland nach Ansicht einer Mehrheit der Deutschen nicht in eine gefährliche Abhängigkeit. Laut RTL/n-tv Trendbarometer sind 67 Prozent der Bundesbürger überzeugt davon, dass entsprechende Warnungen von US-Präsident Donald Trump ungerechtfertigt sind. Er hatte Ende des vergangenen Jahres davon abgeraten, sich über die Ostseepipeline Nord Stream 2 von russischen Gaslieferungen abhängig zu machen. Der Berliner US-Botschafter David Grenell hatte den am Projekt beteiligten Konzernen sogar damit gedroht, sich einem "erheblichen Sanktionsrisiko" auszusetzen.

Der Bau der 1200 Kilometer langen Trasse durch die Ostsee hat bereits begonnen. Die USA haben das Projekt mehrfach massiv kritisiert. Trump hatte etwa vor einer totalen Kontrolle durch Russland gewarnt. Die Sicherheit Europas sei in Gefahr, so der Präsident. 73 Prozent der Bundesbürger halten den Bau dennoch für richtig; nur 16 Prozent meinen, "man sollte darauf verzichten". Zu denjenigen, die den Warnungen des Präsidenten Glauben schenken, zählen mehrheitlich AfD-Wähler. 52 Prozent der Parteianhänger halten Trumps Aussagen demnach für berechtigt.

Dass die breite Mehrheit der Bevölkerung anders denkt, liegt auch daran, dass fast alle Bundesbürger den Motiven Trumps misstrauen: Nur vier Prozent der Befragten glauben, dass es dem US-Präsidenten tatsächlich nur um das Wohlergehen Europas und Deutschlands geht. Neun von zehn Befragten sind hingegen überzeugt davon, dass Trump lediglich US-Flüssiggas in Europa verkaufen will - und versucht, den größten Konkurrenten Russland anzuschwärzen.


Auch die Sanktionsdrohungen von Grenell bewertet eine große Mehrheit der Deutschen als "ungewöhnlich und ungehörig" - konkret kritisieren 91 Prozent der Befragten die Äußerungen des US-Botschafters. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Bundesbürger empfinden die Drohungen gegen deutsche Unternehmen als Erpressung. "Die Deutschen sehen deutlich, dass die Auseinandersetzung über Nord Stream 2 nicht politisch, sondern wirtschaftlich motiviert ist", so Forsa-Chef Manfred Güllner.

Die Mehrheit der Bundesbürger sei sich laut Güllner bewusst, dass der deutsche Energiebedarf in den kommenden Jahren nicht alleine durch erneuerbare Energien gedeckt werden könne. Auch künftig sei deshalb der Import von herkömmlichen Energiearten - etwa Erdgas - notwendig. Die Überzeugung der meisten Befragten sei, dass dieser Bedarf "bei zu Ende gehenden Energievorräten in Norwegen und anderen Ländern eher aus Russland als aus den USA" gedeckt werden solle.

 

n-tv.


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